blz_logo12,9

Tschechische Republik: Tschechen suchen Kurznamen für ihr Land

Tschechiens Präsident Milos Zeman hat die Debatte über einen Kurznamen für sein Land neu entfacht.

Tschechiens Präsident Milos Zeman hat die Debatte über einen Kurznamen für sein Land neu entfacht.

Foto:

AP/dpa

Der tschechische Präsident Milos Zeman hat sich quasi im Vorbeigehen eines Problems angenommen, das sein Land seit der Trennung von der Slowakei vor 20 Jahren nicht befriedigend lösen konnte. Der Tschechischen Republik fehlt eine offizielle amtliche Kurzbezeichnung, ein Wort, das leicht von der Zunge geht wie Deutschland, Frankreich oder Ungarn.

Die Sprachenkommission der Uno hatte schon vor zehn Jahren auf eine englische Kurzversion für den bequemen internationalen Gebrauch gedrängt. Auch der tschechische Tourismusverband fordert einen eingängigen Markennamen. Vergeblich. Der Begriff „Czechia“, den das Prager Außenministerium seit 1993 zu lancieren versucht, ist nicht wirklich durchsetzbar, wie schon eine Google-Abfrage zeigt. Nur gut drei Millionen Treffer für „Czechia“, aber 437 Millionen für das unbequeme „Czech Republik“.

„Tschechien“ ja, „Tschechei“ nein

Im Deutschen dagegen hat sich „Tschechien“ besser durchgesetzt, auch wenn es furchtbar ungelenk klingt. Die flüssige Alternative „Tschechei“ haben Habsburger und Nazis durch ihren diskriminierenden Gebrauch unmöglich gemacht. Amtlich sanktioniert ist das Wort „Tschechien“ – entgegen manchen Lexika-Behauptungen – nicht.

In aktuellen Umfragen spricht sich eine deutliche Mehrheit der Tschechen gegen die Kurzbezeichnung Cesko aus. Das ist zunächst eine Frage des Sprachempfindens. Dem Dichter Vaclav Havel war es, als würden Schnecken über seinen Körper kriechen, wenn er das Wort Cesko als Staatsbezeichnung hörte. Und so geht es vor allem den älteren Tschechen immer noch. Politisch würde die Bezeichnung zudem zwei Landesteile ausgrenzen: Mähren und Schlesien.

Um das Dilemma aufzulösen, müsste man einen radikal anderen Namen erfinden, meint Karel Oliva von Sprachinstitut der Akademie der Wissenschaften in Prag. So wie es etwa Holland und den anderen Provinzen mit der Bezeichnung Niederlande gelungen sei. Die Staatsbezeichnung Cesko werde in absehbarer Zeit nicht offiziell werden, ist Oliva überzeugt.

Präsident Zeman lässt sich davon nicht beirren. Als sein israelischer Kollege Peres während eines Staatsbesuchs von Zeman entgegen den protokollarischen Gepflogenheiten unbeirrbar von „Czechia“ statt von „the Czech Republic“ sprach, dankte ihm der Zeman ausdrücklich. Er benutzt die Kurzbezeichnung in seinen Reden – zum Missfallen mancher seiner Landsleute.