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1. FC Union Berlin: Verein will mehr sportliche Erfolge und bessere Transferpolitik

Union-Trainer Sascha Lewandowski.

Union-Trainer Sascha Lewandowski.

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imago/Bernd König

Am Sonnabend haben sich die Fußballer des 1. FC Union zum Frühstück zusammengefunden, dazu gereicht wurden die individuellen Trainingspläne für die Winterpause. Manche, wie Fabian Schönheim, der nach langer Verletzung beim 1:0 gegen Sandhausen wieder auf der Bank gesessen hatte, werden durchtrainieren, andere, wie der zuletzt unter Schmerzmitteln spielende Kapitän Benjamin Kessel, erst einmal durchatmen und den Urlaub genießen. „Es ist eine Last von allen gefallen“, sagte Kessel. „Es macht mit Blick auf die verbleibenden 15 Spiele vieles einfacher.“

Luft holen vor dem Jahreswechsel tut not, denn nicht nur sportlich erwarten den Verein herausforderungsreiche Monate. Los geht es zwar mit einer riesigen Sause am 20. Januar im Velodrom anlässlich des 50. Gründungsjubiläums sowie dem Testspiel gegen Borussia Dortmund (24. Januar) und dem Benefizspiel für und gegen Austria Salzburg (30. Januar) in der Alten Försterei. Danach aber stehen einige personelle, strukturelle und bauliche Veränderungen bevor.

Ambitionierte Pläne

Schon vor der Partie hatte Präsident Dirk Zingler im Stadionheft klargestellt, dass ein versöhnlicher letzter Eindruck „die insgesamt schwierige Hinrunde“ nicht wettmache. „Wir sehen unsere Heimat künftig zwischen der Ersten und Zweiten Liga“ bestätigte er die Ambitionen.

Für dieses Ziel sollen die Einnahmen erhöht werden – durch Investitionen, sportlichen Erfolg und eine erfolgreichere Transferpolitik. „Dazu muss ein besseres Scouting existieren“, sagte er und kündigte an, „neben dem Cheftrainer eine von ihm unabhängige vereinseigene Struktur im Sport zu haben, die sich insbesondere um Scouting und Kaderplanung kümmert“. Eine Studie hinsichtlich der Stadionerweiterung soll bis März vorliegen.

Bisher war Unions Führung überzeugt, keinen Sportdirektor zu brauche, auch weil der Klub sehr erfolgreich war, als alles auf einen mächtigen Trainer Uwe Neuhaus ausgerichtet war. Seit Februar verantwortet Lutz Munack als Geschäftsführer Sport die gesamtsportliche Entwicklung, insbesondere die Verzahnung von Lizenzspieler- und Nachwuchsabteilung. „Wir sind mit diesem Prozess noch nicht am Ende und werden diese Struktur weiter ausbauen“, sagte Zingler. In den vergangenen eineinhalb Jahren mit zweifachem Trainertausch wird auch er bemerkt haben, dass ein übergeordneter Kaderplaner fehlt. Egal, wie der Posten benannt wird, die Sportdirektoren-Lücke soll gefüllt werden.

„Ich bin kein Manager und Sportdirektor“, sagte Sascha Lewandowski am Sonnabend nach dem Teamfrühstück. In Leverkusen habe er auf die Kaderplanung fast zu wenig Einfluss gehabt, gleichzeitig dort aber einen „Granatenscouting“ gehabt, auf das er blind habe vertrauen können. „Hier läuft das anders“, stellte er fest.

In sieben Spielen nur eine Niederlage

Die Zeit, die er nun als Trainer für Union arbeitet, kam ihm länger vor als die knapp vier Monate, die es real waren. Er war davon ausgegangen, dass er im Dezember in der sportlichen Entwicklung etwas weiter sei, aber die Möglichkeiten im Training sind begrenzt. Die Kaderzusammenstellung spiele eine große Rolle, sagte Lewandowski. „Letztlich ist es aber in Ordnung. Wir haben es zu einem vernünftigen Jahresende gebracht.“ In den letzten sieben Spielen wurde nur gegen Freiburg verloren, und dank der zwei Siege zuletzt ist der Druck des unbedingten Gewinnen-Müssens vorerst beseitigt.

Die Tage zwischen den Jahren möchte der Coach nutzen, um die Erfahrungen sacken zu lassen und in Ruhe notwendige Anpassungen abzusprechen. Einen Defensivspieler mit mehr Zweikampfhärte hätte er gerne, weil: „Wir haben oft taktisch klug gepresst, aber nicht zugepackt.“ Das Jahr 2016 wird er mit einer Neuerung beginnen.

Medizinische Vorsorge

Vor dem Trainingsauftakt am 6. Januar werden die Spieler medizinische Screenings durchlaufen, die in dieser Art bislang nur gemacht wurden, wenn es bereits irgendwo schmerzte. „Es ist wichtig, dass du damit vorausschauend umgehst“, sagte Lewandowski, „und dann gegensteuerst“. Es ist eine Antwort auf die Häufung von Muskelverletzungen.

Noch sei Lewandowski nicht lange genug da, „um grundsätzliche Veränderungen herbeizuführen“, glaubt Zingler. „Wenn wir ihn in Ruhe arbeiten lassen, werden wir auch Erfolg ernten.“ Der Cheftrainer kann aber nicht alle Defizite beseitigen. Vor allem im Nachwuchsbereich hinkt Union hinterher. Für das Internat in der Hämmerlingstraße wird nach langwierigen Verhandlungen mit den Grundstücksnachbarn demnächst der Bauantrag gestellt werden, ein Standort für das Nachwuchsleistungszentrum ist noch nicht gefunden. „Zurzeit läuft es aufs FEZ hinaus, aber damit sind wir nicht allzu glücklich, weil der Platz dort einfach nicht ausreicht“, sagte Zingler.