E_Paper_BZ
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Volleys wollen ihren Rhythmus finden

Auffälliges Spielgerät: Robert Kromm bei der Arbeit.

Auffälliges Spielgerät: Robert Kromm bei der Arbeit.

Foto:

imago/Sebastian Wells

Es war ein seltener Luxus, der sich den Spielern der BR Volleys in dieser Woche bot: Zeit. Gleich sechs Tage waren spielfrei zwischen dem CEV-Pokal-Halbfinale am vergangenen Sonnabend und dem Start der Playoffs gegen den CV Mitteldeutschland am Sonnabend (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle, sportdeutschland.tv). Am Montag gönnte Trainer Roberto Serniotti seinen Profis gar einen ganzen volleyballfreien Tag. „Das ist ganz selten, weil wir fast immer englische Wochen haben“, sagt Kapitän Robert Kromm.

Ihre Zeit nutzte die Mannschaft am Sonntag, um die Erfolge der vergangenen Wochen nachzufeiern: Platz eins in der Bundesligahauptrunde, den erstmaligen Einzug in ein Europacupfinale, den ersten Pokalsieg seit 16 Jahren. In einem Weinladen mit Küche kochte und trank die Mannschaft gemeinsam mit ihren Familien. „Nach dem Pokalsieg war dafür ja keine Zeit“, erklärt Kromm.

Die Zeit fehlte den Volleys zuletzt auch noch für zwei andere elementare Dinge: Training und Erholung. „Es ist für den Körper viel Stress, wenn man ständig unterwegs ist. Dazu kam in den letzten Wochen mit den wichtigen Spielen auch der mentale Stress.“ Darin sieht Kromm auch die Ursache für die vielen, meist kleinen Verletzungen im Team: „Es gibt kaum einen Spieler, der in dieser Saison noch nichts hatte, die medizinische Abteilung hat alle Hände voll zu tun. Der Körper nimmt sich halt die Auszeit, wenn er denkt, er braucht sie.“

Defizite beim Aufschlag

In dieser Woche waren bis auf Tomas Kmet, der noch immer an den Folgen einer Ellbogenverletzung laboriert, immerhin alle Spieler beim Training. Neben einem Fitnessblock standen auch zahlreiche Sechs-gegen-Sechs-Einheiten auf dem Programm, in denen auch an den Schwächen gearbeitet werden konnte. Denn trotz der aktuellen Erfolgsserie hat der Kapitän zwei Defizite ausgemacht: „Wir können unsere Blockarbeit verbessern und brauchen noch mehr Konstanz beim Aufschlag.“

Gedanklich waren die Berliner, das möchte Kromm nicht leugnen, in dieser Woche nicht immer beim Playoff-Start. Des Öfteren wanderten sie bereits zum kommenden Dienstag. Dann treffen die Volleys in eigener Halle (19.30 Uhr) im Hinspiel des CEV-Pokalfinals auf Gazprom-Ugra Surgut aus Russland. In der Vorbereitung auf dieses Duell gehe es darum, sich an das Tempo zu gewöhnen, denn russische Teams würden meist schnelle Sprungaufschläge spielen.

Das erste Duell der Best-of-three-Serie gegen den CV Mitteldeutschland, die wegen des Europacups erst am 6. April fortgesetzt wird, soll im Idealfall als Teil der Vorbereitung fungieren: „Wir wollen da unseren Rhythmus aufnehmen. Es ist uns in letzter Zeit gut gelungen, auch in einfache Spiele konzentriert reinzugehen. Unser Ziel ist, über sie drüberzufahren“, sagt der 2,06 Meter große Außenangreifer, der sich selbst zuletzt in guter Verfassung präsentierte.

Spannung unerwünscht

Der so bedrohte Konkurrent aus Spergau, einem kleinen Ort am Rande des Chemiekomplexes Leuna, ist sich der Favoritenrolle der Berliner bewusst. „Wir sind erst über den zweiten Bildungsweg ins Viertelfinale gekommen. Natürlich sind wir Außenseiter“, sagt Ulf Quell in Anspielung auf den Erfolg in den Pre-Playoffs gegen die Netzhoppers aus Königs Wusterhausen. Der Coach trainiert ein sehr internationales Team. Nur ein Akteur kommt aus Deutschland, sieben sind aus Polen: „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, weil es nicht viele bezahlbare deutsche Spieler auf dem Markt gibt“, sagt Quell.

Gegen Königs Wusterhausen reichten den Spergauern zwei Partien zum Weiterkommen. Allerdings wäre ihnen nach souveränem Beginn im Rückspiel fast der Saft ausgegangen. Mit zwei 25:23-Satzgewinnen erzwangen die Gäste aus Brandenburg den Tiebreak, den die Mitteldeutschen dann jedoch denkbar knapp mit 15:13 für sich entscheiden konnten.

Auf derartige Spannungsmomente kann der klare Favorit aus Berlin am Sonnabend gut verzichten. Wichtig sei es, dass die Volleys einfach ihr Spiel machen, erklärt Kromm und fügt selbstbewusst an: „Bei solchen Spielen ist es so: Wenn wir unsere Leistung bringen, konzentriert spielen und hart aufschlagen, werden wir sie schlagen.“ Gelingt dies, können sich die Berliner anschließend voll und ganz auf das vereinshistorische Europacupfinale konzentrieren, das am kommenden Sonnabend am Ufer des Ob in Sibirien seine endgültige Entscheidung finden wird.