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Union-Verteidiger Fabian Schönheim: „Der Weg ist vorbestimmt“

Haare machen Leute: Heute favorisiert Fabian Schönheim den Köpenicker Stirnfranselschnitt.

Haare machen Leute: Heute favorisiert Fabian Schönheim den Köpenicker Stirnfranselschnitt.

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Fabian Schönheim war ein herausragendes Talent in einem äußerst talentierten Jahrgang. Schon mit 18 Jahren wurde er beim 1. FC Kaiserslautern Stammspieler in der Bundesliga, er fuhr schnelle Autos und traf sich mit den falschen Leuten. Das Team stieg ab, Schönheim verlor seinen Platz. Acht Jahre später ist er zum Abwehrchef des 1. FC Union gereift und will Freitgabend gegen Sandhausen (18.30 Uhr, Alte Försterei) den nächsten kleinen Schritt zurück in Richtung Bundesliga gehen. In einem Kleinstwagen rollt der 1,91 Meter große Abwehrspieler vor die Haupttribüne, tippt noch ein paar Nachrichten in sein Handy und steigt dann mit wohlfrisierter Haarpracht aus dem Auto.

Herr Schönheim, Torhüter Daniel Haas sagte nach dem Sieg in Paderborn, dass Sie derjenige seien, der der Union-Abwehr Stabilität verleiht.

Na ja, ein bisschen zur Stabilität beigetragen habe ich, aber es ist mir noch nicht genug. Ich würde mir weniger Gegentore wünschen. Ich glaube, die Tore, die wir zu Hause bekommen, sind ein Stück weit dem Offensivfußball geschuldet. Wir wollen den Zuschauern was bieten. Dadurch stehen wir hinten offener.

Zwölf Gegentreffer hat Union bereits kassiert. Aber immerhin hat die Mannschaft auswärts drei Mal zu null gespielt. Wie ist das gelungen?

Für uns ist es hilfreich, dass wir jetzt mit zwei Sechsern spielen. Das System tut uns gut. Außerdem haben wir viel Ballbesitzzeit – mit die meiste in der Liga. Das kommt mir entgegen, weil ich gerne von hinten raus Fußball spiele.

Sie wurden schon einmal dafür gelobt, einer wackeligen Abwehr Stabilität zu verleihen. Sie waren 18 Jahre und der 1. FC Kaiserslautern steckte im Bundesligaabstiegskampf. Waren Sie frühreif?

Nein, ich war einfach unbekümmert. Als Jugendspieler bin ich einmal zum Profitraining berufen worden. Ich bin da einfach rein und habe wenig von mir erwartet. Ich dachte, dass das noch so weit weg ist und dass ich eigentlich nichts falsch machen kann. Damit bin ich gut gefahren.

Dennoch folgten der Abstieg und ein persönlicher Karriereknick. Warum?

Zum einen hatte ich mit falschen Leuten zu tun. Dazu kam ein bisschen zu viel Selbstsicherheit, dass es so weitergeht, wie es in der Bundesliga gelaufen ist. Damals habe ich das anders eingeschätzt, aber wenn man erwachsener wird, merkt man, dass vieles an einem selbst gelegen hat und man vieles in die falsche Richtung hat laufen lassen.

Zum Beispiel?

Wenn man jung ist und so schnell hochkommt, kommen viele Leute auf einen zu – die berühmten Schulterklopfer. Die sagen, dass sie einem weiterhelfen können. Da waren sehr, sehr viele. Ich habe zwar ein sehr gutes Elternhaus, das mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt halt. Aber ich habe in Kaiserslautern mit Daniel Halfar alleine gewohnt, und meine Eltern hatten dann doch nicht mehr so den Einfluss auf mich.

Was war das Problem?

Kaiserslautern ist ein Dorf. Daniel und ich waren oft abends mit verschiedenen Spielern unterwegs, die uns immer mitgeschleppt haben. Irgendwann kommst du in die Schublade, dass du deinen Beruf nicht wirklich als Beruf auffasst. Das hat sich nach meinem Abschied sehr schnell geändert. Mir wurde es in Kaiserslautern zu leicht gemacht.

