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Ukraine: Siegessicherer Verteidigungsminister

Waleri Geletej muss den Neuaufbau der Armee organisieren.

Waleri Geletej muss den Neuaufbau der Armee organisieren.

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dpa

Kiew -

Waleri Geletej hat den Mund sehr voll genommen, als er am Donnerstag sein Amt erhielt. Die Ukraine werde siegen, sagte der frisch ernannte Verteidigungsminister mit Blick auf die Kämpfe im Land, und dann machte er eine Pause und fügte hinzu: „Die Siegesparade wird im ukrainischen Sewastopol stattfinden.“

Natürlich wusste jeder im Saal, dass die ukrainische Armee nicht davor steht, mit klingendem Spiel in der von Russland annektierten Krim einzumarschieren. Sie kämpft derzeit im Osten des Landes gegen prorussische Rebellen, und das tut sie auch nicht unter dem Kommando des Verteidigungsministers. Der hat nicht die Aufgabe, Truppen zu lenken, sondern den dringend nötigen Neuaufbau der Armee zu organisieren.

Ob Geletej ihr gewachsen ist? Er ist 46 Jahre alt und kommt aus dem westlichsten Zipfel des Landes, an der ungarischen Grenze. Obwohl Generaloberst, ist Geletej kein Militär – er war vielmehr der oberste Personenschützer des Landes. Diese Stellung hat er schon unter dem prowestlichen Präsidenten Viktor Juschtschenko ausgeübt und anschließend wieder, nach dem Sieg der Maidan-Revolution in diesem Februar.

Aber offenbar genießt Geletej das Vertrauen von Präsident Petro Poroschenko, der ihn persönlich der Rada vorstellte. Der Präsident liebt es, Leute von außen einzubringen – er hat soeben auch einen reichen Geflügelproduzenten zum Verantwortlichen für Sicherheitsfragen in seinem Stab ernannt. Auch den Chef des Generalstabs hat Poroschenko ausgetauscht. „Mehr Entschlossenheit, mehr Professionalität“ brauche die Armee, sagte der Präsident im Parlament.

Dass die Ukraine eine bessere, ja eigentlich eine ganz neue Armee braucht, ist unbestritten. Zwei Jahrzehnte hat sie unter Vernachlässigung und Korruption gelitten. Als sie gebraucht wurde, versagte sie. Geletejs Vorgänger wurde mangelnder Einsatz vorgeworfen. Jetzt sind Kiews Truppen zwar wieder auf dem Vormarsch – aber unter weiterhin großen Verlusten. Ein Hubschrauber nach dem anderen wurde im Laufe der „Anti-Terror-Operation“ abgeschossen. Vor allem aber gibt es viele Tote aus der Zivilbevölkerung. Statt mit Präzisionswaffen den Feind auszuschalten, hantiert die Armee mit schwerer Artillerie in dicht besiedeltem Gebiet. Das mag nach Entschlossenheit aussehen, aber sicher nicht nach Professionalität. Es ist Geletejs Aufgabe, dieses Problem zu lösen – und dabei hat er Konkurrenz. Denn längst gibt es Freiwilligeneinheiten, viele finanziert vom Milliardär Kolomojski, die den regulären Truppen faktisch Konkurrenz machen. Kommentar Seite 8