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Rechtsextremer Fußballklub FC Ostelbien Dornburg: Ein Neonazi-Fußballklub hat auch Rechte

Nichts für Fußballer mit Platzangst: die Ersatzbank des FC Ostelbien.

Nichts für Fußballer mit Platzangst: die Ersatzbank des FC Ostelbien.

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DPA/Jens Wolf

Magdeburg -

Mit einer flammenden Rede über Fair Play, gegen Rechtsextremismus und Gewalt – nein, so begann Erwin Bugar am Dienstag nicht seine Ausführungen zum Ausschlussverfahren gegen die rechtsextremen Kicker des FC Ostelbien Dornburg. Stattdessen verkündete der Präsident des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) gut zwei Dutzend Journalisten erst die frohe Botschaft: „Wir werden am 21. August unser 25-jähriges Verbandsjubiläum feiern!“

Die flammende Rede kam auch später nicht, aber Bugar wenigstens bald zur Sache: Der Verband will den Ausschluss der rechtsextremen Kicker und hat dazu beim formal zuständigen Landessportbund (LSB) einen Antrag gestellt. Die Entscheidung dazu fiel im Präsidium des Fußballverbandes bereits am vergangenen Donnerstag, Bugar wollte aber erst jetzt darüber sprechen. Er ist zwar selbst Jurist, der Verband hat sich aber noch die Expertise eines laut Bugar „profunden Vereinsrechtlers“ eingeholt.

15 der 18 Kicker des FC Ostelbien Dornburg sind laut Landes-Verfassungsschutz Rechtsextremisten. Dem Kreisligateam werden brutale Fouls, Ausschreitungen, Einschüchterungen und rassistische Beleidigungen vorgeworfen. Zuletzt weigerten sich vier andere Teams, gegen die Dornburger zu spielen und 59 der 65 Schiedsrichter wollen aus Angst Spiele der Dornburger nicht mehr pfeifen. Laut Verband gab es gegen die Dornburger alleine in diesem Jahr neun Sportgerichtsverfahren – keines ist rechtskräftig. Entweder die Dornburger haben Rechtsmittel eingelegt oder der Verband.

Entscheidung Ende August

Die Begründung für den Ausschluss wollte Bugar nur in Teilen offenlegen. Demnach sollen die Dornburger „schuldhaft wiederholt und grob gegen Satzungsbestimmungen“ verstoßen haben. Insbesondere gegen den Passus, wonach alle Mitglieder des Landessportbundes gegen Fremdenfeindlichkeit, politischen Extremismus, Gewalt, Gewaltverherrlichung und Homophobie zu wirken haben. Es habe eine Häufung von Verstößen gegen das Fair Play sowie grobe Unsportlichkeiten und Diskriminierungen gegeben. „Der Verein hat diese Handlungen geduldet und unseres Wissens nicht sanktioniert, weshalb er aus Sicht des FSA für die Verstöße mit verantwortlich ist“, sagte Bugar.

Jetzt ist der übergeordnete Landessportbund am Zug: Erst wird der FC Ostelbien Dornburg angehört, dann entscheidet das LSB-Präsidium am 31. August über den Ausschluss. Allerdings beginnt zwei Tage vorher bereits die neue Spielzeit im Jerichower Land – und die Dornburger dürfen erst mal mitspielen. „Wir haben keine Anarchie, sondern Demokratie“, erläuterte Bugar. Deshalb könne man dem Verein die Teilnahme ohne rechtskräftigen Ausschluss nicht verweigern. „Jeder hat Anspruch auf Anwendung der Regeln.“

Die Dornburger haben bereits angekündigt, gegen einen Ausschluss vor Gericht zu ziehen. Im Fußballverband geht man deswegen davon aus, dass die Rechtsextremen nicht nur die ersten Spiele, sondern vielleicht die gesamte Saison mitmachen könnten bis zu einem rechtskräftigen Ausschluss. Doch wie spielen – ohne Schiedsrichter und Gegner? Teams, die nicht antreten, werden mit Punktabzug und Geldstrafe belegt. Wobei Bugar dann auf „Fingerspitzengefühl der Sportgerichtsbarkeit“ hofft.

Der Fußball-Kreisfachverband Jerichower Land soll beim benachbarten Verband Anhalt um Schiris gebeten, diese aber dankend abgelehnt haben. „Dornburg ist nicht gesperrt und wird spielen. Da werden auch Schiedsrichter hinfahren“, versichert Kreis-Chef Horst Wichmann. Die Dornburger hätten nämlich mittlerweile einen Brief geschrieben, in dem sie den „Schutz der Schiedsrichter garantieren“.