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Union: Viel Aufwand für nichts

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Ideenlos: Björn Jopek.
Ideenlos: Björn Jopek.
Foto: dapd

Der 1. FC Union erspielt sich beim 0:0 gegen den Aufsteiger VfR Aalen keine Torchancen - trotz klarer Überlegenheit, denn die meisten Ballkontakte bei den Gästen sammelte deren Torwart.

Die grellgelb leuchtende Mütze auf dem Kopf von Adam Nemec signalisierte dem Betrachter: Schau mich an, ich kann es doch! Am Sonnabend gegen den VfR Aalen hatte er wieder nicht die Chance bekommen, sich zu beweisen. Erst kurz vor Schluss wurde der bundesligaerfahrene Angreifer eingewechselt. Die Möglichkeit zum Torschuss räumten ihm seine Mitspieler jedoch nicht mehr ein.

Also bewies er am Sonntag Nachholbedarf und drosch den Ball mehrfach ins Netz. Der Betrachter verzog dennoch keine Miene. Neuhaus, der Nemec beobachtete, hatte nämlich beim 0:0 gegen Aalen erkannt, dass im Offensivspiel von Union Berlin „vieles im Argen liegt“. Mit ein bisschen Schusstraining ist es nicht getan.

Als Neuhaus am Sonntag um das Trainingsfeld schritt, auf dem sich Nemec im Duell mit den Torhütern übte, war immerhin sein zynisches Lächeln verschwunden. Das war eine gute Nachricht, denn der Sarkasmus hatte sich während der 90 Minuten gegen Aalen so sehr in sein Antlitz gefressen, dass eine bleibende Verformung des Gesichts zu befürchten war.

Alles begann in Minute acht. Markus Karl bekam für eine Grätsche im Mittelfeld gegen Robert Lechleitner die Gelbe Karte, die fünfte in der laufenden Saison. Kommende Woche gegen Jahn Regensburg wird Neuhaus daher auf Karl verzichten müssen. Das schmerzt den Coach, denn Karl war gegen Aalen sein zweikampfstärkster, ballkontaktfreudigster und mit dem Kopfball an die Latte (51. Minute) auch torgefährlichster Spieler.

Den Ärger über die harte Entscheidung des Schiedsrichters in der Anfangsphase goss Neuhaus in ein höhnisches Lächeln. Eine Viertelstunde später gesellten sich ein paar Zornesfalten dazu, als Christian Stuff nach einer Ecke von Leandro Grech am Fünfmeterraum zu Fall gebracht wurde. Die Lippen von Neuhaus formten die Worte: „Klarer geht’s nicht!“ Doch der Elfmeterpfiff blieb ebenso aus, wie in der zweiten Halbzeit, als Simon Terodde per Rempler (52.) und Silvio in Ringermanier (66.) im Strafraum zu Boden gebracht wurden.

Als Stuff zehn Minuten vor dem Ende nach einem Eckball erneut fiel, war das Gesicht des Union-Trainers längst zu einem ungläubigen Lachen erstarrt. Doch obwohl es zumindest einen Strafstoß hätte geben können, müssen sich die Unioner und ihr Trainer fragen, warum sie aus dem Spiel heraus nur zu zwei Torchancen kamen. Denn der Aufsteiger aus Aalen präsentierte sich äußerst harmlos.

Harmlosigkeit des Gegners nicht genutzt

Die meisten Ballkontakte bei den Gästen sammelte bezeichnenderweise deren Torwart. 39 Mal trat Keeper Jasmin Fejzic gegen das Spielgerät, zwei Mal führte sein Abschlag zu einem Torschuss. Dass keiner seiner Feldspieler mehr Torvorlagen gab, sagte alles über das Angriffsspiel von Aalen: Es war nicht vorhanden. Die Fußballer aus Köpenick vermochten allerdings nicht, diese Harmlosigkeit auszunutzen. Was auch daran lag, dass Neuhaus in der ersten Halbzeit mit nur einem Stürmer spielen ließ. Seine Spieler rieben sich im Mittelfeld auf.

„Wir betreiben viel Aufwand“, sagte Fabian Schönheim. „Aber wir spielen den letzten Pass nicht so, dass der Ball über die Linie gehen kann“, ergänzte er. Das Sturmproblem von Union ist auch ein Mittelfeldproblem. Das gesamte Offensivspiel krankt gegen Mannschaften, die sich auf die Defensivarbeit beschränken. Gerade in Heimpartien muss Union den Spielfluss diktieren, es fehlt im Berliner Mittelfeld jedoch jemand, der die Ideen und Fähigkeiten besitzt, Spielräume zu kreieren.

Tijani Belaid, der die nötige Veranlagung mitbrächte, wurde von Neuhaus auf die Tribüne verbannt, weil er sein Potenzial wiederholt nicht abgerufen hat. Stattdessen versuchten sich Björn Jopek und Torsten Mattuschka im Zentrum als Ballverteiler, und Schönheim durfte nach seinen zwei Treffern in Dresden erneut auf die linke Außenbahn. Nach 45 Minuten beendete sein Trainer das wiederholte Experiment. „Uns ist zu wenig eingefallen“, sagte Schönheim. Er wurde auf seine angestammte Position in der Verteidigung zurückbeordert.

Dafür bekam Silvio in der zweiten Spielhälfte mit Simon Terodde endlich Unterstützung im Angriff Doch der Effekt verpuffte nach zehn Minuten. „Wir haben gedrückt ohne Ende“, sagte Stuff. Der Druck aber, von dem der Verteidiger nach der Partie sprach, war ein ständiges Anbranden im ewig gleichen Tempo.

Es fehlten die Rhythmuswechsel und Tempoverschärfungen, die Druck in Torgefahr verwandeln können. Gäste-Torhüter Fejzic musste überhaupt erst in der Nachspielzeit seine Fangfähigkeiten unter Beweis stellen. Den Freistoß aus 16 Metern von Mattuschka entschärfte er problemlos.

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