blz_logo12,9
UnionBerlin

1. FC Union Berlin gegen den SC Union 06: Union setzt ein Zeichen für Flüchtlinge

Unioner unter sich: Sören Brandy vom FC Union (l.) und Spieler des SC Union.

Unioner unter sich: Sören Brandy vom FC Union (l.) und Spieler des SC Union.

Foto:

imago/Matthias Koch

Berlin -

Die Flüchtlinge kamen im Sommer 1950. Sie erhofften sich Geld und Freiheit. Es waren einige Fußballer aus dem Berliner Osten, wo Sportler nicht bezahlt werden durften, und sie fanden im Poststadion in der Nähe des Lehrter Bahnhofs Zuflucht. Statt unter dem Namen Union Oberschöneweide, spielten sie nun als SC Union 06 im Westteil der Stadt. Aus dem Verein in Oberschöneweide indes wurde 1966 der 1. FC Union. Sechseinhalb Jahrzehnte nach der Fußball-Flucht trafen die beiden Union-Klubs am Sonntag im Poststadion aufeinander – um ein Zeichen für Solidarität mit Flüchtlingen zu setzen.

Frank Börner ist nach dem Spiel glücklich. „Es war ein Spiel, in dem der ursprüngliche Sinn des Fußballs in Erscheinung getreten ist: Alle kommen zusammen und jeder ist willkommen“, sagt der Pressesprecher des Landesligisten Union 06. Denn seit Ende November stehen auf einem der Trainingsplätze hinter dem Stadion zwei Traglufthallen, in denen die Berliner Stadtmission eine Notunterkunft für Flüchtlinge betreibt. Insgesamt 294 Menschen können hier Zuflucht finden.

Die Idee für die Partie unter dem Titel „Willkommen in Berlin“ entstand auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Union. Man wollte den älteren Bruderverein unterstützen, dem aufgrund der Notunterkunft ein Übungsplatz für den Nachwuchs fehlt. Zugleich sollten Menschen für die Situation der Flüchtlinge sensibilisiert werden. „Fußball kann Barrieren einreißen“, sagt Nico Schäfer, der Manager des 1. FC Union, vor dem Anpfiff.

Etwa 25 Flüchtlinge haben sich zu diesem Zeitpunkt auf der Tribüne eingefunden. Zweimal stimmen sie in der ersten Spielhälfte in den Torjubel ein. 1:1. Dann erfährt eine aus dem Kosovo stammender Flüchtlingsgruppe, dass beim 1. FC Union zwei Deutsch-Kosovaren mitspielen. Sie laufen zum Spielfeldrand und rufen jubelnd die Namen: Eroll Zejnullahu und Bajram Nebihi schießen prompt ein Tor.

Sieben Tore

Dass nicht mehr Flüchtlinge gekommen sind, liegt an der Fluktuation in der Notunterkunft, viele wissen nichts von dem Spiel. Vorgesehen ist eine Aufenthaltsdauer von eins bis drei Tagen. Dann werden sie vom Landesamt für Gesundheit und Soziales woanders untergebracht.

In der zweiten Spielhälfte treibt die Kälte und das auf 14.30 Uhr terminierte Mittagessen viele der Flüchtlinge zurück ins Zelt. Ihre Jacken sind nicht so dick wie die der anderen 1 500 anwesenden Fußballfans. Und eine warme Mahlzeit können sie sich sonst nicht leisten. Das Spiel endete 7:1 (1:1) für den 1. FC Union. Beim SC Union 06 wollen sie nun Kassensturz machen. Anlässlich der Partie wurden Spenden für die Jugendabteilung gesammelt, aber auch für die Flüchtlinge soll etwas getan werden.