image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt
UnionBerlin

Benjamin Kessel sieht Union Berlin mental gereift

Neuer Inhalt (2)

Union Berlins Kapitän Benjamin Kessel im Kopfballduell.

Foto:

imago/Sebastian Wells

Es lief gerade die 65. Minute, als es plötzlich hitzig zuging. Union-Kapitän Benjamin Kessel hatte soeben an der Außenbahn seinen Braunschweiger Gegenspieler gefällt und sah dafür folgerichtig Gelb. Es folgte ein kurzer und heftiger Wortwechsel zwischen ihm, dem früheren Braunschweiger, und dem Torwart-Trainer der Eintracht Alexander Kunze. Man musste kein professioneller Lippenleser sein, um zu erkennen, dass sich Kessel und die Braunschweiger Bank keine wohlmeinenden Ratschläge oder gar Liebesgrüße zuwarfen.

Kessel wollte dieser Situation keine große Bedeutung beimessen, er und Kunze sind schon lange auch gute Freunde: „Das sind Emotionen auf dem Platz. Die sind nach dem Spiel ja auch schnell vergessen.“ Diese Emotionen in der 65. Minute waren war aber vor allem auch ein Zeichen. Braunschweig hatte wenige Minuten zuvor zum 1:1 ausgeglichen. Die Partie nahm wieder sichtlich Fahrt auf und es stand zu befürchten, dass Bobby Woods 14. Saisontreffer vielleicht zu wenig sein könnte in dieser Druckphase der Niedersachsen.

Enttäuschung zur Halbzeit

Doch die Körpersprache und der Einsatz stimmte nicht nur bei Benjamin Kessel, sondern im gesamten Team. „Es gab Momente in dieser Saison, da hätten wir uns nach dem Ausgleich versteckt und so ein Spiel noch aus der Hand gegeben, wahrscheinlich sogar verloren“, sagte Kessel. „Aber wir sind mental einen Schritt nach vorne gegangen.“

Diesen mentalen Schritt konnten die 19.026 Zuschauer am Freitag bei einem 3:1-Sieg bewundern, der vielleicht auch Drehbuchpotenzial hatte. Im ersten Durchgang spielten beide Mannschaften mit offenem Visier und lieferten sich ein unterhaltsames Hin-und-Her, das ab der 20. Minute etwas abflaute. Dennoch war man mit dem Halbzeitpfiff nahezu enttäuscht, keine Tore gesehen zu haben. Man konnte den Eisernen auch das nötige Quäntchen Glück attestieren, da die Braunschweiger viele Fehlpässe im Aufbauspiel der Köpenicker nicht konsequent nutzten. In der Kabine der Eisernen fiel das Fazit mit gleichzeitiger Marschrichtung dann kurz und knapp aus: Man wollte dieses Spiel unter allen Umständen gewinnen. „Wir haben alle daran geglaubt“, sagte Kessel.

Nach der Pause holte die Partie nach, was zunächst bitter fehlte: Tore. Bobby Woods 1:0 war nicht einfach nur ein Tor, es war ein rekordträchtiger Treffer. Mit seinem 14. Saisontor stellte er den Rekord von Sebastian Polter und Sreto Ristic ein. Toni Leistners katastrophaler Querpass vor dem eigenen Strafraum brachte die Braunschweiger nur vier Minuten später zurück ins Spiel. Damir Kreilach köpfte Union kurz darauf wieder in Front. Benjamin Köhlers Einwechslung in der 77. Minute, von der Kessel sagte, dass sie dem Spiel sehr gutgetan habe, setzte den emotionalen Höhepunkt bevor Kreilachs 3:1 (sein 10. Saisontor) den sportlichen Schlusspunkt setzte.

Endlich regelmäßig auswärts punkten

Nach dem Sieg gegen Braunschweig steht der 1. FC Union nun mit 36 Punkten auf Platz acht der Tabelle und hat damit mit dem Abstieg so wenig zu tun wie allerdings auch mit dem Aufstieg. Das bedeutet dennoch nicht, dass man in Köpenick auf einmal ambitionslos geworden wäre. „Wir werden diese Saison nicht einfach so dahinplätschern lassen. Alle wollen noch so weit wie möglich nach oben in der Tabelle“, sagte Kessel. „Über die relevanten Plätze können wir dann sprechen, wenn wir endlich auch auswärts anfangen, regelmäßig zu punkten.“

Beim Gastspiel auf St. Pauli können die Eisernen nach der Länderspielpause dann am 1. April erneut unter Beweis stellen, wie weitreichend der mentale Schritt nach vorne letztendlich gewesen ist. Benjamin Kessel wird dann allerdings nicht dabei sein. Die Gelbe Karte, die zum zusätzlichen Gesprächsstoff in der 65. Minute führte, war nämlich gleichzeitig seine zehnte.