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Windsurfing: Der Schwerpunktverschieber

Philipp Köster.

Philipp Köster.

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imago/reemedia

Manche Dinge ändern sich wohl nie. Schon vor drei Jahren, als er das erste Mal Windsurf-Weltmeister wurde, kicherte Philip Köster während der Interviews bei jeder zweiten Frage. Er war damals 17 Jahre alt, man dachte, das würde sich irgendwann legen. Doch Köster hat das beibehalten, wenngleich er das jungenhafte Feixen nur noch selten einstreut. Vielmehr fällt auf, dass seine Sätze komplexer geworden sind, gehaltvoller, es kommt auch mal ein schnippischer Konter. Philip Köster wirkt erwachsener.

In seinem Sport ist er ohnehin längst ein Routinier, trotz seiner gerade mal 20 Lenze. Seit diesem Montag stürzt sich der in Hamburg geborene Surfer zum sechsten Mal auf der Worldtour in die tosenden Fluten, er will sich den Titel zurückerobern, den er 2011 und 2012 bereits gewonnen hat. Der erste Stopp der Tour wird dabei noch bis zum Sonntag ausgerechnet vor Gran Canaria ausgetragen, jener Insel, auf die Kösters Eltern einst mit ihrem kleinen Spross auswanderten.

Der Strand ist gerade mal ein paar Meter von zu Hause entfernt, die Vorstellung ist nicht weit hergeholt, dass Köster sich während des Telefongesprächs gern sein Surfboard schnappen und ins Meer springen würde. Vor ein paar Jahren noch hätte er das vielleicht auch gemacht, nun harrt er aus. „Der Schwerpunkt hat sich verschoben“, sagt er. „Der Sport ist wichtig, aber die Dinge nebenher auch.“ Die Dinge nebenher, das sind die Medien, Sponsoren. „Von irgendwas muss ich ja auch leben.“

Stammgast bei Ehrungen

Philip Köster hat gelernt, dass er den Sport und die Öffentlichkeitsarbeit zusammenbringen muss. 2011 noch war ihm das fremd, da zitterte die Hand, als er auf der Weltmeister-Empore die Dose eines großen Brausekonzerns hielt. „Es waren damals viele Leute, die plötzlich was von mir wollten. Das hat mich erschrocken“, erzählt er. „Es hat längere Zeit gedauert, mich daran zu gewöhnen. Ich bin jetzt geduldiger.“ Denn die Preisgelder machen in seinem Sport nur einen kleinen Teil aus. Will er das Windsurfen professionell ausüben, muss er die Sponsoren zufriedenstellen. Und dafür sollte er so oft wie möglich in der Öffentlichkeit erscheinen.

Köster ist mittlerweile Stammgast bei weltweiten Sportlerehrungen und auch auf so manchem Roten Teppich gibt er eine ordentliche Figur ab. Im Kinderfernsehen erklärt er seinen Sport, im Lifestyle-TV beschreibt er seinen Alltag. Schon längst steht in den Büchereien der Republik seine erste Biografie, „Der Überflieger“, bunte Zeitschriften widmen ihm Seiten voller knackiger Attribute. So ermunterte etwa die Bravo Sport ihre Leser: „Checkt die irre Surf-Action des Champions im krassen Video!“

Dass er in Deutschland das unbestrittene Aushängeschild seiner spektakulären Sportart ist, kommt Köster zugute. Beim Wellenreiten springt er meterhoch durch die Lüfte, er dreht sich, manchmal auch mehrmals, er spielt mit den Urkräften Wind und Wasser. Er gilt als Koryphäe, wird das Wellenreiten womöglich auf Jahre hinaus dominieren. Das erlaubt es Köster im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, seinen Sport ohne Sorgen und Nebenjob ausüben zu können. Eine niedrige sechsstellige Summe kommt angeblich pro Jahr zusammen, ein Autokonzern und eine Brausemarke zählen zu seinen treuen Unterstützern. Zuletzt warb er für Pudding.

Angst vor der Doppelbelastung

Im Moment kümmert sich noch seine Familie um die Organisation seiner Termine. Doch das Heim-Management stößt dann an seine Grenzen, wenn die Summen immer größer werden und die Vermarktung sich nicht mehr nur auf Europa beschränkt. Und genau das steht Köster bevor. Er will mit einer Agentur zusammenarbeiten, die ihm den Zugang zu den Werbemärkten in den USA, in Australien, vielleicht auch in Asien ermöglicht. Der Sportler Köster ist schon ein Riese, das Produkt Köster hingegen soll noch wachsen. In Europa geht das kaum noch. Vor allem in Deutschland hat der Windsurfsport die beste Zeit längst hinter sich, der Stopp auf Sylt ist zwar der größte der Worldtour, aber eben auch der einzige in Deutschland. Ins Fernsehen schafft es die Tour nicht, der unvorhersehbare, weil vom Wind abhängige Natursport macht es unmöglich. Auf anderen Kontinenten sind die natürlichen Voraussetzungen eindeutig besser, ist der Markt entwicklungsfähiger.

Köster sieht dennoch Vermarktungsmöglichkeiten für sich, den zweimaligen Weltmeister, gerade mal 20 Jahre alt, der gut aussieht, der auf anderen Kontinenten der deutsche Exot wäre. „Hört sich doch interessant an, oder“, sagt er keck. Und: „In die Medien zu kommen, ein paar Werbeaufträge, das wäre schon mein Ziel.“

Neulich hat er mal kurz darüber nachgedacht, ein Studium zu beginnen, dann aber den Plan relativ schnell wieder verworfen. Die Doppelbelastung wäre wahrscheinlich zu groß geworden, es hätte zu viele Abstriche beim Windsurfen bedeutet. Es läuft ja auch so ganz gut im Moment.