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2. Fußball-Bundesliga: Bei Union Berlin steigt der Unmut

Wüsste gerne, warum seine Führungsspieler nicht führen und seine Verteidiger so halbherzig verteidigen: Union-Trainer Norbert Düwel.

Wüsste gerne, warum seine Führungsspieler nicht führen und seine Verteidiger so halbherzig verteidigen: Union-Trainer Norbert Düwel.

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Imago/Jan Huebner

Berlin -

Egal, was die Spieler des 1. FC Union nach der jüngsten Niederlage sagten, Erklärungen lieferten sie nicht. Gegen Kaiserslautern mache es keinen Spaß, Fußball zu spielen, weil die Ball und Gegner gut laufen ließen, druckste etwa Daniel Haas herum. Sprächen sie offen aus, was ihnen durch den Kopf geht, würde die von Präsident und Trainer penibel romantisch gezeichnete Kulisse einreißen. Die Welt dahinter ist längst nicht so heil, wie Dirk Zingler und Norbert Düwel glauben machen wollen. Dass am Sonnabend (13 Uhr) Tabellenführer Darmstadt an der Alten Försterei gastiert, ist Nebensache. Denn: In der Kabine macht sich Unmut breit.

Eigentlich habe sich gegenüber dem letzten Jahr nichts verändert, ist aus Teamkreisen zu hören. Es sei das Gleiche, nur dass ein anderer Trainer vorne stehe. Dahinter bestimmt weiterhin Assistent André Hofschneider den Ton. Sebastian Bönig, der zweite Assistent, darf sich − guter Ideen zum Trotz − nicht wirklich einbringen. Und so fühlt sich manch einer zurückversetzt in die Zeit vor dem in schöne Präsidentenworte gekleideten Umbruch. Der neue Chef an der Seitenlinie redet und analysiert, doch vermag er es nicht, der Mannschaft den Weg zum Erfolg zu weisen.

Verzweifeltes Klammern an Statistiken

Die Spieler sind überzeugt, eine gute Rolle in der Zweiten Liga spielen zu können. Alle, die in den vergangenen drei Jahren nach Köpenick gewechselt sind – der Großteil des Kaders – haben ihren Vertrag mit dieser Ambition unterzeichnet. Also wächst der Frust. Sechs Punkte aus sieben Spielen zehren an den Nerven, umso mehr, da keine Lösung in Sicht kommt.

Ist das Tor zum Trainingsplatz offen, wie zuletzt vorige Woche, wird beim Wettschießen gescherzt. Doch die gute Laune täuscht. Die Zwischenrufe und das Lachen von Düwel sind etwas zu laut. Er wollte den Spaß am Spiel vermitteln, jetzt spürt er vermutlich die wachsenden Zweifel und versucht sie demonstrativ zu überdecken. Für ihn steht bei der ersten Chefanstellung viel auf dem Spiel. Scheitert er bei Union früh, wird es schwer, eine zweite Chance zu bekommen.

Um seine Aufstellung zu rechtfertigen, klammert er sich an Statistiken wie Zweikampf- und Fehlpassquote. Das gefällt nicht jedem. „Es gibt klare Fakten, die man subjektiv vielleicht anders sieht“, sagt Düwel. Hinzu kommen lange Gegneranalysen. „Wir wollen unsere Stärken ausspielen, und das geht am Besten, wenn man die Schwächen des Gegners kennt“, erklärt er. Allerdings kennen seine Mannen die Gegner beinahe besser als sich selbst. So ratlos, wie sie den Pressefragen gegenüberstehen, so hilflos agieren sie auf dem Platz. Kein Team hat mehr Gelbe Karten kassiert. Auch in Kaiserslautern wussten sich die Eisernen oft nur durch Fouls zu helfen. Mal rüde, mal taktisch. Am Ende war die halbe Startelf verwarnt.

Baris Özbek, der Mann mit dem von Düwel gelobten strategischen Blick, hat in sechs Partien vier Verwarnungen eingeheimst, Christopher Trimmel inklusive seines Platzverweises sogar fünf. Düwels stellvertretender Kapitän soll eine tragende Säule sein, fällt bislang aber dadurch auf, dass er die Gegenüber zu Fall bringt. Teamintern heißt es: Union fehlt ein Anführer.

Kapitän ohne Stimme

Dem Trainer entgeht die missliche Lage. „Wir haben gestandene Spieler, die den Anspruch haben, Führungsspieler zu sein“, sagt Düwel. Von ihnen erwartet er, dass sie auf dem Feld Prozesse ändern, wenn es nicht läuft. Nach der Niederlage auf dem Betzenberg wunderte er sich, warum keiner die Kollegen aus den Tiefen der eigenen Hälfte gescheucht hatte. Nun, Damir Kreilach ist fußballerisch unangefochten, reißt seine Mitspieler aber nicht mit. Er ist ein Kapitän ohne Stimme. Toni Leistner und Roberto Puncec sind ebenfalls keine Kommandogeber, und so verharrte Union eben in der Defensive.

Dabei hat der Trainer trotz des Weggangs von Torsten Mattuschka noch Charaktere, die in die Bresche springen könnten. Fabian Schönheim zum Beispiel. Er behauptet sich sportlich zwar als Außenverteidiger, fehlt aber im Zentrum als Wortführer. Oder Michael Parensen, der kompromisslos kämpft, ohne die erlaubte Härte zu überschreiten. Nur: Er ist noch ohne Einsatz.

Im Nachhinein stellt sich der Sieg gegen Leipzig für Düwel als großes Glück heraus. Sonst wäre er womöglich nicht mehr Trainer. So konnte er betonen, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Spieler sind im Umgang mit sich ehrlicher. Sie wissen, dass der Erfolg glücklich war. Und so wächst die Angst, dass die Unterstützung von den Fans wegbrechen könnte, weil die Elf keine Gegenleistung erbringt. Spätestens dann wird die Situation für Union bedrohlich.


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