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Union Berlin im Trainingslager: Eroll Zejnullahu – der Verbinder

Durchsetzungsfähig im Zweikampf: Eroll Zejnullahu.

Durchsetzungsfähig im Zweikampf: Eroll Zejnullahu.

Foto:

imago/Sebastian Wells

Oliva Nova -

Ganz vorsichtig will er sein. Wie inzwischen fast alle Profis, wenn ihnen die Reporter zu Leibe rücken. Doch im Gegensatz zu dem ein oder anderen Kollegen entwickelt sich bei Eroll Zejnullahu aus dieser Vorsicht keine Distanz. Nein, der Mittelfeldspieler schafft es trotz dieser Abwehrstrategie, charmant zu wirken. Welches Buch er denn dieses Mal mit ins Trainingslager des 1. FC Union an die Costa Blanca mitgenommen habe, lautet eine der Fragen. Ein Buch, das er schon mal zu lesen begonnen habe, setzt er an. Der Titel? Komm schon, raus damit! Er grinst. Er sagt: „Nee, das sage ich nicht. Nur, dass es ein Buch über einen großen Fußballer ist.“ Er weiß schon: Man könnte von dem großen Fußballer auf seine Träume und damit natürlich auf seine ambitionierten Ziele schließen.

In diesem Moment marschiert sein Trainer, Sascha Lewandowski, an der kleinen Presserunde vorbei. Mit einem ernsten Blick, der allerdings nur dazu da ist, den lockeren Spruch, den er im Sinn hat, zu befördern. Jetzt lässt er ihn raus: „Ihr könnt ja mal über seine heutige Trainingsleistung sprechen.“ Und macht sich grinsend Richtung Aufzug davon.

Offensichtliche Qualität

Warum Lewandowski so große Stücke auf Eroll Zejnullahu hält, ist bei jeder Trainingseinheit auf dem feinen Naturrasen in Oliva Nova offensichtlich: Zejnullahu ist als einer der wenigen im Kader der Köpenicker in der Lage, die Theorie des Trainers, die ja an sich auf Bundesligafußball ausgerichtet ist, in die Praxis umzusetzen. Er beginnt nicht erst zu denken, wenn er den Ball erhält, er denkt voraus, was für einen, der zwischen Abwehr und Mittelfeld den Verbinder geben soll, im Jahr 2016 an sich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Auch in der Zweiten Liga. Er lässt Kompliziertes einfach aussehen, bringt mit seinen Pässen Mitspieler nicht in Bedrängnis, sondern vermittelt ihnen damit eine klare Botschaft. Dahin. Dorthin. Eroll Zejnullah ist in der Lage zu führen. In der Lage, mit seinen Ideen Spiele für den Zweitligisten zu entscheiden. Und das mit gerade mal 21 Jahren.

Umgekehrt ist auch Lewandowski für den Jungen mit den kosovarischen Wurzeln ein Glücksfall. Und das nicht nur, weil er, wie soeben im Foyer des Mannschaftshotels bewiesen, „immer einen guten Spruch drauf hat“. Symbiose nennt man so etwas in der Welt der Pflanzen. Der Fußballlehrer aus dem Westen des Landes verfeinere mit Videoschulung und klarer Ansage sein Spiel, erzählt Zejnullahu: „Ich spiele jetzt viel öfter nach vorne. Früher hab ich den Ball viel zu oft nach hinten prallen lassen. Hab mich nicht aufgedreht, obwohl niemand hinter mir war. Das ist schon ein Punkt, an dem ich merke, dass er mein Spiel verändert hat.“ Trial and error, heißt die Devise, mach Fehler, damit du vorankommst, wenngleich sich Zejnullahu nicht sicher ist, wie viele es in der doch etwas angespannten Situation beim 1. FC Union letztlich sein dürfen. „Da müssen Sie den Trainer fragen.“

Knuddeleinheiten unter Kontrahenten

Da schauen wir lieber auf die Reaktion seines direkten Konkurrenten auf der Position des sogenannten Sechsers. Auf die Reaktion von Stephan Fürstner, der im Sommer des vergangenen Jahres nach Berlin gekommen war, um die zentrale Figur im Spiel der Eisernen zu werden. Noch bevor Zejnullahu im Kreis der Journalisten ein Wort gesagt hatte, war der ehemalige Fürther nämlich schnurstracks auf seinen jungen Kollegen zugegangen. Er knuddelte ihn an sich, ganz herzlich, flüsterte ihm etwas ins Ohr, was natürlich total geheim ist. „Klar ist er mein Konkurrent. Aber wir verstehen uns einfach auch gut. Er drückt mir die Daumen.“ Er respektiert ihn.