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Nur noch um die Goldene Ananas

Hindernislauf: Unions Stephan Fürstner umkurvt Zlatko Tripic.

Hindernislauf: Unions Stephan Fürstner umkurvt Zlatko Tripic.

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imago/Zink

Fürth -

Es gibt Fußballspiele, die vor sich hinplätschern, bis irgendwann die entscheidenden Tore fallen. Und es gibt solche, bei denen haben die Fans schon wenige Sekunden nach Anpfiff ein Gefühl, wie das Ganze ausgehen wird. Am Dienstag dürften die etwa 600 mitgereisten Union-Fans gar nicht erst die gut 250 Sekunden bis zum ersten Gegentreffer gebraucht haben, um zu ahnen, dass dieser Abend schlecht laufen würde. Als Fürths Sebastian Freis den Führungstreffer schoss, hatte es schon drei, vier Situationen gegeben, in denen die grün-weiße Offensive sich in gehörigem Tempo Richtung Berliner Strafraum kombinieren konnte. Dort wiederum hatte man eine Heidenmühe, die Lücken zu stopfen, die immer wieder aufklafften – rechts, links und in der Mitte. An eigene Aktionen war nicht zu denken.

„Wir waren in der Anfangsphase gar nicht richtig wach“, sagte Stephan Fürstner nach der Partie. „Da haben die uns überrannt.“ Fürstner war neben Angreifer Sören Brandy in den improvisierten Pressetrakt beordert wurden, weil er zuvor sechs Jahre bei den Fürthern gekickt hatte, deren Haupttribüne gegen Union gesperrt war. Das gute Stück wird nach 65 Jahren abgerissen.

Nicht mal 8000 Zuschauer

Für den Verein mit der mutmaßlich größten Spielerfluktuation zwischen Flensburg und Memmingen ist eine solche Vereinstreue eine besondere Leistung. Zumal sich die Spielvereinigung auch im Sommer nicht von ihm trennen wollte. Der neue Coach Stefan Ruthenbeck hatte vor, um ihn herum eine neue Mannschaft aufzubauen. Schließlich erfüllte der Mann, der beim Bayern-Nachwuchs das Kicken gelernt hat, gleich drei Kriterien, auf die Trainer stehen. Fürstner war Publikumsliebling, er ist ein guter Fußballspieler mit hohem taktischen Verständnis – und ein intelligenter Mensch dazu. Dass er sich für Berlin entschied, wird dort als Intelligenzbeweis gewertet, in Fürth glaubt man hingegen, dass da andere Faktoren den Ausschlag gegeben haben. Fürstner selbst dementierte jedenfalls heftig, dass er seinen Transfer nach einigen Spielen auf der Bank bereue. Ein „besonderer“ und „schöner“ Abend sei das gewesen, zumal die Mutter mal wieder im Stadion gewesen sei. Mehr aber auch nicht.

Nun spielen sie in Köpenick ja seit Wochen in Tabellenregionen, in denen realistischerweise weder mit Auf- noch Abstieg zu rechnen ist. Derzeit haben die Eisernen neun Punkte Vorsprung auf den 16. und 14 Zähler Rückstand auf den dritten Tabellenrang.

Auch für Fürth ist die Saison faktisch gelaufen, der Spannungsabfall ist nicht auf dem Rasen, aber auf den Rängen zu beobachten. Nicht mal 8 000 Zuschauer kamen am Dienstag. Dass die Haupttribüne nicht zur Verfügung stand, ließ das Stadion nicht voller erscheinen. „Die Tabelle interessiert uns nicht“, sagte Fürstner dann auch brav, als die Frage kam, ob man denn nur noch um die Goldene Ananas spiele. Und merkte schnell, dass das nicht unbedingt danach klang, als werbe jemand um ein volles Haus beim Heimspiel gegen den FSV Frankfurt.

Gerettet sei man lange nicht, schob Fürstner flink nach. „Wichtig ist, dass wir schnell in die Regionen kommen, von denen aus man nicht mehr nach unten schauen muss.“ Hilfreich dürfte sein, dass nicht nur die beiden gelbgesperrten Offensiven Bobby Wood und Damir Kreilach wieder einsatzbereit sind, nach Auskunft von Interims-Coach André Hofschneider ist auch Maximilian Thiel dann wieder eine Option.