blz_logo12,9
UnionBerlin

Union Berlin will das Duell der Enttäuschten gewinnen

Union mSV

In Duisburg gab es für Union um Kapitän Benjamin Kessel (rechts stehend) nur eine Ladung Frust zu holen.

Foto:

imago/Matthias Koch

Als Sören Brandy im Hinspiel in Braunschweig von Eintracht-Schlussmann Rafał Gikiewicz im Strafraum von den Beinen geholt wurde, musste Benjamin Kessel nicht lange überlegen: Er schnappte sich den Ball und schob souverän zum zwischenzeitlichen Ausgleich ein – mit besten Grüßen an seinen früheren Arbeitgeber.

Heute wird Kessel, der im Sommer ablösefrei an die Wuhle wechselte, seine 23. Partie für die Eisernen bestreiten und zum zweiten Mal im rot-weißen Trikot auf Eintracht Braunschweig treffen. Auch da will er es seinem ehemaligen Klub wieder so schwer wie möglich machen und diesmal nicht als Verlierer vom Platz gehen – wie noch beim Hinspiel.

Das Verlieren wurmte ihn bereits am vergangenen Sonnabend bei der unnötigen Niederlage beim Tabellenletzten MSV Duisburg. Wie kein anderer Unioner sprach er deutlich aus, wie sehr ihn diese vertane Chance ärgerte. Kessel ist auf dem Platz ein Arbeiter, der nicht viel drumherum redet. Seine Präsenz auf dem Rasen veranlasste Sascha Lewandowski drei Wochen nach dem Braunschweig-Spiel, Damir Kreilach von der Bürde der Kapitänsbinde zu befreien und sie stattdessen Kessel überzustreifen. Der zahlte ihm das Vertrauen zurück und avancierte zu einem der sichersten und vor allem auch torgefährlichsten Außenverteidiger der Zweiten Liga.

Der Reservist

Der andere frühere Braunschweiger in den Reihen der Unioner, Raffael Korte, kam beim Hinspiel in den letzten acht Minuten zum Einsatz und konnte das Blatt nicht mehr wenden. Beim heutigen Rückspiel wird er fehlen. Damit erzählt er die andere Geschichte des 1. FC Union in dieser Saison, wenn auch unfreiwillig. Die begann damit, dass er mit neuem Verein und neuem Ziel noch einmal Vollgas geben wolle, wie er damals sagte. Doch ausgerechnet in der heißen Phase der Sommervorbereitung zog Korte sich einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu. In der Folge blieb Korte, der aus Braunschweig wegging, weil er das Reservistendasein fürchtete, oftmals nicht mehr als − die Reservistenrolle. Korte nahm es sportlich-ehrgeizig. Er, der nie ein Jugendleistungszentrum durchlaufen hat, kämpfte sich zurück.

Beim Heimspiel gegen Sandhausen, kurz vor Weihnachten, zeigte er seine beste Saisonleistung: kreativ, dribbelstark und passgenau, vielleicht etwas zu langsam, um ihn eine ernsthafte Alternative für die Außenbahn werden zu lassen. Dennoch schien es, als wäre er nun endgültig angekommen und könnte nach der Winterpause ernsthafte Verstärkung sein. Allein: Vor dem Spiel gegen Kaiserslautern erlitt Korte einen Riss im vorderen Kreuzband. Dass er in dieser Saison noch einmal für die Eisernen auflaufen wird, ist unwahrscheinlich.

Partie der Enttäuschten

Aus vielerlei Gründen beschreibt Union-Trainer André Hofschneider das Spiel gegen Braunschweig als Partie der Enttäuschten. Es ist das Aufeinandertreffen der Vereine, die mit großen Zielen gestartet sind und sich nun in ungeliebten Tabellenregionen wiederfinden. Aus Union-Sicht ist es vielleicht auch die Geschichte von Benjamin Kessel und Raffael Korte, die auch privat gut befreundet sind. Für Freitagabend gibt es zumindest für Benjamin Kessel eine kleine Gewissheit: Sollte Union einen Elfmeter zugesprochen bekommen, ist sein Selbstbewusstsein nicht mehr gefragt. Vom Punkt tritt Bobby Wood an.