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UnionBerlin
Berliner Zeitung | Paukenschlag auf Paukenschlag im Spiel gegen den FSV Frankfurt
06. March 2016
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Paukenschlag auf Paukenschlag im Spiel gegen den FSV Frankfurt

Bobby Wood im Spiel gegen den FSV Frankfurt

Bobby Wood punktete zweimal im Spiel gegen den FSV Frankfurt.

Foto:

imago/Jan Huebner

Es war ein schwerer Schock für viele, als am Freitag, einen Tag vor dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt, bekannt wurde, dass Sascha Lewandowski nicht mehr auf die Trainerbank von Union Berlin zurückkehren würde. Was man schon hinter vorgehaltener Hand gemunkelt hatte, wurde traurige Gewissheit: Burnout-Syndrom. André Hofschneider ist damit nun offizieller Cheftrainer. „Ich gebe Sascha Lewandowski die besten Wünsche mit auf den Weg für diese Wochen, die mitunter hart werden können“, sagte er nach Abpfiff. Zwischen all den Genesungswünschen stand vor allem die Frage, wie die Mannschaft mit der Situation umgehen würde – und sie ließ dem Paukenschlag einen Paukenschlag auf dem Rasen folgen. Mit einem souveränen 4:0-Heimsieg gegen die Bankenstädter untermauerten die Eisernen eindrucksvoll, dass sie die Situation nicht aus der Bahn wirft.

Wahrscheinlich wird auch André Hofschneider froh gewesen sein, dass der FSV Frankfurt nicht wirklich ein Prüfstein war und seine Mannschaft weder eine Galavorstellung noch den großen Kampf benötigte, um das Spiel ungefährdet und souverän über die 90 Minuten zu bringen. An Hofschneider liegt es jetzt auch, die Eisernen nicht nur bis zum Saisonende zu führen, sondern das von Lewandowski eingespielte System weiterzuführen. Viele andere Optionen gibt es nicht. Hofschneider kennt das Umfeld, die Mannschaft und Lewandowskis Handschrift sehr gut. Ein neuer Trainer müsste jetzt, mitten in der Saison, nicht nur überhaupt gefunden werden, sondern sich auch in kürzester Zeit auf all das einstellen.

In Köpenick verzichten sie deshalb auf Experimente, auch wenn das Mehrarbeit für alle Beteiligten und etwas Improvisationstalent erfordert. Denn Union hat bereits im letzten Jahr viele strukturelle Dinge neu geregelt. „So geraten wir nicht in direkte Abhängigkeit von einem Trainer“, sagte Lutz Munack, als Geschäftsführer Sport derzeit Unions oberster Verantwortlicher in allen sportlichen Fragen. „Im Prinzip haben wir bereits Sascha Lewandowski nach diesem Prinzip verpflichtet.“

Die strukturellen Dinge mündeten in die Anstellung des 58-jährigen Helmut Schulte als Leiter der Lizenzspielerabteilung Anfang des Jahres, der überraschend Nico Schäfer ersetzte. Mit seiner Erfahrung soll er die Kaderplanung und das Scouting und somit den sportlichen Erfolg vorantreiben. „Unser Ziel ist deutlich definiert. Daran halten wir fest“, sagt Munack. Dieses Ziel heißt, in absehbarer Zeit einer von Deutschlands Top-20-Vereinen zu werden.

Aus der zweiten Reihe

Ob André Hofschneider der Trainer für diese große Aufgabe wird, ist allerdings nicht sicher. Bisher soll er nur die Saison zu Ende führen, mit Sondergenehmigung der DFL. Für weitere Entscheidungen gebe es keinen Handlungsdruck, sagte Munack – vorerst. Hofschneider war bisher der Mann der zweiten Reihe, der die verantwortungsvolle Aufgabe eher als Pflichterfüllung denn als Profilierungschance verstanden hat.

Noch vor Kurzem meinte er, dass er sich gar keine Gedanken gemacht habe, den Cheftrainerposten auf Dauer zu übernehmen. Dies wurde ihm aufgrund der äußeren Umstände jetzt abgenommen. Die Ambitionen, aus Union einen Top-20-Klub zu machen, stehen dennoch auf einem anderen Blatt. So könnte dieses Ziel sehr wohl den Ausschlag für weitere Personalentscheidungen geben, deutete Munack an: „Wir suchen keinen Trainer, der sich dagegen wehrt.“