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Skispringen: "Ein Stein hat immer den nächsten angestoßen"

Chancen auf den Sieg:  Severin Freund.
Chancen auf den Sieg: Severin Freund.
Foto: AFP

Der Skispringer Severin Freund spricht über seine Favoritenrolle bei der Vierschanzentournee und die Fortschritte im deutschen Team. Er selbst sieht sich jedoch lediglich als einer von verschiedenen Anwärtern und ordnet sich brav hinter der starken Konkurrenz aus Österreich ein.

Severin Freund fährt ganz entspannt zur 61. Vierschanzentournee. Im vergangenen Jahr etablierte sich der 24-Jährige aus Rastbüchl in der Weltspitze und wurde Siebter bei der Tournee. Diesmal will er mehr, viele trauen ihm sogar den Gesamtsieg zu. Er selbst sieht sich jedoch lediglich als einer von verschiedenen Anwärtern und ordnet sich brav hinter der starken Konkurrenz aus Österreich ein.

Herr Freund, Sie haben die Weltcupsaison in Lillehammer optimal begonnen: erstes Springen, erster Sieg. In der Weltcupgesamtwertung sind Sie Zweiter. Wie erklären Sie sich Ihr Hoch?

Es steckt eine große Portion Arbeit aus den letzten Jahren drin, in denen ich konstant besser geworden bin, weil ich viel Mühe in meine Leistung investiert habe. Und es kam Glück hinzu, dass ich nach einer Operation so famos in die Wettkampfphase gefunden habe. Bei mir hat gleich der erste Sprung im Training funktioniert. Da war sofort Selbstvertrauen da.

Was für eine Operation war das?

Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Die Entscheidung fiel schnell: Operation, es war ja die wettkampffreie Zeit.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie wieder voll belastbar waren?

Die Operation war am 16. April. Ich bin danach aufgewacht und die Schmerzen waren weg. Das war schon mal ein guter Start. Gesprungen bin ich erstmals Mitte Juli.

Sie sind bei den Sommer-Grand-Prix-Springen mit Platz zwei und eins gleich spektakulär zurückgekehrt.

Damit habe ich mich selbst extrem überrascht. Ich bin zwar gut im Training gesprungen, aber das heißt ja nichts für den Wettkampf. Diese Ergebnisse haben mich richtig gepusht. Dass es im Winter aber gleich so losgeht, war Wahnsinn. Andererseits ist es aber auch schön, dass Erfolg nicht immer nur Input gleich Output ist. Das ist ja das Faszinierende im Skisprung, dass sehr viele Faktoren eine Rolle spielen für die Gesamtleistung. Nur über Training geht das nicht, denn dann würde ja immer der gewinnen, der am meisten trainiert hat.

Was machen Sie gerade anders und besser als die meisten Skispringer?

Ich war gezwungen, etwas anderes in der Vorbereitung zu machen. Ich hatte auch mehr Zeit, mich mit meinem Sprung zu befassen. Das hat sich im Kopf abgespielt. Manchmal tut ein bisschen weniger auch mal ganz gut. Vor allem im mentalen Bereich.

Was bedeutet das alles für die Vierschanzentournee?

Die Tournee ist ein großer Höhepunkt, wir freuen uns alle auf die Springen zu Hause. Es ist einfach richtig schön und interessant, vor 20 000 Zuschauern zu springen. Das ist extrem cool und zieht mich mit. Ich habe schon einmal in Willingen gewonnen und weiß deshalb, was bei einem deutschen Triumph für eine Party in einem heimischen Stadion losbricht.

Sie gehören jetzt zum Kreis der Tournee-Favoriten. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe keine Wünsche an die Tournee. Meine Zielsetzungen hängen mit dem Sprung und der Technik zusammen. Ich möchte eine konstante Tournee springen. Und weiter vorne landen als im Vorjahr, als ich Siebter wurde. Mir ist klar, dass ich zu den Favoriten gehöre. Damit kann ich umgehen. Ich denke auch nicht, dass ich der Top-Favorit bin, diese Rolle haben die Österreicher Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler, denke ich.

Im vergangenen Jahr gehörten Sie auch schon zu den Favoriten, konnten aber die Erwartungen nicht erfüllen. War der Druck zu groß?

Nein, ich glaube nicht, dass es daran gelegen hat. Ich war zu Beginn der vergangenen Tournee besser als am Ende. Da hat sich leider etwas in meinem Sprung verändert, was nicht mehr funktionierte. Wenn ich in Topform bin, so wie jetzt, dann sind die Abläufe automatisiert, dann läuft alles von alleine. Sollten sich aber Fehler einschleichen, ist es schwer, die schnell zu beheben. So eine Erfahrung gesammelt zu haben, das sehe ich als Vorteil.

Vor der Saison hat es eine Neuregelung bei den Anzügen gegeben, die nun enger am Körper anliegen. Kommt Ihnen das entgegen?

Dadurch ist der absprungstärkere Typ gefragt. Ich komme grundsätzlich sehr gut damit zurecht. Aber für ein Fazit ist es mir noch zu früh.

Neben Ihnen glänzt die gesamte deutsche Mannschaft. Hinzu kommen neue, junge Springer. Wie war das möglich?

Es ist das Resultat von jahrelanger Arbeit. Ein Stein hat immer den nächsten angestoßen, und dann ist die Sache ins Rollen gekommen. Es ist eine wahnsinnig schöne Situation. Es geht immer weiter, unser Team wird immer stärker.

Wer hat Sie am meisten überzeugt von den jungen Leuten?

Zwei Kerle – Andreas Wellinger und Karl Geiger. Faszinierend. Beide springen enorm stark, obwohl sie zum ersten Mal dabei sind. So eine Situation wollten wir immer erreichen: Dass jüngere Athleten dazu stoßen und einschlagen können. Das zeigt, dass der Weg nicht so wahnsinnig weit ist und dass es sehr schnell gehen kann.

Woher kommen die vielversprechenden Neulinge auf einmal?

Man braucht ein kluges Konzept, das hat unser Bundestrainer Werner Schuster eingeführt. Er hat Dinge im System und im Training umgestellt, das braucht Zeit. Jetzt ist es soweit. Jetzt ist etwas entstanden, und es wird auch sichtbar.

Das Gespräch führte Stephan Klemm.

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