blz_logo12,9

Sieg gegen Dänemark: Deutsche Handballer stürmen ins EM-Halbfinale

Der deutsche Handballer Rune Dahmke jubelt

Der deutsche Handballer Rune Dahmke jubelt

Foto:

dpa

Breslau -

Plötzlich gab es kein Halten mehr. Wie kleine Kinder tollten die hünenhaften Gestalten umher, fielen einander in die Arme, bildeten ein wildes Knäuel glücklicher Männer. Weil sie in diesem Moment noch gar nicht recht fassen konnten, was ihnen da gerade gelungen war: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat gestern Abend nach einem spektakulären und hochdramatischen Fight mit einem 25:23 (12:13)-Sieg über den hohen Turnierfavoriten Dänemark das Halbfinale der Europameisterschaft in Polen erreicht.

Man muss das überraschend nennen, man kann sich aber auch getrost des Wortes sensationell bedienen, wie das der sonst in seinen Formulierungen eher zum Understatement neigende Bundestrainer Dagur Sigurdsson unter dem Eindruck des grandiosen Erfolgs tat. Für sein Team geht es also weiter bei diesem Turnier. Am Donnerstag zieht man nach Krakau um, wo am Freitag um 18.30 Uhr das Halbfinale gegen Norwegen ansteht. Das zweite Semifinale bestreiten Spanien und Kroatien (21 Uhr).

Völlig euphorisiert reagierten natürlich auch die vielen deutschen Fans unter den 6 593 Zuschauern in der Breslauer Jahrhunderthalle. Und so sangen sie inbrünstig mit, als der Mann an der Musikanlage in der polnischen Arenaregie ihnen zum Gefallen um kurz vor acht das gute alte „So ein Tag …“ einspielte. Das hatte er – da allerdings eher versehentlich – schon zu Beginn der zweiten Halbzeit getan, doch zu diesem Zeitpunkt deutete noch wenig auf einen Triumph der deutschen Mannschaft im Duell mit dem Titelanwärter aus Skandinavien hin.

Das tat es – genau genommen – noch nicht einmal siebeneinhalb Minuten vor Schluss. Exakt 52:35 Minuten Spielzeit zeigte die Uhr an, als Sigurdsson beim Stande von 21:23 eine Auszeit nahm. In diesem Moment fehlte vielen Augenzeugen die Fantasie, um sich vorzustellen, dass sich die abgezockten Dänen um ihren wurfgewaltigen Mikkel Hansen das Ding noch aus der Hand nehmen lassen würden. Doch genau das geschah, was man beim Verlierer hinterher und erwartungsgemäß auf den Kräfteverschleiß nach dem zweiten Auftritt binnen 20 Stunden schob, während die Deutschen ja den Vorteil von zwei freien Tagen auf ihrer Seite hatten.

Wie dem auch sei – die DHB-Auswahl zeigte, wie man es mittlerweile von ihr kennt, keinerlei Anzeichen von Resignation, sondern stattdessen wieder mal ihren phänomenalen Kampfgeist. Der Angriff produzierte dank großer Entschlossenheit und Konzentration noch vier Treffer durch Julius Kühn, Martin Strobel, Tobias Reichmann (Siebenmeter) und Fabian Wiede; die Abwehr schuftete aufopferungsvoll, und dahinter war auch der abermals starke Torhüter Andreas Wolff nicht mehr zu bezwingen.

Bis dahin war es ein beeindruckender Schlagabtausch zweier großartiger Mannschaften gewesen. Bei immer wieder mal wechselnder Führung konnte sich keines der Teams mit mehr als zwei Treffern absetzen. „Wir wussten: Wenn wir auf Schlagdistanz bleiben, haben wir bis zum Schluss auch unsere Chance. Uns schüttelt man so leicht nicht ab“, kommentierte später der Berliner Fabian Wiede, der mit fünf Toren neben dem überragenden Steffen Fäth (6) zu den erfolgreichsten Werfern gehörte.

Wie Wiede das sagte, klang das ziemlich analytisch. Da fehlten dem jungen Kollegen Julius Kühn schon eher die Worte. „Wahnsinn – ich kann das noch gar nicht realisieren“, teilte der Gummersbacher mit. Nur zur Erinnerung: Der 22-jährige Torjäger absolvierte am gestrigen Mittwochabend gerade mal sein drittes Länderspiel. Und ebenso wie der Hannoveraner Kai Häfner war Kühn erst zwei Tage zuvor als Ersatz für die verletzten Stammkräfte Steffen Weinhold und Christian Dissinger nachnominiert worden.

Entsprechend euphorisch reagierte denn auch Häfner: „Unfassbar! Vor ein paar Tagen habe ich mir die EM zu Hause noch auf dem Sofa angeschaut, und jetzt fahre ich mit den Jungs zum Halbfinale nach Krakau.“ Dabei wollen es die Deutschen aber keineswegs bewenden lassen. „Jetzt ruhen wir uns erst mal ein bisschen aus, und dann gucken wir mal, was noch geht“, ließ Tobias Reichmann wissen.

Unterdessen fasste Routinier Carsten Lichtlein (35), nach Weinholds Ausfall Kapitän der Mannschaft, seinen Eindruck so zusammen: „Ich bin ja nun schon ein Weilchen dabei, aber einen solchen Teamgeist habe ich auch noch nicht erlebt.“ Sein Schlusswort hatte man an diesem Abend schon mal gehört: „Sensationell!“


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?