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Schalke gegen Gladbach: Stevens unter Druck

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Dünnhäutig und übellaunig: Trainer Huub Stevens im Stimmungstief.
Dünnhäutig und übellaunig: Trainer Huub Stevens im Stimmungstief.
Foto: dapd

Der FC Schalke 04 spielt nur 1:1 gegen Mönchengladbach und präsentiert sich als derzeit rätselhaftester Verein des Ruhrgebiets. Es soll Differenzen zwischen Trainer und Team geben und schon wird gemunkelt, wie lange Stevens sich noch auf Schalke halten kann.

Natürlich war es großes Pech, dass Igor de Camargo seinen Schuss zur Führung von Borussia Mönchengladbach auf Schalke direkt neben den Fuß von Timo Hildebrand platzierte. Vermutlich hätte der Gelsenkirchener Torhüter den Ball halten können, wenn er sich für das Mittel einer Fußabwehr entschieden hätte, aber er versuchte, mit der Hand zum Ball zu gehen – eine Fehlentscheidung. Hildebrand kam zu spät. Und so wurde er beim 1:1 der Schalker gegen die Gladbacher zu einer Figur, die sich nahtlos in die Reihe der Unglücklichen in Königsblau einfügte, und sich am Ende glücklich schätzen durfte, dass Julian Draxler vier Minuten vor Schluss wenigstens noch der Ausgleich gelang.

Dabei sollte endlich alles besser werden mit dem Torwartwechsel von Lars Unnerstall zu Hildebrand. „Was soll ich machen?“, fragte die neue Nummer Eins später, „nach so einem Tor braucht man nicht anzufangen zu diskutieren.“ Aber da waren die Diskussionen längst im vollem Gange. Und das lag auch daran, dass Trainer Huub Stevens freimütig einräumte, er habe Unnerstall nicht aus der Mannschaft genommen, weil er Hildebrand für besser hält. „Wenn ein junger Torhüter ausgepfiffen wird, musst du als Trainer auch mal nachdenken“, erläuterte der Holländer seine Entscheidung, und kritisierte im Subtext jenen Teil des Publikums, der wochenlang geraunt, gestöhnt und gepfiffen hatte, wenn Unnerstall am Ball war.

Spekulationen um Stevens

Der 22-Jährige habe „nicht so viele Fehler gemacht, aber wir mussten an die Mannschaft denken“, meinte der Trainer. Jetzt gab es den Wechsel, der allerdings nur ein Mosaikstein der viel spannenderen Geschichte ist, die gerade auf Schalke geschrieben wird: Die Geschichte von der Zukunft des Trainers Huub Stevens. Seit dem 0:2 in Leverkusen Mitte November, als der Holländer sich Wortgefechte mit Lewis Holtby und Jefferson Farfán geliefert hatte, ist auf Schalke eine Dynamik im Gange, die normalerweise in einen Trainerwechsel mündet. Es wird von Differenzen zwischen dem Fußball-Lehrer und der Mannschaft gemunkelt, und dass Jermaine Jones vorige Woche gesagt hat, das Schalker Spiel sei „zu durchsichtig“, begriffen viele Interpreten als Kritik am Trainer. Huub Stevens selbst wirkt dünnhäutig und übellaunig wie man ihn noch nicht erlebt hat, seit er Schalke 04 im Spätsommer 2011 vom erschöpften Ralf Rangnick übernahm.

All das ließe sich allerdings noch plausibel mit der jüngsten Negativserie erklären. Richtig Fahrt hat die bis zu diesem Wochenende nur unter Kennern geführte Trainerdebatte erst durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag aufgenommen. Dort war zu lesen, unter „Eingeweihten“, gelte es „als äußerst unwahrscheinlich“, dass Stevens auch in der kommenden Saison noch Cheftrainer auf Schalke sei. Außerdem berichtet der Autor von schon lange existierenden Zweifeln, ob Huub Stevens „fachlich geeignet ist, für die nächsten nötigen Fortschritte in dem Klub zu sorgen, der einen verlässlichen Spitzenplatz in Deutschland und Europa anstrebt“. Woher diese Informationen stammen, ist jedoch nicht zu erfahren.

Fachliche Zweifel

Dass die Behauptungen erfunden oder unwahr sind, ist dennoch unwahrscheinlich. Zum einen handelt es sich um eine glaubwürdige Zeitung, und zum anderen ergriff am Samstag kein Verantwortlicher die Gelegenheit, den Darstellungen zu widersprechen. Das legt die Vermutung nahe, dass irgendwer aus dem Schalker Führungskreis dabei ist, den Klub und sein Umfeld darauf vorzubereiten, dass der im kommenden Sommer auslaufende Vertrag mit Stevens nicht verlängert wird. Möglicherweise steht eine Trennung sogar schon früher bevor.

Die Gründe für diese Entwicklung bleiben aber undurchsichtig. Schließlich ist es Stevens in der vergangenen Saison gelungen, die Mannschaft aus einer extrem komplizierten Situation heraus geradewegs in die Champions League zu führen. Obwohl keine größeren Spielertransfers realisierbar waren, hat er Schalke 04 in dieser Saison ins Achtelfinale der Königsklasse geführt und in der Spitzengruppe der Liga etabliert.

Dennoch hat offenbar ein Entfremdungsprozess zwischen dem Trainer und dem Klub, aber auch zwischen dem Trainer und dem von Stevens nach Spielschluss kritisierten pfeifenden Teil des Publikums begonnen. Doch warum wird das ausgerechnet jetzt lanciert? Eine Erklärung könnte lauten, dass wichtige Teile der Mannschaft von Stevens abrücken, dass es leichter ist, die auslaufenden Verträge mit Klaas-Jan Huntelaar und Lewis Holtby zu verlängern, wenn klar ist: Stevens geht. Aber vielleicht gibt es noch ganz andere Motive bei diesem FC Schalke 04, der seine Position als bester Klub des Ruhrgebietes gerade verloren hat. Dafür sind die Gelsenkirchener neuerdings der rätselhafteste Verein aus dem Pott.

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