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Thomas Häßler Trainer in Berlin: Club Italia will mit Häßler Richtung Dritte Liga

Kleines Auto, große Ziele: Thomas Häßler in einem betagten Topolino.

Kleines Auto, große Ziele: Thomas Häßler in einem betagten Topolino.

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imago/Matthias Koch

Wo ist Hauptkommissar Schmücke? Sein Assistent Herbert Schneider ist schon da. Er steht in einem Autohaus an einer Pankower Ausfallstraße, wo sich Berlin nicht entscheiden kann, ob es noch Stadt ist oder schon Dorf. Steht da zwischen Kameras, als würde er gleich eine Szene für den Tatort spielen oder das Autohaus einweihen, obwohl es das ja schon eine Weile gibt. Die Frage nach Schmücke lässt sich erst mal nicht klären, denn plötzlich kommt Thomas Häßler aus einer Tür, läuft vorbei an polierten Karossen, zum Haupteingang hinaus, über einen roten Teppich, an dessen Ende er kehrt macht, als hätte er etwas vergessen, und wieder ins Warme kommt. Die Kameraleute haben die Szene im Kasten.

Häßler ist an diesem Montagmorgen nicht im falschen Film, sondern genau richtig. Das Autohaus sponsert nämlich den Club Italia, Fußball, Bezirksliga, dritte Staffel, Platz 13, und der hat Häßler ab sofort als Berater eingestellt. Von der kommenden Saison an ist der 49-Jährige dann Cheftrainer. So sieht es ein Vertrag bis Juni 2018 vor, wegen dem er sich jetzt einem guten Dutzend Medienleuten vorstellt und Fragen beantwortet.

Paul Steiner vermittelt

Die Frage, warum er sich das antut, als Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996 bei einem Achtligisten, muss er sechs, sieben Mal beantworten. Er sagt zum Beispiel: „Was soll ich zu Hause rumsitzen und die Wände anstarren? Ich bin froh, etwas zu tun zu haben bei einem Verein, der gewillt ist, nach oben zu kommen. Dafür bin ich dem Verein sehr dankbar.“

Bis Mai 2015 war Häßler Technischer Direktor beim iranischen Fußballverband, ein Jahr lang hat er das gemacht, nach Jobs beim 1. FC Köln und in Nigeria. Dann ist er nach Deutschland zurück, hat in Hennef gesessen und die Wände seiner Wohnung angestarrt. „Mein Management und ich haben täglich geguckt, ob sich etwas ergibt, aber nichts passierte.“ Im Sommer trafen sich die Weltmeister von 1990, der frühere Verteidiger Paul Steiner war dabei. Sie redeten, was bei solchen Treffen geredet wird: Was machst Du so? Nichts? An dieser Stelle kam schließlich Steiners Sohn Mirko ins Spiel. Er brachte Häßler mit Eric Meissner zusammen, der seit August Sportdirektor beim Club Italia ist und einen Trainer suchte. Häßler war sein Mann.

Der gebürtige Berliner zog im Dezember in die Heimat zurück, wohnt in Spandau mit seiner Frau, die wieder als Masseurin arbeitet. In den acht Monaten Pause hat Häßler in der TV-Sendung Ewige Helden mit neun anderen ehemaligen Leistungssportlern mitgemacht. Demnächst tritt er bei „Let’s dance“ auf. „Erst passiert nichts, und dann kommt alles auf einmal.“

Projekt: Dritte Liga

So ein großes Interesse hätte Häßler am Montag in dem Autohaus nicht erwartet. Die Kameras erklären zum Teil auch, warum er nun Meissners Mann ist. Der Manager sagt zwar: „Das ist hier keine reine PR-Geschichte. Die Zeit ist da, dass Thomas eine Chance als Cheftrainer erhält. Ich bin davon überzeugt, dass er das kann.“ Doch als erstes engagierte Meissner im Sommer einen Marketingfachmann als Geschäftsführer. Sie suchen Sponsoren, die ihr Projekt unterstützen. Das Projekt heißt: Dritte Liga. „In acht bis zehn Jahren wollen wir im Idealfall dort sein“, sagt Meissner.

Sie wollten ja auch schon mal in die Bundesliga, das war vor Meissners Zeit. Ein Gastronom mit Hang zu allem Italienischen und gutem Netzwerk stieg 2006 als Präsident ein. Er brachte einen Großsponsor mit, ein Aufschwung begann, blieb 2011 aber in der Landesliga stecken. Der Mäzen verlor das Interesse, der Club verlor den Großsponsor, Ende, Aus, Abstieg. 2012 kehrten die Charlottenburger zur Bodenständigkeit zurück. Der ehemalige Präsident Giovanni Bruno übernahm wieder die Vereinsführung. Eric Meissner und Vizepräsident Laurence Hein arbeiten nun an der Zukunft, zweiter Teil. „Wir sind bestrebt, seriöse Fundamente zu bauen“, sagt Meissner.

Ein italienischer Automobilkonzern ist schon als Sponsor eingestiegen. Deshalb muss sich Häßler am Montag im Autohaus in einen antiquarischen Topolino zwängen, für werbewirksame Fotos. Hauptkommissar Schmücke wird wohl nicht mehr kommen. Verschwunden ist auch Assistent Schneider, alias Wolfgang Winkler. Er ist dem Autohaus verbunden. Bei so einem Projekt kann es nicht schaden, Schauspieler als Freunde zu haben.


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