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FC Union Berlin vs. SV Darmstadt : Bis auf die Knochen blamiert

Der Darmstädter Leon Balogun (M) schießt den Ball vorbei am Berliner Torwart Mohamed Amsif (u) und Michael Parensen zum 1:0.

Der Darmstädter Leon Balogun (M) schießt den Ball vorbei am Berliner Torwart Mohamed Amsif (u) und Michael Parensen zum 1:0.

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dpa

Der Unterschied zwischen einem Aufstiegsaspiranten und dem 1. FC Union im direkten Vergleich? Genau fünf Tore. Was die Berliner in Darmstadt boten, war letztlich so ernüchternd, dass sogar die im Sonderzug angereisten Fans am Ende entgegen ihrer Gewohnheit verstummten. „Wir können uns nur bei allen entschuldigen, die das gesehen haben“, sagte ein von der eigenen Leistung schockierter Michael Parensen. „Wir haben alles vermissen lassen, was man in der Zweiten Liga braucht.“

Kurz vor Parensen war Torhüter Mohamed Amsif wie ein geprügelter Hund in die Kabine geschlichen. Das Positivste aus seiner Sicht beim 0:5 (0:2) gegen den Tabellenzweiten: Er hat weniger Tore kassiert als sein Kollege Daniel Haas. Ein schwacher Trost angesichts der Roten Karte, aufgrund er den Platz zwischen den Pfosten, den er sich erst vor dem Spiel erobert hatte, noch vor der Pause wieder räumen musste. In diesem Moment hatte Dirk Zingler einen tiefen Zug Nikotin genommen, und im nächsten hatte ein Kaugummi die Zigarette im Mund des Vereinspräsidenten ersetzt.

Doppelte Beruhigung tat Not in dieser 45. Minute, in der Fabian Schönheim den 1. FC Union endgültig ins Verderben gestürzt hatte. Mit seinem zweiten riskanten Rückpass innerhalb weniger Minuten hatte der Verteidiger seinen Keeper Amsif zu einer Notbremse gezwungen. Die Konsequenz war das 0:2 per Foulelfmeter und eine zweite Hälfte in Unterzahl.
Schon vor dem Platzverweis hatte das Team von Norbert Düwel wenig Ermutigendes gezeigt, was auch an einem Wechsel in der Aufstellung lag, der nicht so funktionierte, wie vom Trainer geplant. Der Trainer hatte sich als Ersatz für den gesperrten Kapitän Damir Kreilach wieder etwas Unerwartetes einfallen lassen. Innenverteidiger Toni Leistner sollte den Job im defensiven Mittelfeld übernehmen.

Doch das neu formierte Defensivduo aus Parensen und Leistner harmonierte nicht. Die Darmstädter konnten sich den Ball allzu oft in Ruhe vor dem Strafraum hin- und herschieben, die Ablagen und Abpraller im Mittelfeld erkämpften sie sich ebenfalls. Auch in der Spieleröffnung konnte sich das Berliner Duo nicht gestalterisch einbringen. Parensen sah sich stets zwei Gegenspielern gegenüber, Leistner positionierte sich schlecht. „Wir haben das Spiel irgendwo da verloren, aber es lag an der Einstellung und nicht an der Aufstellung oder dem System“, sagte Parensen.

Seinem Trainer war der Schock über das Geschehene nach dem Schlusspfiff ebenfalls ins Gesicht geschrieben. „Ich habe noch nie erlebt, dass fünf Standardsituationen in einem Spiel zu fünf Toren führen“, sagte Düwel. Auf die Führung von Leon Balogun per Kopf und den von Romain Brégerie verwandelte Elfmeter folgten in Hälfte zwei die Treffer von Milan Ivana und zwei Mal Aytac Sulu. Dirk Zingler verfolgte dies übrigens nicht mehr von seinem Platz in der letzten Reihe auf der Haupttribüne. Er war neben seinen Bruder gewechselt, der näher am Spielfeld saß. Was der Klubboss sah, wurde dadurch nicht erfreulicher, aber die Familie ist und bleibt eben der beste Trost.