blz_logo12,9
UnionBerlin
Berliner Zeitung | Union Berlin gegen Kaiserslautern: Negativ überrascht
07. February 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23536782
©

Union Berlin gegen Kaiserslautern: Negativ überrascht

Versöhnlicher Moment am Ende eines wenig vielversprechenden Arbeitstages: Bobby Wood erzielt in Kaiserslautern das 2:2.

Versöhnlicher Moment am Ende eines wenig vielversprechenden Arbeitstages: Bobby Wood erzielt in Kaiserslautern das 2:2.

Foto:

imago/Jan Huebner

Kaiserslautern -

Sascha Lewandowski redete nicht schön, was sich nach dem 2:2 in Kaiserslautern so versöhnlich hätte anfühlen können für den 1. FC Union Berlin. Klar, die „tolle Moral“ seiner Mannschaft stellte auch der Union-Trainer heraus. Bis zur 76. Minute lagen die Köpenicker in der Pfalz schließlich noch 0:2 zurück, und eine erfolgreiche Aufholjagd ist immer gut fürs Selbstvertrauen. Aber insgesamt, so Lewandowskis Urteil, sei er von der Leistung seiner Mannschaft auf dem Betzenberg über weite Strecken des Spiels doch „negativ überrascht“.

Seine Elf stand 30 Minuten lang stabil in der Defensive, bevor sie der Rückstand durch Ruben Jensens Kopfballtor (34.) nachhaltig ins Wackeln brachte. Und hätte Lauterns Linksfuß Marcel Gaus, nachdem er vor der Pause noch das 2:0 für den FCK erzielt hatte, kurz nach dem Wiederanpfiff den Ball nicht an die Latte des gegnerischen Gehäuses sondern zum 3:0 ins Netz gedroschen, Union wäre wohl als Verlierer nach Hause gefahren. Nach dem Anschlusstor durch einen Kopfball von Fabian Schönheim (76.) aber wackelten plötzlich die Gastgeber, und Bobby Wood nutzte deren Schwäche mit einem spektakulären Dribbling zu seinem achten Saisontreffer und dem Ausgleich (86.). „Moral und Power waren gut“, bilanzierte also Lewandowski: „Aber darüber hinaus war Vieles doch recht dünn.“

Zum Pflichtspielauftakt 2016 lieferte Union keine Leistung, die eine Aufbruchsstimmung für die verbleibenden 14 Saisonspiele entfachen könnte. Es ist immer schwer, nach einer kurzen Winterpause wieder in den Rhythmus zu kommen, aber wenn nicht alles täuscht, bleibt in der Pfalz wie an der Alten Försterei Mittelmaß das Maß aller Dinge, auch in dieser Rückrunde. Zumal das Verletzungspech den Berlinern treu bleibt: Im Abschlusstraining hatte sich Raffel Korte mit Verdacht auf Kreuzbandriss abgemeldet. Stürmer Steven Skrzybski blieb in der Halbzeit in der Kabine, weil er sich die Schulter ausgekugelt hatte. Die genaue Diagnose erfolgt am Montag, wie auch die Entscheidung über die Behandlung der laut Teamarzt „komplexen Knieverletzung“ von Korte .

Auch die Pflichtspiel-Debüts der Winterzugänge geben keinen Anlass zur gesteigerten Freude. Innenverteidiger Emanuel Pogatetz beobachte das Geschehen 90 Minuten von der Ersatzbank aus. Im Mittelfeld setzte Felix Kroos kaum Akzente, weil er zu sehr mit Defensivarbeiten beschäftigt war. So blieb die auffälligste Szene des ehemaligen Bremers jener Eckball, der Schönheims Anschlusstreffer vorausgegangen war. „Wir haben den Gegner selbst stark gemacht“, gab Kroos dann auch kritisch zu, wollte aber nicht alles an diesem Abend schlecht bewertet wissen: „Wer nach einem 0:2 zurückkommt, muss am Ende zufrieden sein“, stellte er ebenso klar, wie den Umstand, dass seine Wadenverletzung ihn nicht behindert habe.

Wer das Positive an der Leistung von Torhüter Jakob Busk bei seinem Pflichtspieldebüt hervorheben will, darf sagen: Ohne seine spektakuläre Parade bei einem Kopfball des ehemaligen Union-Profis Markus Karl (55.), wäre seine Mannschaft noch höher in Rückstand geraten. Andererseits wirkte der Däne alles andere als souverän. Beim 0:1 zögerte er nach einer Flanke von Jean Zimmer beim Herauslaufen und war damit ebenso am Rückstand beteiligt wie Benjamin Kessel, der Ruben Jensen am langen Pfosten hatte unbedrängt einköpfen lassen.

Lewandowski hatte dem 22 Jahre jungen Busk den Vorzug vor Daniel Haas gegeben, weil ihm in der Vorbereitung „das Gesamtpaket“ des Dänen einfach „einen Tick besser“ gefallen habe. Wobei: Busk war ja auch deshalb nach einem Probetraining vom FC Kopenhagen verpflichtet worden, weil Lewandowski Haas in der Vorrunde Schwächen in der Strafraumbeherrschung und bei Abschlägen mit dem Fuß attestiert hatte. Gerade in diesen Bereichen wirkte auch Busk am Freitag im Fritz-Walter-Stadion nicht wie ein Meister seines Faches. Dass er bei seiner ersten Aktion in der neunten Minute slapstickartig nach einer Rückgabe von Schönheim den Ball nicht richtig getroffen hatte − geschenkt. Auch Lewandowski hatte die Schwächen seines jungen Keepers natürlich gesehen und sagte: „Er kann sicher besser spielen.“

Das gilt für die ganze Mannschaft von Union, die am kommenden Sonntag im Heimspiel auf 1860 München trifft. „Das wird ein geiles Spiel“, glaubt Benjamin Kessel und weiß auch schon, was das Ziel ist: „Wir wollen uns mit einem Sieg weiter von unten absetzen.“ Der Blick nach oben ist bei Union derzeit wahrlich nicht angebracht.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?