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Stadtschloss Berlin: Her mit dem Stadtschloss!

Gute Laune! Bundespräsident Joachim Gauck legt am 12.06.2013 in Berlin den Grundstein für das neue Berliner Schloss.

Gute Laune! Bundespräsident Joachim Gauck legt am 12.06.2013 in Berlin den Grundstein für das neue Berliner Schloss.

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dpa

Also, ich bin ja kein Berliner. Und zunehmend froh darüber. Aber bei einem Ereignis von solch nationaler Tragweite will ich doch noch das Wort ergreifen und ein beherztes Hurra in die aktuell 7 900 Quadratmeter große Trogbaugrube schleudern. Her mit dem Schloss, sage ich. Das Schloss muss sein! Denn: Wir wollen wieder wahre Herrschaft. Männer, die führen. Die sich dem Pöbel, den aufsässigen Weibern, dem ganzen erschlafften Zeitgeist zackig entgegenstellen. Wohl wahr: die Hohenzollern sind weg. Aber immerhin waren sie rund um Berlin 500 Jahre am Drücker. Ist noch keine hundert Jahre vorbei. Was sind eine Merkel, selbst ein Kohl dagegen? Im Chor, zwo, drei: Eintagsfliegen!

Und wieso eigentlich weg? Neulich bei der Grundsteinlegung weilte auch Thronfolger Georg Friedrich Prinz von Preußen unter der stark blaublütigen Gästeschar. Das weckt Hoffnung. Schon 2005 hatte der Hohenzollern-Prinz verkündet, „dass wir in die märkische Heimat meiner Vorfahren zurückkehren werden“. 2011 heiratete er Sophie Prinzessin von Isenburg – auf Schloss Sanssouci. Der RBB berichtete live. 2012 gab Christian Wulff ein Abendessen zu Georg Friedrichs Ehren auf Schloss Bellevue.

Ein bisschen mickrig, dieses Schlösschen, dieser Wulff. Aber immerhin. Die Geste zählt. Überhaupt, diese Demokratie. Ganz nett. Und so friedlich. Aber die schmutzige Politik! Und die Politiker, das erkennt jetzt selbst die bürgerliche Presse, taugen doch eh alle nichts. Liest man derzeit täglich: So klein, so unkultiviert. Und nur gewählt. Zwerge also. Ohne Visionen. Ohne Gottes Segen.

"Ein Haus des Volkes"

Nein. Wir wollen mehr Stein, mehr Säulen, mehr Noblesse. Glanzvolle Tafeln statt populärem Fingerfood. Wir brauchen Elite. Von edlem Geblüte. Und das ihr geziemende Ambiente. So ein richtiger Schlosskoloss, im Herzen der Hauptstadt. Wo unsere Besten ihre Medaillen zeigen können. Wo Größe feinperlig zueinander findet, der Herr Direktor mit der Freifrau von und zu anstoßen kann. Auch der Prof. Dr. Dr., der Minister und seine Sekretäre bekommen ein Schlückchen. Und Uniformen dürfen nicht fehlen. Davor ein Platz, auf dem man exerzieren und, bei Bedarf, vielleicht sogar mal füsilieren darf. Dort, sagt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, werde bald das „Beste von Preußen weiter entwickelt“.

Was? Wir haben schon 4 666 Burgen und Schlösser in Deutschland? Papperlapapp. Das neue Prachtstück, verspricht der Ramsauer, wird ein „wahrhaftiges Haus des Volkes“, ein, findet Wowi, „kultureller Leuchtturm“ für, sekundiert der Gauck, „lebendige Begegnung der Kulturen der Welt“. Weshalb die Zeitung vom Tage, die nach alter Sitte im Grundstein versenkt wurde, auch die „Welt“ war.

Das Gerede vom lebendigen Leuchtturm ist natürlich ein bisschen geflunkert. Zur Beschwichtigung demokratischer Bedenkenträger, die nichts verstanden haben, rien! Deren Steuern wir gleichwohl leider brauchen werden, um den Bau zu bezahlen. Mit den Spenden läuft es nicht so recht. Armer Adel. Banges Bürgertum. Egal. Stolz wird unser Schloss in ein paar Jahren dastehen. So pracht- und machtvoll, dass selbst das renitente Volk endlich jubeln wird. Und begreifen: So ein Schloss passt zu Berlin wie der Eimer unter den Arsch. Da hat die ganze Preußenscheiße endlich ein Gefäß.

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