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Reus: "Ach, wenn ich dich nehme"

Garanten für den Gladbacher Aufschwung: Marco Reus und Torwart Marc-Andre ter Stegen.

Garanten für den Gladbacher Aufschwung: Marco Reus und Torwart Marc-Andre ter Stegen.

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dapd

Es kommt nicht oft vor, dass Lucien Favre keine Antwort weiß, doch am Samstag nach 5:0 seiner Borussia gegen Werder Bremen war der Trainer von Borussia Mönchengladbach für einige Augenblicke sprachlos. Was dieser Mannschaft noch fehle, hatte jemand gefragt, und Favre antwortete: „Dass wir auch schlechte Spiele gewinnen.“ Offenbar erkennt auch Favre langsam die Möglichkeiten, die in dieser Mannschaft stecken. „Wir sind schon sehr weit“, räumte der Schweizer ein. Die Borussia war nach Patrick Herrmanns Führungstor regelrecht explodiert, und der Superheld war mal wieder Marco Reus.

Drei Tore hatte Jungnationalspieler Reus erzielt. „Wenn wir in Führung gehen, dann spielen wir uns im Moment oft in einen Rausch“, beschrieb Reus die Entwicklung der Partie. Borussia Mönchengladbach wirkt langsam wirklich wie eine Spitzenmannschaft.

Das rasend schnelle Kombinationsspiel von Juan Arango, Herrmann, Hanke und Reus erinnerte an die Ballstafetten der Nationalmannschaftsoffensive. „Die Tore waren alle schön, wir sind im richtigen Moment in die Tiefe gelaufen“, meinte Favre. Vor allem Herrmann blüht auf, aber natürlich verzauberte keiner die Zuschauer so wie der dreifache Torschütze. „Wenn Reus die Freiheit hat, den Ball anzunehmen und Schwung zu holen, dann gibt es keinen Spieler der Welt, der ihn stoppen kann“, meinte Werders Manager Klaus Allofs.

1000 torlose Minuten

Aber es liegt nicht nur an Reus allein, sondern am Geist im Team. Am Zusammenhalt. Gut war das nach Arangos 5:0 zu sehen (53.), als alle elf Spieler sich zum gemeinsamen Jubel an der Eckfahne trafen. Niemand versucht sich zu profilieren, das Kombinationsspiel ist frei von Eitelkeiten und Selbstdarstellung, beeindruckende individuelle Fähigkeiten (ter Stegen, Arango, Reus, Dante, Herrmann) veredeln ein grundsätzlich stabiles Gesamtgebilde.

„Im Moment stimmt die Mischung einfach“, sagte Favre, der sich auch noch sicher ist, dass seine Spieler „auf dem Boden bleiben, denn alle wissen sehr genau wo wir herkommen.“ Wo diese Mannschaft ankommen könnte, beginnen sie erst langsam zu ahnen. „Wir haben einfach sehr viele intelligente Spieler“, meinte Mike Hanke, der am Samstag die 1000 Torlosminutengrenze überschritt, aber trotzdem ein elementarer Bestandteil der Offensive ist: als wuchtige Ergänzung zu den Technikern.

Nur eine Sache ist dann doch schief gegangen im Borussia-Park: Marco Reus wollte tanzen. „Ich habe vor dem Spiel zu Dante gesagt, wenn wir ein Tor schießen, dann machen wir diesen Jubel aus den Videos mit Neymar“, erzählte Reus. Der brasilianische Jungnationalspieler vom FC Santos schwingt in zahlreichen Internetfilmchen seine Hüften auf Michel Telós Song „Ai se eu te pego“ („Ach, wenn ich dich nehme“), auch Christiano Ronaldo (Real Madrid hat diese Choreographie zuletzt aufgeführt.

Reus will mit den Großen jubeln

Reus wollte also mit den Großen jubeln, und Dante sollte natürlich dabei sein bei der niederrheinischen Version des südländischen Hüftkreisels. „Aber beim ersten Tor ist er einfach nicht gekommen“, klagte Reus, der dann zum Glück noch einen zweiten und einen dritten Treffer erzielte, so dass Dante reichlich Gelegenheit hatte, sein Versäumnis nachholen. Spätestens beim 5:0 hatte auch der besonnene Innenverteidiger gemerkt, dass die Analogie zu den großen Weltstars an diesem Tag passte.



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