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Wasserball Europameisterschaft: Deutschland schafft sensationellen Sieg gegen Kroatien

Eine Armlänge über dem Wasser: der Spandauer Marko Stamm.

Eine Armlänge über dem Wasser: der Spandauer Marko Stamm.

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imago/Eibner

Es war eine mittelgroße Sensation, die den deutschen Wasserballern in dieser Woche gelungen ist: Beim Vier-Nationen-Turnier in Dubrovnik siegte die DSV-Auswahl gegen den Gastgeber und den WM-Zweiten Kroatien 10:9. „Und das obwohl die Schiris bestimmt nicht für uns gepfiffen haben“, wie Marko Stamm von Spandau 04 meint. Auch wenn es hierbei noch nicht um Turnierpunkte ging, war dieser langersehnte Sieg gegen eine Branchengröße für den Kreativkopf der Nationalmannschaft und Sohn des ehemaligen Bundestrainers Hagen Stamm dennoch der Beweis, dass „bei der EM alles möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Mindestens Platz acht soll rausspringen, wenn es ab Sonntag in Belgrad zur Sache geht. Damit hätte man die Berechtigung, am Qualifikationsturnier für Olympia Anfang April teilzunehmen. Um das zu schaffen, ist die Mannschaft seit Anfang Dezember auf Reisen. Es standen Lehrgänge in Berlin, Duisburg und Stuttgart an. Nach den Weihnachtsfeiertagen ging es zur Vorbereitung nach Ostia, wo man sich mit dem ersten Vorrundengegner Italien (Montag, 18.45 Uhr) duellierte. Auf Aufenthalte in Montenegro und Kroatien folgte gestern die Anreise nach Serbien. „Wenn man so lange zusammen ist, kann man sich schon mal auf den Keks gehen“, weiß Stamm. Momentan sei das allerdings anders. „Wir kämpfen noch mehr als sonst füreinander.“ Die Stimmung sei bestens.

Neustart nach Revolte

Vor einem Jahr sah das noch anders aus. Die Mannschaft revoltierte gegen den damaligen Bundestrainer Nebojsa Novoselac, der zuvor erfolgreich die Spandauer gecoacht hatte. „Er ist kein schlechter Trainer, aber nicht der richtige Trainer für eine deutsche Nationalmannschaft“, sagt Stamm.

Taktisch habe der gebürtige Serbe Dinge verlangt, die mit einer Auswahl seiner Heimat möglich seien, nicht aber mit einer DSV-Auswahl ohne die großen Einzelkönner. Lange war das Team ohne echte Führung, bis im Juli Patrick Weissinger übernahm, der früher ebenfalls für die Nationalmannschaft spielte. „Dieser Neustart war extrem wichtig für uns“, sagt Stamm.

An den bescheidenen Arbeitsbedingungen veränderte sich allerdings nichts. Im Vergleich zu den Topteams ist Deutschland ein Entwicklungsland in dieser Sportart. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass ein serbischer Topspieler schon mal so viel verdient wie der gesamte Spandauer Kader. Bis zu 11.000 Zuschauer werden bei der EM in Belgrad erwartet, wenn es gegen Kroatien geht − das wäre Zuschauer-Weltrekord. Hochprofessionell geht es auch in Italien zu, wo es „echt beeindruckende Leistungszentren gibt“, wie Bundestrainer Weissinger findet. „Wir sind gerade erst dabei, so etwas Ähnliches gedanklich zu planen.“ Auch wenn er weiß, dass es bis zur Umsetzung noch ein sehr weiter Weg ist.

Ohne das Engagement der großen Klubs wäre schon jetzt vieles nicht möglich. Neben Spandau und dem ASC Duisburg, die neun der insgesamt 13 EM-Spieler stellen, haben auch Waspo Hannover sowie der SSV Esslingen Geld locker gemacht, um die zahlreichen Lehrgänge für die EM zu ermöglichen. Stamm sagt: „Die Vereinsrivalitäten wurden einfach mal beiseitegeschoben.“ Das ist bemerkenswert angesichts der gereizten Beziehung zwischen einigen Kluboberen.

Nah am Wutausbruch

Gereizt ist überhaupt das Stichwort. Auch wenn sich in diesen Tagen alles um die EM dreht, fehlt bei Stamm nicht viel zum Wutausbruch, wenn er auf den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angesprochen wird. Der hatte im vergangenen April offenbart, dass er den Wasserballern die Qualifikation für Rio nicht zutraut. Und gefordert, sich lieber ganz auf den kommenden Olympiazyklus zu konzentrieren, also weniger Geld auszugeben. „Für uns Sportler war das eine absolute Frechheit“, poltert Stamm, „immer wollen die Leute entscheiden, die keine Ahnung haben. Wir schinden uns täglich sechs Stunden, um uns diesen Traum noch zu erfüllen.“

Hierfür erhofft man sich die Hilfe der Spandauer Mateo Cuk (Kroatien) und Marin Restovic (Serbien), die rechtzeitig die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. „Es wäre ein Fehler, wenn man das Potenzial solcher Leute außen vor lassen würde“, sagt Weissinger. Dass sie das Zeug haben, die Mannschaft besser zu machen, zeigten sie bereits in dieser Woche. Beide trafen beim Sensationssieg gegen Kroatien.