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UnionBerlin

Union bei RB Leipzig: Pogatetz erwartet viel Arbeit

Emanuel Pogatetz

Emanuel Pogatetz würde auch gegen RB Leipzig gern wieder jubeln.

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imago/Contrast

Emanuel Pogatetz ist eigentlich niemand, der etwas gern dem Zufall überlässt. Mit einer souveränen Partie am vergangenen Sonntag gegen 1860 München hat der 33-jährige Routinier das eindrucksvoll unterstrichen. Am Sonnabend muss sich der besonnene Stratege allerdings auf das Glück und den Zufall verlassen. Beim Winter Casino Royal, bei dem er mit Maximilian Thiel und Steven Skrzybski sein Glück an diversen Spieltischen in der Schlosserei der Alten Försterei versuchen wird, findet er sich somit seit Langem in ungewohnter Position wieder.

In gewohnter Position in Unions Hintermannschaft erwartet ihn allerdings Freitagabend in Leipzig auch keine leichte Aufgabe. Der unangefochtene Tabellenführer wird auch für Unions Verteidigung ein Gradmesser. Auf Emanuel Pogatetz wird deutlich mehr Arbeit zukommen als noch bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für die Eisernen gegen 1860. Und obwohl der erfahrene Österreicher, der auf Einsätze im Uefa-Cup, in der Bundesliga und der Premier League zurückschauen kann, mit seinem Wechsel im Winter zu den Köpenickern anfangs schwer in Gang kam, fühlt er sich nun bereit für Größeres.

Als Verteidigungsanker gesetzt

„Ein Wechsel in der Winterpause ist nie einfach. Man muss sofort funktionieren. Die Mannschaft hat es mir aber von Anfang an leicht gemacht“, sagt er im Hinblick auf die verpassten Testspiele in der Vorbereitung. Nun ist er fit und in Sascha Lewandowskis Überlegungen als Anker der Verteidigung gesetzt. Dieses Vertrauen möchte er im restlichen Saisonverlauf zurückgeben – und denkt dabei sogar schon einen Schritt weiter.

„Ich hoffe, länger bei Union bleiben zu können, denn der Klub ist etwas Spezielles. Die Atmosphäre ist beeindruckend, und ich habe auch noch nirgends so eine starke Bindung zwischen Fans und Verein erlebt.“ 4300 eiserne Anhänger werden heute Abend den Weg ins Zentralstadion in Leipzig finden, dabei allerdings die ersten 15 Minuten des Spiels boykottieren, um ihren Unmut über den Projektfußball oder das Fußballprojekt RB auszudrücken.

Der Einstieg von Red Bull

Pogatetz hat ganz eigene Erinnerung, wie der Siegeslauf von Red Bull begann, angefangen in Österreich. Als der Getränkegigant 2005 bei Austria Salzburg einstieg und aus der Austria einen FC Red Bull machte, spielte der österreichische Nationalspieler gerade beim Grazer AK, wurde dort 2004 österreichischer Meister. „Ich habe die Entwicklung genau verfolg. Anfangs war mir und vielen gar nicht bewusst, wie radikal der Umbruch mit Red Bulls Einstieg für den Fußball werden würde. Und natürlich sehen viele Leute das zu Recht skeptisch, weil mit diesem Umbruch auch die gesamte Vereinshistorie von Austria ausgelöscht wurde“, sagt er. „Dennoch ist Red Bulls Engagement ein zweischneidiges Schwert. Vor allem das Geld, das in die Jugendleistungszentren geflossen ist, hat den österreichischen Fußball maßgeblich nach vorne gebracht. Das darf man nicht vergessen.“

Der deutsche Ableger des auf Erfolg getrimmten Projekts Red Bull aus Leipzig wird die deutsche Fußballlandschaft über kurz oder lang ebenso verändern, egal wie man dazu steht. Dass Pogatetz mit dem 1. FC Union nun mit einer Art Vereins-Gegenentwurf antritt, ist nicht nur etwas für Traditionalisten und Fußballromantiker. Denn tatsächlich muss sich Union vor dem Gegner nicht verstecken. In der Rückrundentabelle stehen die Köpenicker auf dem ersten Platz, Leipzig auf dem vierten, auch wenn beide in dieser speziellen Übersicht nur ein Punkt trennt.

Zudem bietet Leipzig nicht die Torfabrik, die man von einem Tabellenführer erwarten könnte. Der Kader ist aufgrund massiver Investitionen namhaft bestückt. Dass Leipzig am Ende aufsteigt, bezweifelt nicht einmal Pogatetz. Weniger kämpferisch macht ihn das nicht. „Fußball ist immer ein finanzielles Ungleichgewicht. Es ist auch ein großer Reiz, dass eine Mannschaft wie wir dort Punkte mitnehmen können. Und wir wollen Punkte mitnehmen. Wir haben keine Angst.“

Alles auf Rot

Denn Pogatetz stellt Vorbereitung und Souveränität über das Glück und den Zufall. Nur am Sonnabend wird er am Roulettetisch mit Fans und Sponsoren eine Ausnahme machen müssen. Doch selbst da hat er bereits eine Strategie. „Ich wollte mich eigentlich auf mein Gefühl verlassen, aber da ich jetzt Unioner bin, werde ich wohl auf Rot setzen.“