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Teurer als andere Großstädte

Wie hoch sind die Berliner Wasserpreise im Vergleich?Wassertarife lassen sich sinnvoll immer nur für Musterhaushalte vergleichen, weil sie in verschiedenen Städten unterschiedlich kalkuliert werden. Im Ranking von 2010 des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) etwa ist ein Mietshaus mit 30 Wohnungen, in denen jeweils zwei Personen leben, zugrunde gelegt. Im Vergleich der 15 größten deutschen Städte ist Berlin demnach am zweitteuersten beim Mischtarif für Wasser und Abwasser - nach Halle an der Saale. Bremen liegt bei 95 Prozent des Berliner Niveaus, Hamburg bei 84, München bei 72. Ein Ranking von 2009 der Potsdamer Stadtwerke sieht Berlin bei einem Vier-Personen-Haushalt auf Platz 25 der hundert größten deutschen Städte; bei einem Zwei-Personen-Haushalt nur noch an Platz 46.Wie kommt der Preis zustande?In die Tarife werden die Kosten der Wasserversorger eingerechnet, also etwa Personalkosten, Investitionskosten, Kreditzinsen, aber auch Abgaben, Steuern sowie Gewinne, die laut Gesetz aber nur "angemessen" sein dürfen - was nicht exakt bestimmt ist. Die lokalen Begebenheiten, unter denen Wasser bereit gestellt und Abwasser entsorgt wird, können sehr verschieden sein. Was sich als Kosten im Preis niederschlägt: In Berlin etwa steht das Grundwasser sehr hoch und muss per Wasserwerk reguliert werden.Wie kommt der Gewinn für das Land und die Investoren in die Preise?Auch die Gewinnbeteiligung der Investoren und des Landes Berlin (zurzeit jeweils 11 Cent eines Wasser-Euros) wird als Kostenpunkt in die Tarife hineingerechnet. Aber es sind lediglich rechnerische Kosten: So darf das gesamte Betriebsvermögen der BWB (das sogenannte betriebsnotwendige Kapital) - also zum Beispiel der Gegenwert der Wasserwerke und des Leitungsnetzes in Euro - rechnerisch verzinst werden. Den Zinssatz legt das Land fest. Diese "fiktiven" Zinsen werden als Kosten in den Tarif hineingerechnet und machen knapp 60 Prozent des Gewinns aus. Der Rest kommt durch lukrative Abschreibungen (auf Wiederbeschaffungswerte) zustande, die höher liegen als einfache Abschreibungen aufgrund von Wertverlusten in der Bilanz. Am Ende teilen sich Land und Privatinvestoren den Gewinn. Das Land nimmt noch zusätzlich die Entgelte und Steuern ein.Gibt es eine Gewinngarantie für die privaten Investoren?Es gibt keine Garantie in dem Sinne, dass am Ende immer ein Plus für die Privaten stehen muss. Das Land machte aber 1999 im (vertraulichen) Konsortialvertrag die Zusage, dass das Ergebnis einer bestimmten lukrativen Verzinsung des Betriebsvermögens auf jeden Fall herausspringt. Diese Verzinsung setzt sich aus dem Durchschnitt langfristiger Bundesanleihen zuzüglich zwei Prozentpunkten zusammen ("r + 2"). Bis einschließlich 2006 musste das Land auf insgesamt 267 Millionen Euro eigener Gewinne verzichten, um den Privaten diese Zusicherung zu erfüllen. Dabei hatte das Landesverfassungsgericht 1999 entschieden, dass die Formel "r + 2" im Gesetz nichtig ist. Das Land und die Privaten vereinbarten aber bereits zuvor vertraulich, dass die Formel im Ergebnis, also der Höhe nach, dennoch gilt.Werden die Preise demnächst sinken?Das lässt sich derzeit nicht sagen. Die Zinssätze von Bundesanleihen sinken tendenziell. Das könnte die Preise senken, wenn sich sonst nichts ändert. Möglich wäre auch eine Neuverhandlung der Verträge zwischen Land und Investoren, die zumindest Preisstabilität zum Ziel hätte. Das Bundeskartellamt prüft außerdem bis Ende des Jahres die Berliner Wasserpreise. Der Ausgang ist offen. Die Entscheidung könnte eine Preissenkung bringen. Unklar ist, wer verzichten müsste. (jan.)------------------------------Hohe Renditen erst seit ein paar JahrenTarifentwicklung: Bereits in den 90er- Jahren stieg der Wasserpreis sehr stark, nämlich von 1991 bis 1997 um mehr als 130 Prozent (im Westteil). Als die Wasserbetriebe 1999 teilprivatisiert wurden, blieben die Preise zunächst auf dem Niveau von 1997. Das war im Vertrag des Landes mit den Investoren so festgelegt. Durch eine Änderung bei der Straßenentwässerung im Jahr 2000 sank der Tarif nur für Wasser /Abwasser zwischenzeitlich sogar. Ab 2004 dann durften die Preise laut Vertrag erhöht werden. Sie stiegen zunächst um 15 Prozent, später um insgesamt rund ein Viertel. Hauptgrund sind neben den Gewinnmargen auch hohe Abgaben und Kosten durch Investitionen.Zusammensetzung: Das Prinzip lautet, dass die Verbraucher mit ihren Gebühren die Kosten der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung decken. Von einem bezahlten Wasser-Euro (in der Tarifkalkulation für 2010/2011) bestehen zum Beispiel 20 Cent aus Kosten fürs Personal. Investitionskosten finden sich in den bilanziellen Abschreibungen wieder (16 Cent). Das Grundwasserentnahmeentgelt ist eine Abgabe, die das Land den BWB berechnet. Sie wird als Kostenpunkt auf die Kunden umgelegt, aber letztlich nur vom Land kassiert.Rendite: Die Renditen bezogen auf den Umsatz des Unternehmens und bezogen auf das von den Privaten gezahlte Eigenkapital von 1,7 Milliarden Euro haben sich erst in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau stabilisiert. Zurzeit liegt die Umsatzrendite bei gut 24 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 10,4 Prozent. Laut der Lobby-Organisation BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) sind in der Wasserversorgung Eigenkapitalrenditen von sechs bis sieben Prozent üblich. Die Privaten Veolia und RWE liegen noch in diesem Rahmen, wenn man die Entwicklung in den elf Jahren seit 1999 betrachtet: Die durchschnittliche Rendite beträgt dann jährlich 6,8 Prozent.------------------------------Grafik: Tarifentwicklung Berliner Wasser (1990 bis 2008)Grafik: Anteil an einem Euro WasserkostenGrafik: Renditen (1999 bis 2009)


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