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Neuer sportlicher Leiter: Helmut Schulte fühlt sich bei Union schon heimisch

Unions neuer sportlicher Leiter Helmut Schulte

Unions neuer sportlicher Leiter Helmut Schulte

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imago/MIS

Als Helmut Schulte gestern um kurz vor 12 Uhr in der Alten Försterei zur Vorstellung vorbeikam, gab er sich als gut integrierter Berliner: „Ick freu mir“, begrüßte er die Runde, „das habe ich schon gelernt.“ Obwohl er erst heute mit der Arbeit als Leiter der Lizenzspielerabteilung beim 1. FC Union beginnt, hat er schon seit einigen Tagen mit seiner Frau in der Nähe des Tiergarten die alte Wohnung eines Bekannten bezogen. „Zur Bundeskanzlerin ist es nicht weit.“

Auch bei Union sollen die Wege zu den anderen Verantwortlichen kurz sein. Mit dem Geschäftsführer Sport Lutz Munack wird er sich zukünftig das Büro in der Geschäftsstelle teilen. In enger Zusammenarbeit mit „dem wichtigsten Mann, was das Sportliche betrifft“, also Trainer Sascha Lewandowski, soll die Kaderplanung erheblich verbessert werden.

Dass es jemanden braucht, der die Zusammenstellung des Profikaders verantwortet, ist spätestens seit den Trainerwechseln offensichtlich. Norbert Düwel sollte und wollte nicht mit den Spielern von Uwe Neuhaus weitermachen. Bis er sich selbst einen Kader gebastelt hatte, musste er wieder gehen, und die, die er ausgesucht hat, passen nun nicht in Lewandowskis System. Darüber kann auch der 5:0-Testspielsieg gegen Austria Salzburg am Sonnabend nicht hinwegtäuschen, bei dem Neuling Felix Kroos gleich traf. Union steht eine Woche vor dem Start in die zweite Saisonphase nur auf Rang 13.

Helmut Schulte: „Wollen unsere Zuschauer fröhlich machen“

Sich über die Schwächen seines neuen Arbeitgebers zu äußern, gehört sich natürlich nicht. Schulte sagte deshalb: „Man sollte nur was sagen, wenn man Ahnung hat. Aber ich weiß ja noch gar nicht, wie hier gearbeitet wird.“ Zunächst will sich der gebürtige Sauerländer mit den Arbeitsweisen der künftigen Kollegen vertraut machen.

Schulte, der zur Begrüßung ein schwarzes Sakko über dem blauen Hemd trug und seine Hände meistens in den Taschen seiner Jeans oder unter dem Gürtel vergrub, hat allerdings schon klare Vorstellungen, was er mit dem 1. FC Union erreichen will. „Wir wollen unsere Zuschauer fröhlich machen. Fröhlich ist man nur, wenn man gewinnt.“ Bei Niederlagen solle man zumindest das Gefühl haben, dass die Mannschaft alles gegeben hat. Potenzielle Quertreiber warnte er: „Ich werde fuchsteufelswild, wenn jemand den Erfolg der Mannschaft durch Egoismen gefährdet.“

Zudem ging es dem Nachfolger von Nico Schäfer darum, seine Liebe zum 1. FC Union zu bekunden. „Die Stimmung, dass die Fans das Stadion mitbauen und dass es immer ein Weihnachtssingen gibt: man wird kaum jemanden finden, das nicht geil findet. Und so geht es mir auch.“ Nur in Union-Bettwäsche habe er noch nicht gelegen.

Am 8. Juni 1993 hatte er erstmalig Kontakt mit dem Klub, aber er fand das Stadion nicht. „Man hat mir gesagt, ich muss nach Köpenick fahren. Aber ich habe verzweifelt Schilder gesucht und bin hier rumgeirrt.“ Acht Jahre später fand er das Ziel. Am Vorabend des Pokalsieges von Schalke 04 gegen Union verfolgte er den Triumph der Gelsenkirchener A-Jugend als Leiter der dortigen Nachwuchsabteilung. Es war der schönste Moment seiner Funktionärs- und Trainerkarriere: „Den Talenten den Weg zu bereiten, ist schöner als aufzusteigen“, sagte er. Zu seinen Schützlingen gehörten Mesut Özil und Manuel Neuer.

„Erfahrung wird oft unterschätzt“

Obwohl Schulte zuletzt bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag stand, wo man sich am 11. Mai 2015 von ihm trennte, verbindet man ihn vor allem mit seinem Wirken beim FC St. Pauli. Drei unterschiedliche Episoden gestaltete er mit. Auch hier gab es Berührungspunkte mit Union, vor allem das Jahr 2010 ist ihm in Erinnerung geblieben, als sein ehemaliger Arbeitgeber 1:2 in Köpenick verlor. „Das ganze Stadion sang Torsten Mattuschka schalalalala.“

Schulte legt wert auf diese Anekdoten aus vergangenen Zeiten. Denn anders als in einer Beziehung, wo das Gerede von der Ex selten gut ankommt, kann man damit eine gewisse Erfahrung nachweisen. Glaubt zumindest Schulte. „Erfahrung wird oft unterschätzt.“

Man ist auch geneigt, Schulte als Mensch falsch einzuschätzen. Zum Beispiel, was seine musikalischen Vorlieben angeht. „Ich bin ein Freak, manchmal steh ich total auf Schlager, manchmal auf Dubstep“, verrät er. Für den Diplom-Sportlehrer ist es zudem ein Graus, wenn er an einem Tag keinen Sport machen kann. „Man kann mich bald in der Wuhlheide antreffen“, sagt er. Auch wenn er sich selbst als „Fischkopp“ bezeichnet, bei der Integration mit dem Köpenicker Klub kann es ihm nicht schnell genug gehen.



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