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Trainingslager 1. FC Union: Detlef Schneeweiß ist seit 16 Jahren der Mann für alle Fälle

Team-Betreuer Detlef Schneeweiß beim Einzug ins Hotel Oliva Nova Beach im Kreis seiner Lieben: Leonard Koch (l.) und Emanuel Pogatetz.

Team-Betreuer Detlef Schneeweiß beim Einzug ins Hotel Oliva Nova Beach im Kreis seiner Lieben: Leonard Koch (l.) und Emanuel Pogatetz.

Foto:

imago/Matthias Koch

Oliva Nova -

Detlef Schneeweiß weiß immer, wo er zu stehen hat. Auch an diesem Sonntagmorgen am Flughafen in Alicante. Da, wo das Reisegepäck wieder aus den Tiefen des Terminals nach oben auf das Ausgabeband gelangt, hat er sich platziert, achtet darauf, dass sich die großen Sporttaschen der Fußballprofis nicht ineinander verhaken; wuchtet die auflaufenden Kisten mit dem Logo des 1. FC Union der Reihe nach auf die Gepäckwagen. Später im Hotel wird er sich noch ums Einchecken kümmern, um die Ausstattung des Massageraums, im Endeffekt um all das, was es braucht, damit gut 40 Mann – Spieler, Trainer, Verantwortliche, Physiotherapeuten – samt Outfit und Trainingsgerätschaften von A (Berlin-Köpenick) nach B (Oliva Nova) kommen. Und natürlich ohne dass irgendetwas fehlt oder verloren geht. Denn Detlef Schneeweiß ist ein Meister der Logistik.

Erst am Nachmittag, kurz vor der ersten Trainingseinheit im Rahmen des einwöchigen Wintertrainingslagers, das für die Eisernen im Hinblick auf eine erfolgreiche Rückrunde ja so wichtig ist, nimmt sich der 65-Jährige einen Moment zum Verschnaufen. Reisetag ist für den Mannschaftsleiter der Eisernen eben Kampftag. Er sagt: „Die Trainingslager sind natürlich das Highlight Jahr für Jahr. Wir haben in den zwei Tagen zuvor jeweils elf Stunden gearbeitet, um alles vorzubereiten.“

Wie wird man Mannschaftsleiter?

Seit fast 17 Jahren ist Detlef Schneeweiß beim Berliner Zweitligisten der Mann für alle Fälle. Einer dieser stillen Männer im Hintergrund des Profigeschäfts, die alles, was die Profis ärgern könnte, von den Profis fernhalten. Die für den professionellen Rahmen verantwortlich sind – und manchmal auch für mehr. Seelenmassage etc. Sein Jobprofil hat Schneeweiß mal so beschrieben. „Der Mannschaftsleiter fängt das auf, was so anfällt. Es geht los – bei ausländischen Spielern zumindest – mit Formalitäten beim Einwohnermeldeamt, Schulanmeldungen für die Kinder der Spieler. Kindergartenplätze, Führerscheinangelegenheiten. Organisieren von Auswärtsspielen, Bus, Flüge, Hotels. Enger Kontakt zum Ausrüster, Bestellen der gesamten Ausstattung – und immer da sein, wenn die Spieler etwas haben wollen.“

Bei den „organisatorischen Sachen“, wie er nun sagt, habe er zuletzt aber auch von Nico Schäfer, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, Unterstützung erfahren. Es werde eben alles umfangreicher, sagt Schneeweiß: „Früher hatte ein Spieler ein rotes und ein blaues Trikot. Jetzt hat er zwei kurzärmelige und zwei langärmelige, und das auch noch in mehreren Farben.“

Aber wie wird man so etwas? Mannschaftsleiter? Nun, bei Detlef Schneeweiß ist die Antwort auf diese Frage etwas kompliziert. So kompliziert, dass sich damit ein ganzes Buch füllen ließe. Kurz und gut: Mathematik hat er studiert, war auch als Lehrer tätig. Als Schulleiter in Treptow, bis er im Jahr 1988 aus familiären Gründen nach Falkensee zog, dort aber nach der Wende alsbald damit konfrontiert wurde, dass man nur noch Unterricht für zwölf Stunden in der Woche für ihn habe, bei halbem Gehalt, versteht sich.

Vom Fan zum Traumjob

Keine Option für Schneeweiß! Den Vertrieb einer Berliner Zeitung hat er daraufhin sechs Jahre lang über eine von ihm gegründete Agentur geregelt, bis die Nachtarbeit einfach zu anstrengend wurde. Es folgte eine Lehre als Industriekaufmann, bis er im Frühjahr 1999 in der Berliner Fußballwoche auf eine Anzeige seines 1. FC Union gestoßen ist. Mannschaftsleiter und Zeugwart gesucht! Detlef Schneeweiß hat keine Sekunde gezögert. Er dachte sich: „Union-Fan bist du schon seit Jahrzehnten, versuchst du es einfach mal.“ Hinterher eröffnete ihm der damalige Präsident Heiner Bertram, dass sich 42 Männer um den Job beworben hätten.

Ein Traumjob? Dazu hat Schneeweiß schon mal Folgendes gesagt: „Viele beneiden mich um den Job, weil sie sagen, du bist nah an der Mannschaft. Du sitzt mit auf der Trainerbank und siehst die Spieler jeden Tag. Is’ dit schau! Ja klar, das hat was. Aber dass du jeden Tag zehn Stunden hier bist, manchmal an sieben Tagen in der Woche, sieht niemand.“ An den Kräften hat diese Arbeit gezehrt, so sehr, dass die 17. Saison mit Union auch seine letzte als Mannschaftsleiter sein soll. Ab 1. März ist Detlef Schneeweiß rentenberechtigt. Aber er bringt natürlich alles zu einem ordentlichen Ende. Der Klub ist informiert. Und danach? „Vielleicht arbeite ich bei Union dann ja auf Stundenbasis.“



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