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WM 2014: Joachim Löw in Brasilien: Wie arrogant

Bundestrainer mit kolonialen Ambitionen: Joachim Löw am Strand an der Costa do Sauipe in Brasilien.

Bundestrainer mit kolonialen Ambitionen: Joachim Löw am Strand an der Costa do Sauipe in Brasilien.

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dpa

Wenn sich die Kreativköpfe des deutschen Nationalmannschaftsfußballs zusammensetzen, um einen Schlachtplan für eine WM in Brasilien zu schmieden, dann ist offensichtlich alles möglich. Leider auch − wie sich nun gezeigt hat − eine Idee, bei der man vielleicht nicht unbedingt am Verstand, aber immerhin an der Vernunft dieser „Kreativköpfe“ zweifeln muss.

Mag ja sein, dass man getreu seiner deutschen Mentalität bei der Mission „Titel 2014“ nichts dem Zufall überlassen will. Dass man in Anbetracht der komplizierten klimatischen Begebenheiten und in Anbetracht der organisatorischen Herausforderungen bei der Wahl des Mannschaftsquartiers nach der optimalen Lösung sucht.

Darum sind ja auch die anderen 31 WM-Teilnehmer bemüht. Seine Mannschaft und sein Funktionsteam allerdings in eine künstliche Welt zu packen, die von deutscher Hand gebaut und letztlich nicht wirklich etwas mit dem Gastgeberland zu tun haben wird, ist nicht nur eine zweifelhafte Maßnahme im Hinblick auf die Psychologie eines Profifußballers, der sich den Traum von einer WM im Land der Lebensfreude und im Land des schönen Spiels erfüllt hat, nein, sich im Stil kolonialer Mächte gleich mal ein eigenes Fort bauen zu lassen, ist einfach nur arrogant.

Als gäbe es in ganz Brasilien kein Hotel, das den Ansprüchen von Bundestrainer Löw und dessen Gefolgsleuten genügt. Als gäbe es im fünftgrößten Land der Welt keinen vernünftigen Rasen, auf dem die deutschen Kicker die Löw’sche Vision vom perfekten Fußball verfolgen könnten.

Zu dieser Blasiertheit passt auch der Arbeitstitel, den sich Teamanager Oliver Bierhoff für das Projekt hat einfallen lassen, er spricht vom „germanischen Dorf mit Collegecharakter“. Ob es denn auch rechtzeitig fertig werden würde? Bierhoff antwortete: „Es beruhigt mich, dass eine deutsche Unternehmerfamilie dahintersteckt.“ Sympathien, so viel ist sicher, gewinnt man anders.

Offensichtlich steckt halt doch noch ziemlich viel Jürgen Klinsmann in dieser Fußballnationalmannschaft. Klinsmann, dieser seltsame Zeitgenosse, der − getrieben von einem ja schon fast pathologischen Reformfieber − dem FC Bayern vor gar nicht allzu langer Zeit mal eine Handvoll Buddha-Figuren aufs Dach gestellt hat.