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Skeleton-WM: Gepusht vom teaminternen Duell

Tina Hermann Skeleton

Tina Hermann beim Start.

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imago/EQ Images

Jens Müller hat beste Aussichten – und das gleich mehrfach. So bietet sich ihm von der WM-Bahn von Innsbruck-Igls nicht nur ein herrliches Panorama auf die Tiroler Landeshauptstadt und die dahinter aufstrebenden Gipfel des Karwendel, sondern auch sportlich kann der deutsche Skeleton-Bundestrainer den Wettkämpfen im olympischen Eiskanal von 1964 und 1976 erwartungsfroh entgegenblicken. Vor allem dem Rennen der Frauen am Freitag. Schließlich schickt Müller dort die beiden Führenden des Weltcups in die Rinne. Eine Stärke, die ihn selbst überrascht: „Nein, dass wir mit Tina Hermann und Jacqueline Lölling Erste und Zweite im Weltcup sind, damit haben wir nicht gerechnet. Andere Nationen haben ja auch starke Damen.“

Die 23-jährige Tina Hermann und die 21-jährige Jacqueline Lölling sind die Gesichter eines gelungenen Generationswechsels im deutschen Team. Die kleine Erfolgspause, die sich bei den deutschen Skeletonis nach dem Abgang der Weltmeisterinnen Anja Huber und Marion Thees eingestellt hatte, dauerte nur ein Jahr. Schon im vergangenen Winter wurde deutlich: Da wächst etwas nach. Hermann fuhr mit einer Podestplatzierung auf Rang drei im Gesamtweltcup. Lölling verzichtete gleich ganz auf das Vorgeplänkel im Weltcup und qualifizierte sich als Juniorenweltmeisterin lieber direkt für die Senioren-WM in Winterberg, um dort den Arrivierten die Silbermedaille wegzuschnappen.

Langsame Starterinnen

Die große Stärke der beiden Deutschen ist ihr Fahrtalent. Gerade in den schwierigen Passagen holen sie oft die wichtigen Hundertstel gegen die Konkurrenz raus. Meist befinden sich Hermann und Lölling dabei auf einer Aufholjagd. „Sie haben sich zwar beide in dieser Saison am Start verbessert, sind aber trotzdem noch ein Stück von der Weltspitze weg“, attestiert der Bundestrainer. Eine Aussage, die angesichts der bisherigen Saisonresultate vom Potenzial der beiden zeugt. Lölling schätzt, dass ihr zu den Besten am Start drei bis vier Zehntel fehlen. In einer Sportart, in der oft Hundertstel entscheiden ist das viel: „Der Skeletonstart ist schwer. In gebückter Haltung zu sprinten, ist sehr anspruchsvoll, vor allem weil ich groß bin. Aber ich habe ja noch Zeit“, erklärt die 1,76 Meter große Sauerländerin.

Hermann Lölling Skeleton

Tina Hermann und Jacqueline Lölling.

Foto:

imago/Ed Gar

Tina Hermann ist ihr am Start meist eine Zehntel voraus. Müller attestiert der Bundespolizistin zudem eine größere Beständigkeit in der Fahrspur. Lölling leistet sich bisweilen noch Fehler, wie vor zwei Wochen bei der EM in St. Moritz, als sie im zweiten Lauf die Hornschuh-Kurve verbockte und von eins auf vier zurückfiel. Hermann kommt dabei auch das Mehr an Erfahrung zugute: „Letztes Jahr war für mich vieles neu. Man muss sich erst mal an die Kameras und das ganze Drumherum gewöhnen. Mittlerweile habe ich die Lockerheit gewonnen, die es braucht, um zwei Läufe sauber runterzubringen.“

Bescheidene Ziele

Dass ihre erste Verfolgerin nun ausgerechnet Lölling heißt, überrascht die Bayerin nicht. „Wir haben beide 2007 mit dem Skeleton angefangen. Sie war schon immer eine Hauptkonkurrentin von mir.“ Wer aktuell im ewigen Duell der beiden die Nase vorne hat, vermag Hermann nicht zu sagen: „Das dürfte ziemlich ausgeglichen sein.“ Das Verhältnis zu Lölling bezeichnet sie als sehr gut.

Das bestätigt auch die knapp drei Jahre jüngere Konkurrentin: „Es bringt einem ja auch nichts, schlechte Laune zu verbreiten. Das es immer knapp zugeht, wenn wir gegeneinander fahren, pusht uns.“ Auch Bundestrainer Müller freut sich über das teaminterne Duell: „Konkurrenz ist ein wichtiges Element im Leistungssport. Sie hilft bei der Weiterentwicklung.“

Die guten Aussichten der Deutschen für diese Titelkämpfe trübt einzig der olympische Eiskanal selbst. Der ist kurz und flach. Eine Gleiterbahn ohne allzu große Schwierigkeiten, die vor allem guten Startern entgegenkommt. Müller erwartet deshalb eine enge Konkurrenz: „Es kommen hier mehr Fahrerinnen für eine Medaille infrage, als das etwa in Whistler oder Winterberg der Fall wäre.“

Seine Athletinnen geben deshalb zurückhaltend einen Platz unter den ersten sechs als Ziel aus. Auf ihren Favoritenlisten ganz oben stehen die Lokalmatadorin und amtierende Weltcupgesamtsiegerin Janine Flock und die bisher in dieser Saison noch unauffällige Russin Jelena Nikita. Lölling rechnet mit bis zu zehn Medaillenkandidatinnen. Beklagen mag sie sich trotz ihrer Nachteile nicht über die WM-Bahn. „Ich fahr hier eigentlich ganz gern. Man muss mit vielen kleinen Lenkbewegungen den besten Weg finden.“ Das ist ihrer Mannschaftskollegin Hermann am Sonntag im gemischten Teamwettkampf von Bob- und Skeletonfahrern bereits geglückt. Beim Goldgewinn der deutschen Equipe fuhr sie die schnellste Einzelzeit.



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