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SC Freiburg - Eintracht Frankfurt: Angst vor den Scouts

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Anführer mit Rasselbande: Coach Christian Streich mit Cedrick Makiadi und Kapitän Julian Schuster.
Anführer mit Rasselbande: Coach Christian Streich mit Cedrick Makiadi und Kapitän Julian Schuster.
Foto: Getty
Freiburg –  

Obwohl der Höhenflug des SC Freiburg dem Kollektiv zu verdanken ist, drohen Abwerbungsversuche anderer Klubs.

Der ältere Herr mit Werder-Schal zuckte nach der 2:3-Niederlage gegen den SC Freiburg nur mit den Schultern: „Von denen kennst du keine Sau“, ließ er seinen Nachbarn in der voll besetzten Bremer Straßenbahn wissen. „Aber die waren besser.“ Ohne es zu wissen, hat der Mann damit das Geheimnis des Freiburger Höhenfluges benannt. Es ist der Erfolg des Kollektivgedankens, den keiner so verkörpert wie ein Trainer, der sich korrigiert, wenn er von „meinen Spielern“ spricht: „Quatsch, die gehören ja nicht mir.“

Königstransfer Max Kruse

Tatsächlich hat der SC, der als derzeitiger Tabellenfünfter heute Abend daheim gegen Eintracht Frankfurt antritt, Vereine hinter sich gelassen, in deren Reihen klangvolle Namen wie Rafael van der Vaart, Diego oder Vedad Ibisevic stehen. Beim SC heißen die Angestellten Oliver Sorg oder Karim Guédé. Oder Max Kruse. Bevor der Offensivmann nach Freiburg kam, spielte er bei St. Pauli, also einem Profiverein. Damit war er der Freiburger Königstransfer in diesem Sommer.

Zum spiel

Freiburg: Baumann - Sorg, Ginter, Diagne, Günther - Schmid, Schuster, Makiadi, Caliguri - Rosenthal, Kruse.

Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner, Meier, Matmour - Occean.

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen).

Es fehlen der Eintracht: Lakic (Rückenprobleme), Inui (Gelb-Rot-Sperre)

Kruse hat gegen Werder seinen sechsten Saisontreffer geschossen. Dem Vernehmen nach fragen sich neben den Bremern (in deren Kader er stand) auch die Leute beim HSV (vor dessen Toren er aufwuchs), warum Kruses Karriere erst in der Fremde Fahrt aufnahm – wie zuvor schon bei dessen Freund Martin Harnik, der ebenfalls aus dem Hamburger Südosten stammt, von Werder aussortiert wurde und nun in Stuttgart für Furore sorgt. „Der Wechsel nach Freiburg war der richtige Schritt für mich,“ sagt Max Kruse, der Kumpel Harnik hin und wieder im Schwäbischen besucht.

Er habe beim SC von vorneherein den Eindruck gehabt, „dass jeder eine reelle Chance hat, wenn er im Training überzeugt“. Zudem entwickle man sich beim SC als Spieler weiter, es werde überdurchschnittlich viel im taktischen Bereich gearbeitet. „Wir haben schließlich nicht die überragenden Individualisten, die ein Spiel alleine entscheiden. Wenn bei uns zwei Leute ausfallen, wird es schwierig.“

Zuckerbrot und Peitsche von Streich

Seinen Trainer Christian Streich, der den Klub seit vergangenem Jahr vom letzten Tabellenplatz auf einen Europa-League-Rang hievte, hält er dabei für den Schlüssel des Erfolges. „Klare Ansprache“, „gute Spielvorbereitung“ und „eine gute Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche“ nennt er als dessen Charakteristika. Kruse führt die interne Rangliste mit sechs Treffern an, danach folgen Daniel Caligiuri mit fünf und Jonathan Schmid sowie Jan Rosenthal mit je vier Toren. Alle nominellen Stürmer zusammen bringen es auf einen Treffer. Man kann das wohlwollend allein als Zeichen von Flexibilität sehen. Doch es zeigt gleichzeitig eine Schwäche im Freiburger Spiel auf: Die Mannschaft braucht viel zu viele Chancen zum Torerfolg. Die Ausbeute ist dann auch eher mittelprächtig (Platz neun mit 29 Treffern), hervorragend ist hingegen die Defensivarbeit, in der man mit 24 Toren am zweitwenigsten Treffer hinter Bayern München zuließ.

Alleine in der derzeitigen Stammformation sind elf der 27 Spieler von Streich und seinen ehemaligen Kollegen in der eigenen Fußballschule ausgebildet worden. So sind Loyalitäten entstanden, Stammkräfte wie Sorg oder der starke Keeper Oliver Baumann vertrauen blind darauf, dass der Trainer sie entwickelt und „uns auf jeden Gegner absolut perfekt einstellt“ (Baumann). Dass es in Freiburg ruhig zugeht, ist ebenfalls von Vorteil für die Entwicklung der jungen Mannschaft. Doch manchmal ist es im Breisgau ein bisschen zu beschaulich. Auswärts wird das junge Team immer nur von ein paar hundert Getreuen begleitet, selbst das heutige Spitzenspiel ist noch nicht ausverkauft. Dass Freiburg, bis es in den 90er-Jahren von Volker Finke wachgeküsst wurde, ein Nischenverein mit 2000 Zuschauern war, wirkt nach.

Und das, obwohl der SC bei einem Sieg gegen Frankfurt auf einem Champions-League-Qualifikationsplatz stehen würde, ein Szenario, mit dem sich Streich „aber wirklich gar nicht beschäftigt“, wie er bekräftigt. Tatsächlich hat der Coach ganz andere Sorgen: Neben Kruse haben auch Innenverteidiger Matthias Ginter, Linksverteidiger Sorg und Keeper Baumann bei anderen Klubs Begehrlichkeiten geweckt, Streich muss fürchten, dass sein Kader gefleddert wird. „Von denen kennst du keine Sau“, sagen eben ältere Männer mit Werder-Bremen-Schal. Ein paar Dutzend Scouts der Konkurrenten sehen das ganz anders.

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