blz_logo12,9

SV Babelsberg: Der Geldgeber spielt immer mit

Laut: Trainer Christian Benbennek.

Laut: Trainer Christian Benbennek.

Foto:

imago

Christian Benbennek, der Trainer von Fußball-Drittligist SV Babelsberg 03, ist guter Dinge. Der 40-Jährige kann beim Trainingsauftakt am Mittwoch höchstwahrscheinlich gleich zwei neue Spieler begrüßen. Geschäftsführer und Manager Klaus Brüggemann war in den zurückliegenden Wochen auf dem Transfermarkt unterwegs. Das Resultat: Abwehrspieler Severin Mihm, 21, kommt von Energie Cottbus II nach Babelsberg. Und auch der russische Mittelstürmer Wladislaw Iwanow, 26, zuletzt Torschützenkönig der estnischen Liga, wird heute erwartet.

Iwanow traf für JK Trans Narva in 34 Spielen 23 Mal. Damit nicht genug: Auch mit dem talentierten, 1,93 Meter großen Angreifer Lucas Albrecht, 21, ist sich Babelsberg einig. Albrecht kommt vom Liga-Konkurrenten FC Hansa Rostock.

Was Trainer Benbennek erfreut, kommt manchem Beobachter der Dritten Liga erstaunlich vor. Die Aktivitäten des traditionsreichen Potsdamer Vorortklubs werden genau beäugt, denn Babelsberg hatte zuletzt meist nur mit heftigen Querelen in der Führungsetage für Schlagzeilen gesorgt und permanent über finanzielle Probleme geklagt. Bis vor wenigen Wochen war Babelsberg seitens des DFB sogar untersagt, in der Winterpause neue Spieler zu verpflichten, weil wirtschaftliche Auflagen nicht erfüllt worden waren.

Neue Wege

Doch das hat sich nun geändert, weil Manager Brüggemann, der in Fankreisen umstritten ist, mit dem Hauptgeldgeber Deutsche Kreditbank (DKB) neue Wege gegangen ist. Die Bank, die den Verein schon 2011 mit einem Kredit in Höhe von 1,4 Millionen Euro vor der Insolvenz bewahrte, wandelte das Darlehen nun in sogenannte Genussscheine um (Laufzeit bis Ende 2017).

Dieser Schritt führt zur Beseitigung der Unterdeckung des Eigenkapitals des Vereins und bringt frisches Geld. Noch vor Weihnachten teilte der DFB mit, dass der SV Babelsberg alle Auflagen zur Nachlizensierung erfüllt hat – damit war der Verein auch wieder auf dem Transfermarkt hoffähig geworden.

Bislang habe die DKB alle Genussscheine gezeichnet, sagt Brüggemann, „aber vielleicht werden wir später auch einige am Markt platzieren“. Die Bank habe die wichtige Maßnahme „ohne große Gegenleistungen“ getragen, sagt der Manager. Dennoch hat die Abhängigkeit von diesem Geldgeber den stets schwelenden Richtungsstreit im Klub neu entfacht. Der Verein hänge am Tropf der Bank, befürchten die Fans, von denen sich das Gros in der Nische des familiären kleinen Klubs wohlfühlt und einer weiteren Professionalisierung nicht sehr aufgeschlossen gegenüber steht.

Viel Misstrauen

Auch ehemalige Führungskräfte befürchten eine zu große Einflussnahme des Geldgebers, ohne dass sie dies vehement öffentlich machten. Dennoch kam es um die Weihnachtszeit zu zahlreichen Rücktritten. Aufsichtsratschef Friedhelm Schatz, Chef des Filmparks Babelsberg, warf das Handtuch – „wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Vereinsausrichtung“.

Später folgten Vorstandschef Thomas Bastian, ein Kinobesitzer, und auch Schatzmeister Hendrik Woithe, Aufsichtsrat Ralf Schöfski und der Fanbeauftragte Jens Lüscher gaben ihre Posten auf. Bastian hatte die Genussscheinregelung befürwortet, aber schwammig über Störmanöver bei der strategischen Planung geklagt.

Die Gespräche mit neuen Vorstands-Kandidaten laufen, bis Ende Januar sollen die Gremien wieder vollständig sein. Brüggemann, der mit bislang 1,4 Millionen Euro den zweitkleinsten Spieleretat in der Dritten Liga verwaltete (nur die SpVgg Unterhaching hat noch weniger Geld zur Verfügung), hofft nach „so viel Theater“, dass endlich Ruhe im Verein einkehrt und der Trainer konzentriert am Ziel Klassenerhalt arbeiten kann. „Egal, was man auf die Beine stellt, in Babelsberg erntet man zuerst immer Misstrauen“, klagt der 53-Jährige.

Frank H. Walter-von Gierke, einer von zwei im Amt verbliebenen Vorständlern, warnt vor weiteren Richtungskämpfen. In einem Interview mit der Berliner Fußball-Woche sagte der Jurist: „Es geht allein um die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells Babelsberg in der Dritten Liga, nicht um einzelne Interessensgruppen; diesem Ziel hat sich jeder vom Präsidenten bis zum Greenkeeper unterzuordnen.“

Eine Bedingung aber hat die DKB-Bank beim neuen Deal gestellt. Als Sicherheit hat sie Spielerwerte erworben. „Das ist ein sauberes Modell“, sagt Brüggemann. Im Profifußball arbeiten zahlreiche Klubs damit, Transferrechte an Profis zum Teil an Investoren abzutreten, um so zu neuem Geld zu kommen. Babelsbergs großer Nachbar Hertha BSC ist solch ein Beispiel.