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Schwimmen: Alles fürs Herz

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Halleluja:Britta Steffen.
Halleluja:Britta Steffen.
Foto: dpa
Halle –  

Die Schwimmerin Britta Steffen hat sich verliebt – in Halle an der Saale. Zusammen mit ihrem Freund Paul Biedermann bezieht sie dort eine neue Wohnung.

Wenn Paul Biedermann diese Zeilen liest, muss er tapfer sein. Denn seine Freundin hat ihr Herz verloren, an einen anderen – zugegeben noch sehr kleinen – Mann. Der zeigte sich neulich am Beckenrand in Schwedt schwer beeindruckt von Britta Steffen. „Ich finde das so cool, wie du ohne Schwimmring ins Wasser gesprungen bist“, hatte ihr ein kleiner Junge zugerufen. „Ich habe mich sofort verliebt“, sagte Steffen – und lachte.

An diese Begegnung muss die Schwimmerin oft denken, wenn sie in ihrer neuen Trainingsstätte in Halle ist. Vor der Nachmittagseinheit schäkert sie nämlich in einer öffentlichen Umkleidekabine häufig mit den Kindern herum, die hier Schwimmen lernen. Da gibt es ähnlich lustige Begebenheiten. Und morgens kommt sie mit den älteren Damen ins Gespräch, bevor diese zu ihrem Kurs ins Wasser steigen. So hautnah mit den Freizeitschwimmern, das kennt Steffen aus ihrer Trainingszeit im Berliner Sportforum nicht. „Sie wünschen mir dann alles Gute. Ich finde, das ist eine schöne Anerkennung, das tut mir gut.“

Im Dezember ist Britta Steffen von der Spree an die Saale gewechselt. Und schon heute sagt sie etwas, von dem sie glaubt, dass es „viele Berliner sicher nicht gern hören werden. Aber ich bin hier glücklicher als je zuvor.“ Und meint Halle, ihre neue Heimat.

Ein Herz für Halle

Sicher hat das auch etwas mit Paul Biedermann zu tun, mit dem sie seit knapp drei Jahren zusammen ist. Den Alltag miteinander zu teilen, gehört zu einer Beziehung. Jetzt hat sie diesen Schritt gewagt. „Ich habe mein Studium abgeschlossen, Olympia als großer sportlicher Höhepunkt ist vorbei, und mein Trainer Norbert Warnatzsch hat das Rentenalter erreicht“, zählt sie auf. Alles Argumente, die sie darin bestärkt haben, zu ihrem Freund zu ziehen.

Und so wie der kleine Junge ihr Herz erobert hatte, so schnell hat sie es auch an Halle verloren. „Ich bin hier ganz herzlich empfangen worden. Von der neuen Trainingsgruppe, dem Verein, vor allem aber von Pauls Familie“, sagt sie. Bis ihre Wohnung in der Nähe der Schwimmhalle bezugsfertig ist, haben Vater und Mutter Biedermann sie aufgenommen. Eine richtige Familie, die immer füreinander da ist, so wie sie es von den Besuchen bei ihren Eltern kennt, insbesondere von früher, bevor sie 1996 ins Internat nach Potsdam und später nach Berlin wechselte.

Und da ist Pauls Oma Annemarie, die nun auch sie mit ihren Kochkünsten verwöhnt. Auch wenn man es der so zerbrechlich wirkenden Steffen nicht ansieht: Sie isst leidenschaftlich gern. Als Hallenserin hat sie es zu schätzen gelernt, ihren Milchreis mit ausgelassener Butter zu essen. „Das kannte ich so noch nicht“, gibt sie zu.

Und noch etwas war für sie gänzlich neu: das „Na, Meiner“, oder „Na, Meine“ als Anrede. „Anfangs habe ich gedacht, da fehlt was, da muss noch was hinterherkommen. Doch ich finde das schön, ausgesprochen herzlich. Die Berliner sind mit ihrem Icke da schon ein bisschen härter.“ Zwar vermisst sie manchmal die Großstadt. Aber wenn das so ist, „dann setze ich mich in mein Auto und bin in anderthalb Stunden in Berlin“. In Halle erledigt sie fast alles per Rad. „Wenn ich daran denke, wie viel Zeit ich früher in den öffentlichen Verkehrsmitteln verbracht habe.“ Reine Verschwendung.

Erst mal Wurzeln schlagen

Auch die Hauptstädter Kulturszene vermisst sie nicht. „Bei zu vielen Angeboten kannst du dich nur schwer entscheiden und wählst dann oftmals doch die Couch.“ In Halle sei das viel übersichtlicher. Sie hat es schon ins „Das Phantom der Oper“ geschafft. Ohne ihren Freund, der sich bekanntlich fürs Eishockey begeistert. Auch sie war schon mal mit bei einem Oberligaspiel der Saale Bulls. „Doch ich mag es lieber kuschlig warm“, sagt sie. Und: „Ich muss mich so darauf konzentrieren, das kleine schwarze Ding, den Puck, zu verfolgen.“

Für Britta Steffen ist es dennoch in Ordnung, dass jeder ganz eigene Leidenschaften pflegt. „Man muss nicht alle Hobbys teilen.“ Und für gutes Essen können sich beide erwärmen. Deshalb haben sie dem Restaurant Immergrün am Händelhaus schon einen Besuch abgestattet: Sie haben ihren nun gemeinsamen Trainer Frank Embacher samt Ehefrau vorige Woche zu dessen Geburtstag dorthin eingeladen. Und weil „Paul auch mal der Koch sein will“, wie Steffen verrät, haben sie sich zu einem Kochkurs angemeldet. Gestern ging es los.

Dennoch gibt es noch viele Ecken in Halle, die ihr noch gänzlich unbekannt sind. Aber Britta Steffen hat alle Zeit der Welt. Paul Biedermann liebt seine Heimatstadt. Und er hat seiner Freundin auch gesagt, dass er nie weggehen möchte aus Halle. Also bleibt sie auch in der Stadt, in der sie sich so wohlfühlt.

Die erste gemeinsame Wohnung soll dazu beitragen, hier Wurzeln zu schlagen. Und wer weiß, vielleicht schreibt sie sich hier für das nächste Sommersemester ein. „Ich brauche etwas für Kopf und Körper“, sagt Britta Steffen. Sie hat bereits ein Wirtschaftsingenieurs-Studium abgeschlossen. Fürs Herz hat sie hier alles.

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