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Berliner Zeitung | Union Berlin gegen 1860 München: Union zittert – und siegt am Ende klar
14. February 2016
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Union Berlin gegen 1860 München: Union zittert – und siegt am Ende klar

Jubel beim 1. FC Union Berlin (14.02.2016).

Jubel beim 1. FC Union Berlin (14.02.2016).

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dpa

Im Fußball braucht es manchmal nur den einen lichten Moment, um aus einer mittelmäßigen Mannschaft eine gute Mannschaft zu machen. Eine Mannschaft, die   plötzlich − zumindest annäherungsweise − so spielt, wie der Trainer das auf seiner Taktiktafel vorempfunden hat. Die trotz widriger Platzverhältnisse den Ball durch die eigenen Reihen  laufen lässt und aus diesem sicheren Passspiel heraus immer wieder zu Torchancen kommt.

Dieser eine lichte Moment wurde dem 1. FC Union Berlin am Sonntagnachmittag beim Heimspiel gegen den TSV 1860 München von einem Winterzugang gegeben, von Felix Kroos, der in der sechsten Spielminute  mitten in der gegnerischen Hälfte einen weiten Einwurf von Fabian Schönheim mit in die Vorwärtsbewegung nahm, den Münchner Abwehrchef Jan Mauersberger mit einem Beinschuss düpierte, um mit einem überlegten Rechtsschuss aus 16 Metern die Führung zu erzielen.

Dass die Köpenicker beim 3:0 (1:0) vor 18.832 Zuschauern im Stadion an der  Alten Försterei bis zur späten Vorentscheidung durch Bobby Wood  zittern mussten, lag a) an der mangelhaften Chancenverwertung und b) an den Nachlässigkeiten in der Defensive, die sich gegen Ende der Partie infolge eines Kräfte- und Konzentrationsverlustes häuften.

Dass Felix Kroos, 24, ein Gewinn für die Köpenicker sein könnte, war abzusehen, denn an sich ist der jüngere Bruder von Weltmeister Toni Kroos für einen Job in der zweiten  Liga eigentlich  überqualifiziert. Überraschend ist allerdings schon, wie schnell sich der gebürtige Greifswalder in das Spiel der Eisernen eingefügt hat. Womöglich war es bei der Eingewöhnung eben von Vorteil, dass Lewandowskis Trainingslehre auf Bundesligafußball ausgerichtet ist. 

Dank an Busk

Kroos besetzt instinktiv die Freiräume, um als Mittler zwischen Angriff und Abwehr aktiv zu werden. Und er hat die Spielintelligenz, um dem Ganzen auch eine Struktur zu geben.  Schweren Herzens musste ihn Lewandowski schon zum Seitenwechsel durch Stephan Fürstner ersetzen, die Muskelprobleme bei Kroos sollen allerdings nicht allzu schwerwiegend sein.

Als Matchwinner durfte sich auch Jakob Busk fühlen, wenngleich der in der Winterpause verpflichtete Torhüter wie schon beim 2:2 in Kaiserslautern mitunter etwas unsicher wirkte und in der ersten Hälfte Glück hatte, dass drei Minuten vor der Pause ein  Schuss von Levent Aycicek von seinem Unterarm nicht ins Tor, sondern an den Pfosten flutschte. In der 79. Minute  ebnete  der Däne seinem Team  aber mit einer prächtigen Parade im Eins-gegen-Eins gegen Rubin Okotie  den Weg zum Dreipunkteerfolg. „Wir müssen uns heute bei unserem Torhüter bedanken, denn nach dem 1:1 wäre es für uns bestimmt noch einmal eng geworden“, sagte Union-Kapitän Benjamin Kessel.

Im Anschluss an einen Eckball, den Busk mit seiner Tat verursacht hatte, kam der Ball jedenfalls zum eingewechselten Michael Parensen, der mit einem perfekt getimten Pass den formstarken Wood in ein Laufduell mit einem Münchner Abwehrspieler schickte. Wood spielte seine enorme Grundschnelligkeit aus, blieb auf dem immer schwerer bespielbaren Untergrund in der Balance und erzielte mit einem Linksschuss das 2:0. Es war der neunte Saisontreffer des US-Amerikaners, der seine ehemaligen Teamgefährten wiederholt in Verlegenheit brachte, aber auch zwei Mal aus aussichtsreicher Position an Keeper Stefan Ortega scheiterte. Das 3:0 durch Damir Kreilach (80.) war dann nur noch die logische Konsequenz aus dem nachlassenden Siegesglauben der Gäste.

Verschärfte Personallage

Was Lewandowski an diesem nasskalten Fußballsonntag nicht gefallen haben kann, ist zum einen die Tatsache, dass sich die Personallage durch die Verletzungen von Fabian Schönheim  und Toni Leistner extrem  verschärft hat. Beide mussten mit Muskelverletzungen den Platz verlassen, bei beiden stand am Abend eine eindeutige Diagnose aber noch aus.

Zum anderen, dass sein Team gegen Ende der Partie plötzlich auch wieder gern mal fern seiner Trainingslehre agierte. Womöglich wegen der personellen Rochaden, womöglich aber auch, weil ein lichter Moment  oftmals nur der Anfang ist. „Was mir in der zweiten Hälfte gefallen hat, war, wie meine Mannschaft auf die verletzungsbedingten Ausfälle reagiert hat. Wir sind immer wieder selbst aktiv geworden“, sagte Lewandowski.