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Trotzdem wurde Wolfgang Schmidt lange nicht gefaßt: Der Beelitz-Mörder sah seinem Bild sehr ähnlich

Ein Serienmörder verbreitete kurz nach der Wende rund eineinhalb Jahre lang unter den Frauen und Mädchen Brandenburgs Angst und Schrecken. Dann endlich, nachdem Wolfgang Schmidt sechs Menschen getötet hatte, überwältigten ihn zwei Jogger. Es gab nach dem fünften Mord ein gutes Phantombild von Schmidt und etliche Hinweise auf ihn. Doch die Polizei reagierte darauf nicht.Es ist Dienstag, der 24. Oktober 1989. An diesem noch angenehm warmen Tag will Edeltraud N. die Beete vor ihrer Laube in der 900-Seelen-Gemeinde Deetz bei Brandenburg auf Vordermann bringen. Bevor der Frost kommt, will die 51jährige Tulpen stecken.Am Mittag dieses Tages wird sie von ihrem Mörder bei der Arbeit überrascht. Sie kann sich nicht mehr wehren. Erschlagen wird sie aufgefunden. Die Ermittlungen ergeben: Der Täter hat sich an der toten Frau vergangen. Die Polizei verdächtigt den Ehemann. Im März des folgenden Jahres vergiftet er sich mit einem Pflanzenschutzmittel. Opfer auf dem Müllplatz Der Ehemann ist nicht der Mörder gewesen, denn rund sieben Monate später geschieht ein neues Verbrechen. Es trägt die Handschrift des Täters von Deetz. Auf einem Müllplatz in Ferch wird am 25. Mai 1990 die Leiche der Gastwirtstochter Christa N. gefunden. Die Frau, die auf dem Platz in einem Wohnwagen lebte, ist tags zuvor mit einem Kabel erdrosselt und geschändet worden. Die Fahnder finden am Tatort rosa Damenunterwäsche, die offenbar nicht der Toten gehört hat.Auch nach diesem Verbrechen tappt die Kripo im dunkeln. Der Täter läßt lange Zeit nichts mehr von sich hören. Bis zum Frühjahr des folgenden Jahres. Am 13. März 1991 geht die Köchin Inge F. im Wald zwischen Borkheide und Neuendorf bei Beelitz spazieren. Sie kommt aber nie mehr nach Hause zurück. Gegen 18 Uhr muß die Frau an diesem Tag dem Beelitz-Mörder begegnet sein. Wanderer finden die Leiche der 34jährige erst nach über einer Woche. Auch Inge F. ist vergewaltigt worden.Und dann geschehen die wohl abscheulichsten Verbrechen des unbekannten Serienkillers. Am 22. März 1991 gibt es zwei neue Opfer. Tamara P., Frau eines Chefarztes im russischen Militärhospital Beelitz- Heilstätten, ist an diesem Tag mit ihrem kleinen Söhnchen Stanislaw im Kinderwagen im Wald nahe dem Hospital unterwegs. Sie treffen auf den Beelitz-Mörder. Er zerschmettert den Kopf des Kleinkindes an einer Baumwurzel. Die schreiende 44jährige Mutter wird mit einem Büstenhalter geknebelt. Dann erwürgt der Mann die Russin und vergeht sich anschließend an der Leiche. Fieberhafte Suche Die 48köpfige Sonderkommission sucht fieberhaft nach dem offensichtlich abnorm veranlagten Täter, der sich immer häufiger neue Opfer sucht. Nur 14 Tage nach dem Tod von Tamara P. und ihrem Sohn geht der Unbekannte auf zwei 12jährige Schülerinnen in einem Waldstück nahe der Gemeinde Sputendorf bei Ludwigsfelde mit einem Messer los. Er läßt erst von den Mädchen ab, als ihm die sich verzweifelt Wehrenden das Gesicht zerkratzen. Die Mädchen entkommen. Verletzt werden sie in ein Krankenhaus gebracht. Erstmals bekommt die Polizei eine Beschreibung von dem Mann, der sie seit 18 Monaten in Atem hält. Ein Phantombild wird angefertigt und veröffentlicht.Noch während der Befragung der beiden Mädchen holt sich der Mörder sein letztes Opfer. Er steigt in das abseits gelegene Haus der 66jährigen Talita B. in Fichtenwalde nahe Beelitz ein, erwürgt die Rentnerin und schändet die Leiche der Frau.Inzwischen ist auf die Ergreifung des Mörders eine Belohnung von 20 000 Mark ausgesetzt. Bei der Sonderkommission gehen über 1 000 Hinweise auf den Täter ein. Mehrere beziehen sich auf Wolfgang Schmidt. Auch die Eltern der Verlobten von Schmidt weisen die Polizei auf die Ähnlichkeit des künftigen Schwiegersohnes mit dem Phantombild hin. Doch nichts geschieht.Bis zu jenem 1. August. Zwei Jogger werden an einer Schonung bei Piepersberg auf einen Mann aufmerksamm, der Damenbekleidung trägt und sexuelle Handlungen an sich vollzieht. Die Sportler überwältigen den Mann und übergeben ihn der Polizei. Es ist Wolfgang Schmidt. 15 Jahre Haft Der damals 25jährige gesteht wenig später in der Untersuchungshaft die Morde an den fünf Frauen und einem Säugling. Ende November wird Schmidt zu 15 Jahren Haft und die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus verurteilt."Wenn wir den Hinweisen der Verwandten intensiver nachgegangen wären, hätten wir den Mann womöglich schon etwas früher gehabt", gesteht ein Ermittler später.