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Sportpolitik: Sportausschuss ist zu unbedeutend

Die Fraktionen im Bundestag haben ausgemacht, wer den Vorsitz in welchem Ausschuss stellen darf. Der Sport darf seine Chefin behalten, nur dass Dagmar Freitag nicht mehr als völlig hilflose Oppositionspolitikerin über die Redezeiten der Kollegen wacht, sondern als Regierungsjuniorpartnermitglied.

Das Grundproblem bleibt. Der Sportausschuss, der zuletzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu tagen pflegte, da ihm Transparenz unangenehm war, gilt als einflussfreier Zeitvertreib. Der stärksten politischen Kraft fällt es leicht, den Vorsitz dort kleineren Partnern oder gar der Opposition zu überlassen.

Sport genießt keine Priorität

Im Vergleich mit dem Auswärtigen Ausschuss oder jenem der Verteidigung, die das Grundgesetz vorschreibt, genießt Sport keine Priorität. Attraktiv wird er zumeist höchstens für Abgeordnete, die die Annehmlichkeiten schöner Dienstreisen schätzen. Berufsausflüge zur Weltmeisterschaft in Brasilien halten Sportausschussmitglieder für gewöhnlich für unabdingbar. Dass der Sportausschuss dem Vorbild des Bundespräsidenten folgt und Olympische Winterspiele unter Palmen zum Ausdruck der Missbilligung Putinscher Politik boykottiert, steht auch eher nicht zu erwarten.

Schon die Personalie der Vorsitzenden offenbart das Problem: Es interessiert seit Jahren niemanden, dass die SPD-Politikerin Freitag Ämter vereint, die Interessenskollisionen provozieren. Als Vorsitzende des Sportausschusses soll sie auch die sinnvolle Verwendung der Sportfördermittel überwachen, und sie sitzt im Aufsichtsrat der Nationalen Antidoping-Agentur. Gleichzeitig fungiert sie im Deutschen Leichtathletik-Verband als Vizepräsidentin Wirtschaft. Soll die Nada also verstärkt in der Leichtathletik kontrollieren? Soll der Leichtathletik die staatliche Förderung gekürzt werden? Die Alternative zu Freitag wäre kaum besser gewesen: Reinhard Grindel (CDU) hatte zunächst Anspruch auf den Vorsitz angemeldet. Er ist seit Oktober Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes.


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