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UnionBerlin

DFB-Pokal: Union will gegen Saarbrücken von der Kraft der Enttäuschten profitieren

Union-Torwart Daniel Mesenhöler trägt im Training eine Stroboskobbrille.

Daniel Mesenhöler tauscht im Training Flatternerven gegen Flackerbrille.

Foto:

Matthias Koch

Der DFB-Pokal, das ist nicht nur der Wettbewerb, in dem die Kleinen die Großen ärgern. Er ist auch die manchmal einzige Chance der Enttäuschten. „Es ist schade, wenn man alles gibt, ein gutes Gefühl hat und es am Ende nicht reicht, weil der Trainer eine andere Entscheidung trifft“, sagt Daniel Mesenhöler. „Natürlich hatte ich mir aus den ersten zwei Meisterschaftsspielen persönlich mehr erhofft“, sagt Philipp Hosiner.

Nun wäre es falsch, dem zitierten Duo Frust zu unterstellen. Oder gar Missgunst. Die Siege in Ingolstadt und gegen Kiel wurden von ihnen kräftig bejubelt. Trotzdem: Es ist verständlich, dass die beiden mit ihrem Schicksal etwas hadern. Das Positive aus Sicht des 1. FC Union ist dabei, dass aus Enttäuschung ein starkes Jetzt-erst-recht-Gefühl erwachsen kann. Bei Torwart Mesenhöler und Stürmer Hosiner ist das der Fall, was sich am Sonntag (15.30 Uhr) in der ersten Pokalrunde beim 1. FC Saarbrücken auszahlen könnte. „Es ist noch mal Motivation, noch mehr Gas zu geben und mich zu zeigen“, sagt der Keeper.

Aggressiveres Flankenspiel

Er wird gegen den Regionalligisten das Tor hüten. Das hat Union-Trainer Jens Keller umgehend versprochen, als er vor dem Saisonstart Jakob Busk zur Nummer eins im Ligaalltag erklärte. Es war ein Gespräch unter acht Augen, neben den zwei Betroffenen waren die zwei Entscheider zugegen: Cheftrainer Jens Keller und Torwartcoach Dennis Rudel. Behutsam haben sie ihre Entscheidung mitgeteilt, wohl wissend um die heikle Situation.

Anders als im Vorjahr, als Mesenhöler klar als Ersatz für Busk eingeteilt war, war der Anspruch dank seiner überzeugenden Leistung während des verletzungsbedingten Ausfalls von Busk in der Rückrunde   gewachsen. „Der Trainer hat gesagt, dass es sehr knapp war“, berichtet Mesenhöler. Lob für beide Kontrahenten also, um ja keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen. „Die Details haben wir erst hinterher im Einzelgespräch besprochen. Weder Jakob noch ich sind perfekt. Wir müssen beide noch an einigen Sachen arbeiten“, fügt er an. Seine persönlichen Weiterentwicklungspläne umfassen „gezielte Abschläge direkt auf die Stürmer“ und das Flankenspiel. „Dass ich noch aggressiver rauskomme“, sagt er.

Initialzündung beim BVB

Mesenhöler hat schon mal bewiesen, dass er im Pokal, wenn der Druck besonders groß ist und jeder Fehler das Aus bedeuten kann, über sich hinaus wächst. Auch wenn es vergangenes Jahr bei Borussia Dortmund am Ende aufgrund der ungenauen Elfmeterschützen Unions nicht zum Weiterkommen reichte. Für den damals 21-Jährigen war die Partie dennoch die Initialzündung. „Mein erstes Profispiel und die Bestätigung, dass ich die Leistung aus dem Training im Spiel bringen kann“, erinnert er sich.

Bei der unglücklichen Zweitrundenniederlage beim BVB hatte Jens Keller zur Überraschung aller das halbe Ligateam ausgetauscht. Nur die Abwehrreihe und Angreifer Collin Quaner beließ er im Team, und es zeigte sich eindrucksvoll, welche Kräfte bei denen frei werden können, die sich im Ligabetrieb auf der Bank gedulden müssen.

Chance für Hosiner

Der umfassende Tausch war damals auch der Belastungssteuerung in einer Englischen Woche geschuldet − in der ersten Runde hatte sich zuvor ein nur auf einer Position verändertes Team gegen den MSV Duisburg durchgesetzt. Aber die Vorzeichen waren andere: Der Trainer war neu und der Ligastart missglückt, die Spieler suchten die Abstimmung, die Mannschaft brauchte Stabilität.

Inzwischen kennt jeder die Aufgaben, die Qualitätsunterschiede im Kader sind kleiner. Beste Voraussetzung also, um durch Wechsel   noch mehr Leistung herauszukitzeln. Daher stehen auch die Chancen für Hosiner nicht schlecht. „Ich denke, dass wir ein bisschen durchrotieren und ich hoffe, dass ich zu den Spielern gehöre, die eine Chance bekommen“, sagt der Angreifer: „Dass ich für meine Investitionen in den letzten Monaten belohnt werde.“ Natürlich hat er sich erkundigt, was er besser machen muss, als klar wurde, dass Sebastian Polter in der Liga zunächst den Vorzug erhält. Die Antwort der Trainer: nichts, einfach weiter machen.

Selbstloser Mesenhöler

Der 28-Jährige weiß: Der Weg in die Ligastartelf führt für ihn nur über einen Erfolg in Saarbrücken − am besten mit persönlicher Torbeteiligung. „Ich bin nicht nur zum Pokalspielen zu Union gekommen. Ich möchte auch in der Meisterschaft spielen“, sagt er. Dieser Ansporn kann für die Eisernen nur Gutes bedeuten. Denn gerade im Pokal ist Eifer bis zum Schlusspfiff gefragt, um gegen einen vermeintlich leichten Gegner nicht durch einen Standard oder einen dummen Konter in die Bredouille zu kommen.

Die Union-Geschichte hält davon ja einige pikante Beispiele bereit. Seit dem Finale 2001 war zweimal in Runde drei Schluss, viermal in der zweiten und siebenmal in der ersten. Es ist eben die Chance für die Kleinen, groß aufzutrumpfen. Aber auch für die Enttäuschten, sich dem Trainer von der besten Seite zu präsentieren. Wobei Mesenhöler selbstlos bereit ist, auf die absolute Bewährungsprobe zu verzichten. „Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich was aufs Tor bekomme, aber dann würden wir vorne irgendwas falsch machen“, sagt er. Ein deutliches 3:0 wäre ihm lieber.