Hätte es anders laufen können?

Manche ältere Spieler haben versucht, mich zu pushen und mir gut zuzureden. Christian Nerlinger (damals Spieler in Kaiserslautern, d. Red.) hat immer gesagt: Du musst mehr machen! Damals habe ich gedacht, dass ich noch so viel Zeit habe. Aber jetzt ärgere mich, dass ich nicht auf seine Worte gehört habe. Aber ich glaube auch, dass der Weg vorbestimmt ist. Sonst wäre ich jetzt vielleicht nicht bei Union. Ich bin reifer geworden.

Ihr Mitspieler hier haben Sie in den Mannschaftsrat gewählt, obwohl andere erfahrener und älter sind.

Auf der einen Seite freut mich das ungemein, auf der anderen ist es natürlich Druck für mich, den ich mir aber gerne auferlege. Ich glaube, an Herausforderungen kann man wachsen. Meine Erwartungshaltung an mich selbst steigt, weil ich ein gewisses Standing in der Mannschaft habe.

In der Abwehr haben Sie die Chefrolle übernommen, die eigentlich Mario Eggimann zugedacht war.

Das kommt von alleine. Als sein Nebenmann wollte ich meinen Teil beitragen. Für ihn ist es bitter, dass er sich verletzt hat. Aber in Roberto Puncec und Christian Stuff haben wir zwei, die ihn gut ersetzt haben.

Und was ist Ihre Aufgabe?

Auf dem Platz ist es aufgrund der Lautstärke schwierig zu coachen. Aber im Training, wenn es darum geht, den jüngeren Spielern zu helfen, gilt es, den Mund aufzumachen. Aber wenn Eggi sagt, wie ich etwas besser machen kann, nehme ich das auch gerne an.

Hat denn Ihre veränderte Frisur zur Leistungsentwicklung beigetragen?

Wieso verändert?

Die alten Autogrammkarten ...

Um Gottes willen. So viel zum Thema falsche Berater.

Haben Ihre Trainer gefordert, dass die Matte vom Kopf muss?

Nein. Wenn ich die Bilder sehe, muss ich schmunzeln. Meine Frau zieht mich damit auf. Da wird man erwachsener und sieht ein, dass das schwierig war mit der Frisur.

Trotz Kurzhaarschnitt sehen Sie auf dem Platz nicht alles. Sie sind ein Fan der Videoanalyse. Was macht Union jetzt besser als zuvor?

Wir haben gar nichts groß anders gemacht, aber im Vergleich zum letzten Jahr sind wir ein Stück erfahrener. Das sieht man an Spielen, in denen du nicht gut spielst und trotzdem gewinnst. Das zeigt die Qualität der Mannschaft, und dass es in die richtige Richtung geht. Als Vergleich muss man Braunschweig nehmen. Die waren letzte Saison nicht überragend, aber haben solche Spiele kontinuierlich gewonnen.

Geht es für Sie im kommenden Jahr also zurück auf Los?

Wir haben einen kleinen Teil der Saison geschafft und stehen ordentlich mit Punkten da. Wenn wir den Schnitt halten können, sieht es ganz gut aus. Aber jetzt schon zu sagen, ob es nach oben geht … – für mich gilt es, die Bescheidenheit beizubehalten. Wenn wir nach 25 Spieltagen immer noch da stehen, können wir noch einmal drüber reden.

Der heutige Gegner ist letzte Saison sportlich abgestiegen und blieb nur dank Duisburgs Lizenzentzug in der Liga. Eine einfache Aufgabe?

Sandhausen hat diese Saison gezeigt, dass sie für Überraschungen gut sind. Das wird absolut ein schweres Spiel. Es braucht keiner zu erwarten, dass wir Sandhausen aus dem Stadion schießen.

Das Gespräch führte Max Bosse.