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Verletzungen beim 1. FC Union Berlin sind kein Zufall

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Neuzugang Felix Kroos deutetet seine Klasse sofort an, jetzt ist er verletzt.

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imago/Matthias Koch

Am Mittwochmorgen wurde an der Alten Försterei individuell trainiert. Hämisch könnte angemerkt werden: Der 1. FC Union musste individuell trainieren, da für eine Mannschaftseinheit nicht genug Fußballer zur Verfügung standen. Doch Häme sind grundsätzlich unangebracht, zumal wenn es um menschliches Leid geht. Felix Kroos, Fabian Schönheim und Maximilian Thiel fallen aufgrund von Muskelverletzungen am Sonnabend (13 Uhr) für die Partie beim MSV Duisburg aus. Die drei neuerlichen Fälle offenbaren, dass hinter der Häufung muskulärer Probleme – bei zwei von drei Verletzungen, die den Einsatz von Union-Spielern in dieser Saison verhinderten, waren oder sind Muskeln betroffen – ein Muster stecken könnte.

Die Ursachen von Zerrungen und Muskelfaserrissen liegen in intensiver Beanspruchung, die mit Erschöpfung und unzureichender Sauerstoff- und Flüssigkeitszufuhr einhergeht. Mangelhafte Grundlagenausdauer und schlechtes Erwärmen erhöhen das Risiko, dass es bei ruckartigen Bewegung zur Überdehnung des Muskels kommt. Das ist beileibe kein Köpenicker Phänomen. In etwa einem Drittel der Fußballerverletzungen handelt es sich um gezerrte oder gerissene Muskeln, zumeist ist der Oberschenkel betroffen. Tendenz ansteigend.

Bei Union kann man in dieser Saison neun derartige Fälle zählen. Nicht außergewöhnlich findet der verantwortliche Cheftrainer André Hofschneider. „Wenn es einen selber trifft, fängt man an rumzustöhnen“, sagt er und verweist auf den FC Bayern. Tatsächlich sind beim deutschen Rekordmeister und anderen europäischen Topklubs wie dem FC Barcelona, Real Madrid oder Paris St. Germain die muskulär bedingten Ausfallzahlen noch höher – die Belastungen wegen der Champions League allerdings auch.

Vor allem fällt bei den Berlinern ins Auge, dass die immer gleichen Spieler betroffen sind, was darauf hinweist, dass Verletzungen nicht ausreichend auskuriert werden oder Fehlbelastungen provoziert werden. Die erste Verletzungswelle trat im September auf, die zweite folgte nun im Februar und März. Beispiel Maximilian Thiel: Der Mittelfeldspieler, der ein laufintensives Spiel mit explosiven Bewegungen pflegt, pausierte im September wegen Muskelfaserriss. Mitte Februar verletzte er sich erneut und gerade als er in den Kader zurückgekehrt war, traten die Probleme im lädierten hinteren rechten Oberschenkel wieder auf. Es ist nicht auszuschließen, dass die Verletzung aus dem Trainingslager im Januar herrührt, als er in einem Vorbereitungsspiel zusammensackte, aber weiter spielte. Hofschneider weiß um das Problem, wenn sich Spieler gesund fühlen, aber noch nicht fit sind. Gebremst wurde der ehrgeizige Thiel anscheinend aber nicht.

Auch bei Schönheim ist es der dritte Ausfall. Im Herbst fehlte er drei Monate, im Februar drei Wochen. In der Vorwoche gab er sein Comeback. Hintergrund ist der Mangel an Alternativen für die linke Abwehrseite. Der dort eingesetzte Allzweckspieler Michael Parensen wird, wie die Partie gegen Frankfurt zeigte, offensichtlich noch auf anderen Positionen gebraucht.

Ursachenforschung

Am schwersten wiegt der Ausfall von Kroos. „Felix ist in dem Kader nicht eins zu eins zu ersetzen, weil er ein besonderer Spieler ist“, sagt Hofschneider. „Deshalb haben wir ihn geholt.“ Das erklärt vielleicht, weshalb er jetzt mehrere Wochen pausieren muss. Auch bei ihm gibt es eine Vorgeschichte: Vor Rückrundenbeginn zwickte die Wade, Kroos spielte trotzdem. Gegen 1860 traten muskuläre Probleme im Oberschenkel auf, am Wochenende darauf lief der Unersetzliche wieder auf. Gegen Frankfurt wurde die Belastung dann zu groß. Aus Union-Sicht ist da zu hoffen, dass Verteidiger Toni Leistner gegen Duisburg nach zwei Muskelfaserrissen (Oktober und Februar) nicht zu früh wieder zur Verfügung steht.

Als einer von wenigen Vereinen in Deutschland setzen Unions Physiotherapeuten die Nadeltherapie Dry Needling ein. Sie habe geholfen, die häufig auftretenden Schambeinprobleme der Vorsaison einzuschränken, hatte Reha-Trainer Hendrik Schreiber erklärt. Gegen die Oberschenkelbeschwerden hilft sie anscheinend nicht. „Wir sind auf der Suche, woran es liegt“, sagt Hofschneider. „Wir hatten in den letzten Jahren sehr wenige Muskelverletzte.“ Für die Ursachenforschung ist er geeignet, da er als Assistent von Uwe Neuhaus, Norbert Düwel und Sascha Lewandowski beobachten konnte, wie sich Trainingsschwerpunkte verschoben haben. Unter Düwel verschwanden beispielsweise Dauerläufe aus dem Programm, er setzte auf Schnellkraft. Auch bei Lewandowski dominierten spielerische Übungen.



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