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Verletzungen in der Bundesliga: Bayernspieler fallen am häufigsten aus, Darmstadt 98 stellt fitteste Kicker

Krücke statt Spielfeld: Nach einer Verletzung müssen Bundesligaspieler oft wochenlang pausieren.

Krücke statt Spielfeld: Nach einer Verletzung müssen Bundesligaspieler oft wochenlang pausieren.

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imago/blickwinkel

Dauerregen. Durchgeweichte Plätze. Knöcheltiefes Wasser. Das sind die Bedingungen, die die Profis des SV Darmstadt 98 zur Ankunft an der türkischen Riviera vorfanden. Als erster Bundesligist nahmen die Lilien bereits am vergangenen Sonnabend die Arbeit wieder auf, um tags darauf das obligatorische Trainingslager in Lara nahe Antalya zu beziehen. Der Frühstart für die Rückrunde besitzt Symbolcharakter, denn nach der Hinrunde führt der Neuling zumindest ein Ranking an: Niemand hatte so wenige Verletzte wie die Lilien.

Bayern hat die meisten Ausfälle

Die Internetseite www.fussballverletzungen.com listet akribisch alle Verletzungen der Bundesligisten auf – und erstellt eine Tabelle, die sich aus den Ausfalltagen pro Spieler ergibt. Umgerechnet auf die Kadergröße. Weniger als acht Ausfalltage sind es in Darmstadt – bereits der Zweite Hoffenheim kommt auf doppelt so viele. Die meisten Ausfälle verzeichneten der FC Bayern (durchschnittlich 30 Ausfalltage), Hertha BSC (33) und Schalke 04 (34).

„Ich glaube nicht an schlechtes Karma, Schicksal oder göttliche Wesen, die für die Verletzungen verantwortlich sind. Tatsächlich kann man sehr viel auf falsche Trainingsmethoden, Überlastung und mangelhafte ärztliche Behandlung zurückführen“, schreibt der Macher der Internetseite, Fabian Siegel, der Darmstadt „sensationelle Werte“ zuschreibt. Die Führungsposition des Emporkömmlings sei gewiss kein Zufall.

In der Sportärztezeitung erklärte Trainer Dirk Schuster die erfolgreiche Verletzungsprophylaxe als ein Geheimnis des Erfolgs. „Das Thema Verletzungen hängt natürlich immer auch ein wenig mit Glück und Pech zusammen. Für uns in Darmstadt ist Prophylaxe ein Riesen-Thema. Die Steuerung von Belastung und Erholung hat oberste Priorität.“ Um Überbelastungen zu vermeiden, kommuniziere er sehr viel mit den Spielern. „Ohne Ehrlichkeit funktioniert es nicht.“ Motto: Bloß kein falscher Ehrgeiz. Credo: Lieber ein Spiel länger schonen als sich lange verletzen.

Mit dem Profi in den Supermarkt

Entscheidender Vorteil am Böllenfalltor: Bei 20 hauptamtlichen Mitarbeitern fallen die Eitelkeiten einzelner Abteilungen weg. Ein Zerwürfnis zwischen Trainer- und Medizinstab wie beim FC Bayern, wo die Ärzte mit einem Kopfschütteln reagiert haben sollen, als sich der von Pep Guardiola entgegen aller Bedenken sofort wieder eingesetzte Franck Ribéry erneut verletzte, wäre in Darmstadt undenkbar. Die fünfköpfige medizinische Abteilung arbeitet mit den drei Trainern Hand in Hand. „Mit Fitnesstrainer Frank Steinmetz haben wir jemand, der viel sportwissenschaftliches Know-how mitbringt“, sagt Schuster. „Aber auch unser Mannschaftsarzt Dr. Klaus Pöttgen deckt mit vielen guten Ansätzen ein breites Spektrum über Ernährung, Verletzungsprophylaxe und Krankheitsvorsorge ab.“

Der frühere Triathlet legt seit 2011 Wert darauf, dass die Kicker analog zum Einzelsportler anderer Sportarten eine höhere Aufmerksamkeit für den eigenen Körper entwickeln. Der für den internistischen Bereich verantwortliche Mannschaftsarzt steuerte „in der Sprintsportart Fußball“ von Anfang an den Umgang mit Nahrung, Kalorien und werthaltigen Lebensmitteln, Statt Kuchen und Banane werden in der Halbzeitpause eben Energy-Gels und Protein-Gels gereicht.

Ein weiterer Ansatzpunkt stellt neben einer regelmäßigen Körperanalyse auch die sogenannte Bio-Impedanz-Analyse dar, die monatlich Aufschluss über Ernährungszustand und Widerstandsfähigkeit gibt. Fällt diese richtig schlecht aus, begleitet Pöttgen einen Profi auch schon mal in den Supermarkt.

Vitamine gehören zum Training

Weitere Hilfsmittel sind legale Nahrungsergänzungsmittel. Der 52-jährige Mediziner sagt: „Hier sind wir beim Thema Einbauraten von Aminosäuren und Eiweiß.“ Ein Muskel habe sich in der Regel ja in drei Monaten komplett erneuert. Und siehe da: Zerrungen und Faserrisse sind seitdem weitgehend unbekannt.

Verwunderlich: DFB oder DFL erheben kein vergleichbares Datenmaterial für Verletzungen. Die Vereine melden Ausfallzeiten lediglich den zuständigen Berufsgenossenschaften, die ein gesteigertes Interesse an einer Reduzierung der Verletztenzahl besitzen und regelmäßig Symposien mit Vertretern fast aller Bundesligisten anbieten. Dennoch sieht die sportärztliche Betreuung in den Klubs teilweise völlig unterschiedlich aus.

Vor allem die vielerorts noch verfolgte Betonung der orthopädischen Komponente, die sich stets der Frage widmet, wie schnell ein Fußballer nach einem gerissenen Band oder gebrochenen Knochen wieder fit werden kann, stellen Experten infrage. Darmstadt beschreitet auch in dieser Hinsicht bereits seit Drittliga-Zeiten vorrangig andere Wege. Und steht vielleicht auch deshalb zur Halbzeit der Bundesliga erstaunlich gut da.



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