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Sebastian Kehl: Dortmunds wichtiger Routinier

Sebastian Kehl wird beim BVB noch gebraucht.
Sebastian Kehl wird beim BVB noch gebraucht.
Foto: AFP
Donezk/Ukraine –  

Am Mittwoch feiert Sebastian Kehl in Donezk seinen 33. Geburtstag. Der Ex-Nationalspieler ist der älteste im Team des deutschen Meisters Borussia Dortmund. Aber Trainer Jürgen Klopp möchte noch nicht auf seinen Kapitän verzichten.

Auf sein fortgeschrittenes Fußball-Alter angesprochen, geriet Sebastian Kehl nur kurz ins Grübeln. „Ich weiß, dass die Chancen mit den Jahren nicht steigen, etwas Großes zu gewinnen“, entgegnete der Kapitän des deutschen Fußball-Meisters Borussia Dortmund fast trotzig. So geschehen auf der Pressekonferenz am Abend vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Schachtjor Donezk und wenige Stunden vor Kehls 33. Geburtstag.

Kein Wechsel in die USA

„Dreiunddreißig? Da bin ich schon Trainer geworden“, flachste Trainer Jürgen Klopp, der auf seinen Senior im Team der Youngster noch nicht verzichten will. Der BVB macht von einer Option im auslaufenden Vertrag Gebrauch und plant auch die nächste Saison mit Kehl. Das Interesse von Chicago Fire aus der US-amerikanischen Major League Soccer (MLS) an Kehl beendeten die BVB-Bosse vor etwa vier Wochen mit einem klaren „No“.

„Sebastian ist ein richtig guter Fußballer. Klar im Kopf, dynamisch, zweikampfstark. Die Erfahrung zeichnet ihn aus“, erklärte der BVB-Coach. Wie wertvoll der 31-malige Nationalspieler für die Borussia ist, zeigte sich besonders bei den Auftritten in der Königsklasse. Bei den beiden überragenden Vorstellungen des BVB in der Gruppenphase gegen Real Madrid (2:2 und 2:1) zählte der Defensivstratege zu den Besten. Kehl genießt den Moment. Denn es gab Situationen, in denen er nach einer Verletzungsmisere schon mit Gedanken an das Ende seiner Karriere spielte. Doch das ist Vergangenheit, der Gewinn der dritten Meisterschaft (2002, 2011 und 2012) sowie des DFB-Pokals in seiner BVB-Ära entschädigte den Musterprofi für so manche Reha-Schinderei.

Gehaltseinbußen in Kauf genommen

Kehl hatte sogar bei seiner Vertragsverlängerung im vergangenen Jahr ohne Murren Gehaltseinbußen in Kauf genommen. „Dass der Verein ein bisschen zurückhaltend reagiert hat aufgrund meiner Verletztenstory, ist doch klar.“ Wichtig sei es nun, gesund zu bleiben, damit er den Beweis antreten könne, „dass ich mehr als nur mithalten und der Mannschaft noch viel geben kann“, so Kehl. Davon ist Klopp ohnehin überzeugt. Denn auf Kehl ist Verlass, der Routinier glänzt als Teil der „Doppel-Sechs“ nicht nur durch seine Defensiv-Qualitäten als Abfangjäger, sondern auch spielerisch als Antreiber mit Akzenten in der Spieleröffnung.

Inzwischen ist Kehl der dienstälteste Borusse und Dortmund für den im hessischen Fulda geborenen die zweite Heimat geworden. In der Stadt und auch im Umfeld des Vereins fühlt er sich mit der Familie wohl. In der Winterpause der Saison 2001/02 kam er nach längerem Tauziehen mit Bayern München vom SC Freiburg zum BVB, für den er bislang 229 Bundesliga-Spiele (insgesamt 269) bestritt. Die meisten jedoch vor der Verletzungsmisere. Die begann am 11. August 2006, dem Saisonauftakt der Spielzeit 2006/07 bei Bayern München, mit einem brutalen Foul von Hasan Salihamidzic. Die Fleischwunde am Knie wollte nicht verheilen. Sein Comeback gab Kehl erst im Februar 2007, weitere Verletzungen folgten, die Liste ist ellenlang. Teilabriss der Bänder im Sprunggelenk, Leisten-OP, Muskelfaserrisse, Sehnenriss im Hüftbeugemuskel, eine Knie-OP - so lauten Auszüge aus der Krankenakte.

Doch der Vizeweltmeister von 2002 hat nie aufgegeben, sich durchgebissen und zu alter Stärke gefunden. Deshalb verdrängt Kehl den Gedanken an den Abschied von der Bundesliga-Bühne. „Ich bin dankbar für viele tolle Momente in meiner Karriere - und ich freue mich darauf, was noch kommt“, sagte Kehl stets in der Hoffnung auf den großen internationalen Coup mit dem BVB. (sid)

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