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Sascha Lewandowski ist Opfer des grenzenlosen Arbeitseifers

Abschied: Sascha Lewandowski.

Abschied: Sascha Lewandowski.

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imago/Sebastian Wells

Nach der Niederlage in Leipzig hatte sich Sascha Lewandowski krank schreiben lassen. Zunächst nur für drei Wochen, doch wie der 1. FC Union nun mitteilte, sind die behandelnden Ärzte davon überzeugt, dass eine deutlich längere Pause und eine temporär umfassende Entlastung von beruflicher Beanspruchung notwendig ist, um die gesundheitliche Genesung des Trainers zu gewährleisten. Diagnostiziert wurde ein akutes Erschöpfungssyndrom, das funktionelle Herzbeschwerden verursacht. Der Vertrag wurde in beidseitigem Einverständnis aufgelöst.

Die Mannschaft erfuhr von der Trennung einen Tag vor der Heimpartie gegen den FSV Frankfurt (Sonnabend, 13 Uhr) von Unions Geschäftsführer Sport Lutz Munack. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als das sportlich zu nehmen“, sagte Mannschaftsratsmitglied Michael Parensen. „Für uns geht es darum, Punkte zu sammeln“. Ein Dreier gegen Frankfurt wäre das wohl beste Abschiedsgeschenk für ihren Coach. „Er hat wahnsinnig viel Energie investiert und sehr akribisch mit uns gearbeitet“, sagte Parensen.

Kurze Pause reichte nicht

Der grenzenlose Arbeitseifer von Lewandowski war es letztlich, der seine Gesundheit gefährdete. „Ich hatte gehofft, dass eine kurze Pause reichen könnte, die Beschwerden deutlich zu verringern. Dies war aber leider überhaupt nicht der Fall“, ließ Lewandowski über den Klub ausrichten. „Neben den gesundheitlichen Risiken muss ich auch akzeptieren, dass ich aktuell einfach nicht annähernd die Power habe, mit so viel Energie zu arbeiten, wie ich es als Cheftrainer gewohnt bin und wie die Mannschaft es verdient.“ Derzeit befindet er sich in einer Reha.

Union-Präsident Dirk Zingler und der Mannschaftsarzt waren seit Behandlungsbeginn über den Gesundheitszustand informiert. Eigentlich war die Zusammenarbeit mit Lewandowski langfristig ausgerichtet. „Perspektivisch“ wolle man „um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen“, hatte Zingler bei der Vertragsunterzeichnung mit dem 43-Jährigen gesagt. Man freute sich in Köpenick, dem von den Bundesligisten Hannover 96 und Eintracht Frankfurt sowie vom Millionenprojekt RB Leipzig umworbenen Coach die Aufgabe bei Union schmackhaft gemacht zu haben.

Von Beginn an schwärmte Lewandowski von dem Zusammenhalt im Klub, dessen Tradition und dessen Fans. Auch mag eine Rolle gespielt haben, dass er bei Union die Möglichkeit sah, in Ruhe eine Mannschaft aufzubauen, anstatt sofort im hektischen Scheinwerferlicht der Bundesliga zu stehen. Sechs Monate später sah er sich nun gezwungen, den Rat der Mediziner zu befolgen. „Nach Einschätzung meiner Ärzte wird es noch Monate dauern, bis ich wieder der Alte bin. Dieser Zustand ist untragbar für Mannschaft und Klub“, sagte Lewandowski. „Union war selbst in dieser kurzen Zeit etwas Besonderes für mich. Umso bitterer ist dieses Ende.“

Ansprüche an Spieler runtergeschraubt

Die tägliche Trainingsarbeit und die Ergebnisse an den Wochenenden haben ihm vor Augen geführt, dass mehr Korrekturen vorgenommen werden müssen, als er zunächst vermutete. Er musste die Ansprüche an die Spieler runterschrauben und erhöhte gleichzeitig das eigene Arbeitspensum. Er trug viel Last auf den eigenen Schultern. So war er etwa stärker in die Suche nach neuen Spielern eingebunden, als dies bei seinem vormaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen der Fall gewesen war, wo die Scoutingabteilung weit größer ist. Zumal Union erst im Februar mit Helmut Schulte einen Sportdirektor engagierte. Dass sich in der Winterpause das 20-jährige Talent Carlos Gruezo vom VfB Stuttgart gegen Union und für den höher honorierten Job in der amerikanischen Liga entschied, war eine Enttäuschung. Wie auch, dass Christopher Lenz von Borussia Mönchengladbach erst im Sommer zu Union wechseln wird.

Bis Saisonende wird Assistent André Hofschneider das Training leiten – mit einer Sondergenehmigung, da er die A-Trainerlizenz erworben hat, den Fußballlehrerschein hingegen noch nicht. „Wir sind sehr traurig über das plötzliche Ende unserer Zusammenarbeit“, sagte Sport-Geschäftsführer Munack. „Schweren Herzens müssen wir jedoch erkennen, dass uns Umstände dazu zwingen, die nicht in unserer Hand liegen. Die Gesundheit von Sascha Lewandowski ist wichtiger als die Fortsetzung seiner Arbeit als Trainer bei uns.“