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Feier zum 50. Vereinsjubiläum: Tränen, Legenden, Union Berlin

Immer diese neumodisch taillierten Trikots: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller als Eiserner.

Immer diese neumodisch taillierten Trikots: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller als Eiserner.

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Matthias Koch

Plötzlich öffnete sich eine Tür hinter der Bühne. Es war eine halbe Stunde vor Mitternacht, als die riesige Feier zum 50. Klubjubiläum ihrem Höhepunkt und Finale zusteuerte. Da tauchten einige ältere Herren mit meist schlohweißen Haaren auf, die ihre rot-weiß längs gestreiften Trikots aus den Sechzigerjahren locker über dem Hosenbund trugen.

Allen voran schleppte Rainer Ignaczak, 72, einst Torhüter und immer noch mit stattlicher Figur, den 37,5 Kilogramm schweren und 96 Zentimeter hohen FDGB-Pokal heran. Ignaczak, von 1966 bis 1973 im Tor der Unioner, benötigte dabei die Unterstützung seiner Teamkameraden. Es waren die Recken, die 1968 im Finale des DDR-Pokalwettbewerbs den schier übermächtigen Meister FC Carl Zeiss Jena sensationell mit 2:1 geschlagen und die bislang wertvollste Trophäe für den Verein erobert hatten.

Das Velodrom, mit über 3500 Vereinsmitgliedern und 600 Ehrengästen gefüllt, stand noch einmal Kopf. Die Spieler, die das Wort Legenden tatsächlich verdient haben – etwa Harry Felsch, Günter „Jimmy“ Hoge oder Uli Prüfke – wurden allesamt zu Ehrenmitgliedern ernannt. Viele hatten Tränen in den Augen, ehemalige Spieler wie Fans. Es gab zahlreiche solcher Momente in einer Mammutveranstaltung, bei der Mitglieder und Ehrengäste Ausdauer bewiesen.

Rede des Regierenden

Drei komplette Fußballspiele plus 30 Minuten Nachspielzeit – ohne Pause – dauerte die Veranstaltung. Sie war ein Mix aus Erinnerungen, Ehrungen, Festreden, Filmeinblendungen, Talkrunden und optimistischen Ausblicken. Danach – um Mitternacht – gab es Freibier in den Wandelgängen der Arena. Der Verein, der immer sein Außenseiterdasein gepflegt und kultiviert hat, feierte sich ausgiebig. Verdient hat das Union.

Begonnen hatte der Abend mit einer kurzen Rede des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller. Der nannte Union „ein großes Stück Berlin-Geschichte“ und rief in den riesigen Innenraum: „Berlin wartet auf einen zweiten Erstligisten!“ Als er von Union-Präsident Dirk Zingler ein rotes Trikot mit seinem Namen überreicht bekam, donnerte es von den sangesfreudigen Rängen: „Anziehen! Anziehen!“ Der Regierende ließ sich nicht lange bitten und streifte das Trikot flugs über sein Hemd.

Es kamen viele zu Wort auf der Bühne, auf der sämtliche Mannschaften von Union Platz genommen hatten und auch alle Mitarbeiter des Vereins. Das gab ein sehr symbolträchtiges Bild ab und sollte heißen: Seht her, wir sind die große Union-Familie, die fest zusammenhält. Dirk Zingler forderte alle Unioner auf: „Lasst uns unsere besonderen Ansichten zum Fußball noch besser sichtbar machen. Lasst uns mutig sein!“ Fußball-Romantik, wie an der Alten Försterei gelebt, plus Leistung samt Professionalität müssten die Devise sein.

Ehrenpräsident Günter Mielis, jüngst 90 Jahre alt geworden, hielt eine Laudatio und konnte es kaum fassen, dass er in seinem Alter vor beinahe 5?000 Menschen, die Union zugetan sind, sprechen durfte. Mielis, von 1975 bis 1982 Präsident, hat 50 Jahre Klubgeschichte miterlebt, mitgelitten, mitgefeiert und entscheidend mitgestaltet – auch oft im Hintergrund. Er habe drei Generationen von Union-Anhängern erlebt und sei stolz auf diese. Den 1. FC Union bezeichnete er als „ein Wunschkind der Berliner“.

Meyer, Werner, Wassilew

Als Unterhalter und Fußball-Entertainer ist Trainer Hans Meyer eine Klasse für sich. Der 73-Jährige, noch immer im Aufsichtsrat von Borussia Mönchengladbach aktiv, war aus Nürnberg angereist, wo er seit Langem lebt. Gemeinsam mit seinen Kollegen Heinz Werner (1976-1982 Union-Coach), dem Bulgaren Georgi Wassilew (er führte Union 2001 ins DFB-Pokalfinale und in den Uefa-Cup) und dem aktuellen Trainer Sascha Lewandowski plauderte Meyer über Union. Der meinte lakonisch.

„Berlin war kein gutes Pflaster für mich. Bei Union wurde ich nach zehn Monaten entlassen. Bei Hertha war ich ein halbes Jahr.“ 1995 amtierte Meyer an der Alten Försterei, ehe er von Eckhard Krautzun, der auch im Saal war, abgelöst wurde. Meyer: „Als ich noch als Trainer von Carl Zeiss Jena an die Alte Försterei musste, wurde ich von den Fans oft beleidigt, aber die Beleidigungen hatten Niveau!“

Beifall war Meyer gewiss. Georgi Wassilew aber, von den Union-Anhängern der „General“ getauft, rief ins Auditorium: „Ich bin sehr stolz, Union-Trainer gewesen zu sein!“ Der 69-jährige ehemalige Nationaltrainer von Bulgarien, lebt wieder in seiner Heimatstadt Veliko Tarnowo. Verändert hat er sich schon, sein Haar war raspelkurz. Wassilew gab die Devise aus: „In der nächsten Saison muss Union in die Erste Bundesliga aufsteigen!“ Sascha Lewandowski, der neben ihm stand, kam ins Schwitzen und entgegnete kurz: „Danke, Herr Kollege!“ Die Messlatte ist nun hoch. Aber das war sie auch schon vor den Feierlichkeiten.



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