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Volleyball: Golfer trifft Surfer

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Arbeitsplatz am Netz: Kawika Shoji von den BR Volleys.
Arbeitsplatz am Netz: Kawika Shoji von den BR Volleys.
Foto: imago sportfotodienst

Das Volleyballduell zwischen Berlin und CV Mitteldeutschland ist auch ein Duell der Brüder Kawika und Erik Shoji. Am Sonntag (16 Uhr) treffen die beiden Hawaiianer zum ersten Mal in Berlin aufeinander.

Früher, als sie in Honolulu noch zur Schule gingen, da war es jedes Mal eine klare Sache, wenn die beiden Brüder mit den Volleyball-Teams ihrer Highschools gegeneinander antraten: Kawika Shoji stand als Zuspieler für das Iolani-Gymnasium auf dem Feld, Erik Shoji als Libero für die Punahou-Schule. „Eriks Mannschaft hat immer gewonnen. Jedes Mal“, sagt Kawika Shoji. Er lacht in den Telefonhörer – vielleicht, weil Lachen manchmal über Erinnerungen hinweghilft, die gar nicht so lustig sind. „Wissen Sie, wir Brüder sind uns sehr nah. Aber wenn wir gegeneinander spielen, ist das wie Krieg. Wenn Sie nachher Erik anrufen, können Sie ihm sagen: In der Bundesliga ist jetzt der große Bruder mit Gewinnen dran.“

In der Volleyball-Bundesliga hat sich Kawika Shoji, 25, durch ein gelungenes Premierenjahr bei den BR Volleys zum ersten Zuspieler der Berliner gemausert. Erik, 23, spielt in seiner ersten Profisaison überhaupt als Libero bei CV Mitteldeutschland. Am Sonntag (16 Uhr) treffen die beiden Hawaiianer zum ersten Mal in Berlin aufeinander.

Vor ein paar Tagen haben sie mit ihren Eltern, die über die Weihnachtstage aus Honolulu angereist waren, in der Hauptstadt Silvester gefeiert. Sie aßen in einem Charlottenburger Restaurant zu Abend. „Das Feuerwerk danach war fantastisch“, erzählt Erik Shoji. „Ich war beeindruckt.“ Vater Dave auch. Er arbeitet an der Universität von Hawaii als Volleyballtrainer. Als seine Kinder noch klein waren, ließ er sie schon mit dem Ball neben dem Feld herumtollen. Sie wurden hineingeboren in eine Sportwelt, die aber nicht nur Volleyball als Inhalt hatte.

Die Shoji-Brüder wuchsen vielmehr mit der Erfahrung auf, dass es Spaß machen kann, sich zu messen. „Wir sind beide sehr ehrgeizig. Wir kämpfen beide immer darum, zu gewinnen“, sagt Kawika Shoji. „Ich bin zum Beispiel der bessere Golfspieler, Erik ist der bessere Tennisspieler.“ Und der bessere Surfer? Kawika Shoji überlegt kurz. Dann sagt er: „Der bessere Surfer bin ich. Aber Erik glaubt, dass er es ist.“ „Stimmt“, bekräftigt Erik. „Der bessere Surfer bin wirklich ich.“ Und der bessere Volleyballer? Die Frage ist offenbar komplexer. „Oooch“, sagt Kawika Shoji zögernd, „ich bin gerade im besseren Team. Wir sind Deutscher Meister, aber Erik hat eine sehr gute Saison mit Mitteldeutschland. Er führt die Bundesliga mit seiner Annahmestatistik an. Ich denke, wir sehen am Sonntag, wer besser ist.“

Arbeitsplatz im Hinterfeld: Erik Shoji von CV Mitteldeutschland.
Arbeitsplatz im Hinterfeld: Erik Shoji von CV Mitteldeutschland.
Foto: imago sportfotodienst

In der Deutschen Volleyball Liga (DVL) sind die Rollen ebenfalls klar verteilt. Berlin ist mit 24:0 Punkten Tabellenführer, Mitteldeutschland rangiert mit 12:14 Punkten auf Platz sieben. Das Hinspiel gewann Berlin in der Spergauer Jahrhunderthalle vor 780 Zuschauern 3:0. Der größere Bruder spielt im größeren Klub. Er ist bisher immer vorangegangen. Erik folgte ihm zunächst auf die Stanford Universität, im vergangenen Herbst dann in die DVL. „Es war immer unser Traum, zusammen zu spielen. Wir werden sehen, was in der Zukunft passiert“, sagt Kawika Shoji. Erik schätzt die Fürsorge des großen Bruders. Er sagt, Kawika sei jemand, der sich gerne um andere kümmert. Einer, der Verantwortung übernimmt, weiterhilft: ein Organisator – so wie es seiner Position als Zuspieler auf dem Feld entspricht.

Leichter für die anderen

Dass mehr Verantwortung zuweilen hemmen kann, erfährt Kawika Shoji derzeit bei den BR Volleys. Seit der frühere Kapitän und erste Zuspieler Jaroslav Skach den Verein verlassen hat, liegt die Spielorganisation vor allem auf den Schultern des 1,92 Meter großen Politik-Absolventen. Und zuweilen wirkt der Berliner am Netz nicht mehr ganz so frisch und ideenreich wie in der Vorsaison. „Er versteht das Spiel besser als viele andere. Ich habe zwei Jahre mit ihm an der Uni in Stanford gespielt. Er macht es den anderen leichter auf dem Feld“, beschreibt Erik die Vorzüge von Kawika.

Der Libero von CV Mitteldeutschland, der sich auf seinem Twitter Account als angehender Olympionike und Doktor bezeichnet, der „tagsüber Volleyballer und nachts Naturwissenschafts-Freak“ sei, scheint der entspanntere Bruder zu sein. „Ich richte mich meist danach, was die anderen gerne wollen,“ sagt Erik Shoji – was wiederum seiner Position als Annahmespieler entspricht. Und auch wenn alle Statistiken am Sonntag für Berlin sprechen, glaubt Erik Shoji, dass die Partie trotzdem spannend wird, denn „unsere Mannschaft gibt nie auf“.

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