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Eiserne Schwäche

Union gegen Duisburg

Im Kampf um den Ball: Damir Kreilach von Union und der  Duisburger Ralf Fetscher

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dpa

Als am Sonnabend das Spiel beim Tabellenletzten MSV Duisburg abgepfiffen wurde, schaute man in ratlose Gesichter von Union-Berlin-Spielern. Wieder einmal, muss man ja sagen, denn bei den Auswärtsauftritten der Eisernen könnte man sich an diesen Anblick mittlerweile schon fast gewöhnt haben. In Duisburg vergeigten die Rot-Weißen nun eine Partie, die sie nicht hätten verlieren müssen. Nachdem Bobby Wood vom Elfmeterpunkt den Führungstreffer erzielt hatte (61.), genügten den Meiderichern fünf gute Minuten und zwei helle Momente, um ihren erst dritten Saisonsieg ausgerechnet gegen Berlin einzufahren. Seit November letzten Jahres hatten die Spieler des MSV Duisburg noch nicht einmal mehr ein Tor vor heimischem Publikum erzielt. Aber die Köpenicker fingen sich an diesem Sonnabendnachmittag gleich zwei Treffer (65. und 70.) bei dem Klub aus dem Ruhrgebiet, den viele ja schon im Sturz in die Drittklassigkeit zu sehen glaubten.

Das offenbart die wohl größte Schwäche der Eisernen: die mangelnde Präsenz auf fremden Plätzen. „Wir haben sicher keine Bäume ausgerissen, aber wir hätten dort nicht verlieren müssen“, sagte Union-Trainer André Hofschneider am Tag nach der Niederlage. Unions Kapitän Benjamin Kessel wurde deutlicher: „Es ist zum Kotzen. Wir haben in der ersten Halbzeit ein taktisch ordentliches Spiel gemacht, gehen nach der Pause in Führung. Das müssen wir einfach auch auswärts über die Bühne bringen.“ Fast scheint es, als glaubten die Eisernen selbst kaum daran, auf fremden Plätzen Spiele zu ihren Gunsten entscheiden zu können. „Viele der Jungs haben den Kopf nicht frei, und es fehlt an Erfahrung. Sie müssen begreifen, dass die Pfiffe auswärts wie der Applaus zu Hause sind“, sagte Hofschneider.

Die Saisonziele waren viel größer

Die Auswärtsschwäche zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison der Rot-Weißen. Bei ihren Auftritten in Freiburg und auch in Leipzig fiel praktisch schon mit dem Anpfiff ins Auge, dass fast die gesamte Mannschaft im Kopf nie wirklich in diesen Partien angekommen war und nicht mit drei Punkten rechnete. Diese Blockade rächte sich dann bitter und sie wird auch in Zukunft noch das ein oder andere Mal Folgen haben. Würden nur Heimspiele zählen, stünde Union auf Platz sechs der Tabelle. Wäre jedes Spiel nach der ersten Halbzeit beendet, wären die Eisernen sogar Tabellenzweiter. Das zeigt, dass es Union noch immer an Konstanz fehlt; der Kontrast zu den großen Zielen des Vereins ist deutlich. „Wir alle hatten vor der Saison eine andere Erwartungshaltung, jetzt zeigt sich leider: Wir sind noch keine Spitzenmannschaft, weil es uns zu oft an Qualität fehlt“, sagt Trainer Hofschneider.

So muss man in Köpenick erst einmal damit leben, dass der Klub von Spieltag zu Spieltag wild durch die Tabelle pendelt. Dabei glaubte man dort, mit den Wintertransfers zusätzliche Qualität verpflichtet zu haben, die Reife und Souveränität auch in engen Spielen und auf fremden Plätzen brächte. Vor allem von Felix Kroos erwartete man das, aber der wurde in Duisburg schmerzlich vermisst. Der Mittelfeldspieler wäre wohl jemand, der seinen Nebenmännern das Gefühl geben könnte, dass der Ball bei ihm an den richtigen Füßen ist. Doch auch Kroos hat sich vergangene Woche in die Riege der vielen Verletzten bei Union eingereiht. Wann er zurückkommt, ist offen. Im Fall von Maximilian Thiel und von Fabian Schönheim steht mittlerweile fest, dass sie in dieser Spielzeit nicht mehr auflaufen werden. In Duisburg musste nun am Sonnabend auch noch Christopher Quiring verletzt vom Feld. Das Verletzungspech verfolgt die Köpenicker, doch das könne keine Ausrede sein, sagt ihr Trainer Hofschneider: „Ich lasse das nicht als Entschuldigung gelten. Jeder Spieler sollte gut genug sein, um so ein Spiel zu gewinnen.“

Das können die Eisernen am kommenden Freitag gegen Eintracht Braunschweig unter Beweis stellen. Beruhigende Nachrichten zu der Partie gibt es aber auch: Es ist ein Heimspiel.