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Theo Zwanziger Buch: Für Klinsmann ist alles in Butter

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Gut gelaunt und gut vorbereitet: Jürgen Klinsmann auf Heimatbesuch.
Gut gelaunt und gut vorbereitet: Jürgen Klinsmann auf Heimatbesuch.
Foto: dpa

Jürgen Klinsmann lächelt die Anfeindungen von Uli Hoeneß und Theo Zwanziger beim Kurzbesuch in der Heimat einfach weg.

Warum viele Worte machen? Kritik lächelt Jürgen Klinsmann gerne mal weg. Emotionale Wutausbrüche sind dem heute 48 Jahre alten US-Nationaltrainer zwar auch nicht fremd, sein legendärer Tritt gegen eine Werbetonne liegt aber bereits mehr als 15 Jahre zurück. Damals trug er noch das Trikot des FC Bayern München, zu dem er Jahre später als Trainer zurückkehren sollte. Ein kurzes Intermezzo. In seiner Vita dürften ihm die knapp zehn Monate als erfolgloser Chefübungsleiter an der Säbener Straße nicht mehr als eine Fußnote wert sein.

Was ihn mit dem FC Bayern aber offenbar bis heute verbindet, ist ein − gelinde ausgedrückt − Nichtverhältnis zum damaligen Manager Uli Hoeneß. Unlängst adelte der heutige Präsident seinen damaligen Angestellten Jürgen Klinsmann als „einen Feind“. Eine öffentliche Ohrfeige, die den in Huntington Beach lebenden Welt- und Europameister aber ebenso wenig aus der Fassung brachte wie die literarischen Ergüsse des ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger über Klinsmanns Jahre als Bundestrainer.

Mit dem Grinsen eines Darstellers für Erdnussbutter-Werbung kontert Klinsmann am Montag die jüngsten Anfeindungen: „Da gibt es von mir nur ein Schmunzeln. Was soll ich da kommentieren? Das ist es mir einfach nicht wert.“

Der Mann wirkt erfrischend unaufgeregt und ist gut vorbereitet auf die eigens von ihm und seinem Medienberater einberufene Journalistenrunde in einem Hotel am Frankfurter Flughafen. Von dort aus starten die US-Kicker heute mit einer Chartermaschine zum Testländerspiel nach Krasnodar/Russland.

Das Glück, Nummer fünf zu sein

Während der knapp halbstündigen Plauderrunde referiert der seit 16 Monaten als US-Coach arbeitende Schwabe über seinen großen Ambitionen: „Ich möchte mit dem US-Team mal ein WM-Viertel- oder -Halbfinale erreichen.“ Er sprach die Vorzüge der Tätigkeit als Nationaltrainer eines Verbandes, der im Bewusstsein der US-Amerikaner „erst an vierter oder fünfter Stelle kommt“. Fußball steht in Klinsmanns Wahlheimat unzweifelhaft im Schatten von American Footballs, Basketball, Baseball und Eishockey, die dort ungleich mehr Strahlkraft entfalten. „Wenn ich zu den Spielen gehe, werden keine Kameras 90 Minuten auf mich gerichtet – das tun die sich nicht an“, berichtet Klinsmann.

In Deutschland ist die Aufgeregtheit in Sachen Fußball um ein Vielfaches höher. „Hier sieht man gerne die Konfrontation zwischen den Leuten“, sagt der Gast mahnend. Ihm sei das fremd. „Wenn andere Leute anders denken, nehme ich sie so, wie sie sind. Und belasse es dabei.“ Nachtreten ist seine Sache schon lange nicht mehr. „Wenn ich zurückblicke, mit welchen Leuten ich zu tun hatte, sehe ich immer, was man gemeinsam erlebt hat. Wenn es mal hier und da verschiedene Meinungen gab, ist das doch kein Problem. Die gibt’s auch heute noch.“ Er spricht den Namen nicht aus, Klinsmann denkt aber unzweifelhaft an seinen großen Widerpart Uli Hoeneß. „Ich hatte ein spannendes Jahr beim FC Bayern, für das ich dankbar bin“, sagt Klinsmann. Aber danach sei für ihn das Leben weitergegangen. „Das sind Erfahrungen, die sind einem wichtig. Aber dann nach hinten zu blicken, ob da einer eine andere Auffassung hatte als ich? Mein Gott, das ist Energieverschwendung.“

Nicht anders denkt Klinsmann über das Nachtreten von Theo Zwanziger. Der einstige DFB-Boss schreibt in seiner Biografie, Klinsmann habe vor der WM 2006 und sogar noch, als das Sommermärchen seinen Lauf nahm, vor der Ablösung als Bundestrainer gestanden. Klinsmanns Reaktion auf die Enthüllung? Ein Schmunzeln, natürlich. „Ich hatte zwei tolle Jahre mit der Nationalmannschaft, die waren sehr schwer.“

Für vieles habe er seinen Kopf hingehalten. Und: „Wenn du als deutscher Trainer bei einer WM keinen Erfolg hast, ist dein Job weg.“ Das sei doch normal. „Damit hatte ich nie ein Problem.“ Genauso wenig wie mit Zwanzigers Versuch, sein Buch zu promoten. „Manche Leute reden gerne über andere, oder beurteilen sie. Das ist dann halt so. Ich tue das nicht, das ist nicht mein Element.“ Und wieder huscht ein Lächeln über das Gesicht von Jürgen Klinsmann.

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