10.02.2012

Stanislawski entlassen: Hoffenheim macht sich überflüssig

Von Jan Christian Müller
Trainer und Ex-Trainer in Hoffenheim: Markus Babbel (l) und Holger Stanislawski.
Trainer und Ex-Trainer in Hoffenheim: Markus Babbel (l) und Holger Stanislawski.
Foto: dpa

Die Trennung von Trainer Stanislawski war zwar überfällig. Die Art und Weise, wie Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp sich dabei als Vereinspatriarch auslebt, macht es schwierig für Nachfolger Babbel. Ein Kommentar.

Holger Stanislawski ist im längst vergangenen Sommer in Hoffenheim als Heilsbringer vorgestellt worden.

„Stani“, der Kumpeltyp von nebenan, der sich zum Zeichen seiner totalen Identifikation sogleich eine Wohnung am Trainingszentrum in der 2200-Seelen-Gemeinde Zuzenhausen nahm, sollte es in einer Art „One-Man-Show“ schaffen, verloren gegangene Emotionen bei den Fans zurückzugewinnen, eine scheintote Mannschaft wieder lebendig aussehen zu lassen, junge Spieler zu entwickeln und dabei kräftig Personalkosten einzusparen.

Trennung von Stanislawski war überfällig

1899 Hoffenheim sollte – wie einst unter Ralf Rangnick – wieder als Innovationscenter des deutschen Fußballs wahrgenommen werden. Jetzt weiß man: Das war zu viel für einen Stanislawski.

Noch schwungvoller, als der Musterschüler der Trainerakademie losgelegt hat, hat er nämlich wieder abgebaut. Er hat eine Menge kraftvoller Interviews gegeben, aber kein wiedererkennbares Spielsystem entwickelt.

Überblick: Trainerwechsel in der Bundesliga

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Er hat seinen, angesichts der zusehends emotionsloseren Auftritte seiner Mannschaft verständlichen, Frust monatelang viel zu öffentlich ausgelebt und sehr früh den Eindruck erweckt, dass er sich im Kraichgau nicht wohlfühlt. Schließlich hat er in einer Wutrede einen völlig überflüssigen Rundumschlag gegen die Medien geführt, die an der trostlosen Situation sicher am wenigsten schuld sind.

Hopp macht es schwierig - auch für Babbel

Die Trennung von Stanislawski war also überfällig. Es wäre jedoch vermessen, nun davon auszugehen, dass künftig alles gut wird im Dietmar-Hopp-Land.

Wenn der mächtige Mäzen auch künftig mit einer Art Standleitung zu den regionalen Medien in seinem Büro in St. Leon Roth hockt, dabei fast täglich seine persönlichen Befindlichkeiten als Vereinspatriarch öffentlich auslebt und ins operative Geschäft eingreift, wird es auch für den designierten Stanislawski-Nachfolger Markus Babbel in Hoffenheim schwierig.

Ganz so, wie es „Vadder Hopp“ zuletzt nämlich mit ständigen kritischen Kommentaren zum Tagesgeschäft getan hat, gebärden sich ansonsten allenfalls überforderte Präsidenten von Klubs in Krisenzeiten.

Noch ist Hoffenheim Erstligastandort.

So, wie sich der Verein derzeit präsentiert, ist er dort allerdings schlicht und ergreifend überflüssig.

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