21.02.2012

Hypermoderne: Ein smarter Hauch von Licht

Von Peter Glaser

Die digitale Welt verwandelt sich in etwas, das Kommunikation, Netzzugang und Datenzugriff überall und jederzeit bereithält. Der klassische PC, der lüftersäuselnd auf dem Schreibtisch hockt, ist zu plump für diese neue Welt.

Von Thomas J. Watson, er war in den 1950ern-Jahren Vorstandsvorsitzender der Firma IBM, stammt das Zitat „Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“ Lang wurde diese Prognose belächelt. Was den Personal Computer angeht, wird sie nun wohl in absehbarer Zeit Realität werden.

Neue kleine, leistungsmächtige Maschinen; neue Freiheiten, die sich die User nehmen wollen; neue Dienste, die das Computing allgegenwärtig machen wie Sauerstoff – die digitale Welt verwandelt sich in etwas, das Kommunikation, Netzzugang und Datenzugriff überall und jederzeit bereithält. Der klassische PC, der lüftersäuselnd auf dem Schreibtisch hockt, ist zu plump für diese neue Welt. Zu stationär, zu unbeweglich. Die PC-Revolution ist vorbei, das Konzept hat sich überlebt. Nun kommen mobile, multitalentierte Maschinen, die sich besser verteilen (bis in unsere Jackentaschen) und eine neue Art von Netz formen – Audioplayer, Smartphones, dünne Medientablets. Und es kommt Computerleistung im Hintergrund, die unscheinbar abrufbar ist, wie Leitungswasser, und die den Besitz von Geräten möglicherweise ganz überflüssig machen wird.

Die PC-Verkaufszahlen sind rückläufig, nur Notebooks und Netbooks verkaufen sich noch gut. Mobiler, handlicher, brillanter – und durch Apps wandlungsfähig wie ein Chamäleon: So sehen die Wünsche aus, die Nutzer heute an ein Gerät haben. Der Trend ist unübersehbar: Der PC ist tot. Er will es nur noch nicht wahrhaben. Mit dem neuen Jahrtausend ist aus der PC-Revolution eine iVolution geworden: Der vormalige Personal-Computer-Pionier Apple trat aus seiner Nische und wurde zum Schrittmacher für digitales Entertainment und das mobile Internet. Während Apple mit dem iPhone zeigte, dass die Bedienung eines Smartphones Vergnügen bereiten kann, enttäuschte Microsoft mit seinem Windows-Handy. Microsoft-Leitstier Steve Ballmer versucht die Misere zu beheben, indem er neue Maschinen wie die Tablets einfach auch als PCs definiert. Es sind aber Post-PC-Geräte.

Scott McNealy, der Chef von Sun Microsystems, erklärte schon in den Neunzigern, damals kess, den klassischen PC für tot – „Das Netz ist der Computer“, so McNealy.

Das World Wide Web aber war erst einmal eine weltweite Wohngemeinschaft für Personal Computer. Was für die Zeit, in der gerade das Internet vom Himmel fiel, noch zu früh war, vollzieht sich heute tatsächlich: die Abwanderung vom PC in die Wolke, das Cloud Computing, hat begonnen. Der PC verliert sein P – aus Abertausenden vernetzter, unpersönlicher Standardrechner-Steckkarten bestehen die großen Data Center, wie die von Google, Apple, Facebook oder Microsoft, die nun als Datenkraftwerke zunehmend für die Speicherplatz- und Leistungsversorgung der Online-Menschheit verfügbar sind.

Wenn man den Blick in die Zukunft richtet, zeichnet sich etwas Erstaunliches ab: Die Hardware wird verschwinden und nur noch die Funktionen bleiben. Das Immer-und-überall-Netz wird dafür sorgen, dass man stets online sein kann, schreiben, lesen, telefonieren, fernsehen, musikhören, suchen, bloggen, ohne sperrige Gerätschaft mit sich herumschleppen zu müssen. Die Technik wird in den Hintergrund rücken, vielleicht in die Laternenmasten der Straßenbeleuchtung integriert, und, so wie heute die zunehmend flächendeckenden WLANs, Teil einer öffentlichen Infrastruktur werden. Statt ein Notebook oder auch ein Tablet mit sich tragen zu müssen, hätte man dann die Möglichkeit, überall in virtueller Form das zu benutzen, was Bildschirm und Tastatur uns bisher in Hardwareform eher umständlich geboten haben. Es gibt bereits Systeme, die Bildschirminhalte auf eine beliebige Fläche projizieren − auf ein Hosenbein, eine Handfläche, eine Parkbank −, dazu eine Kamera, die erkennt, wohin man zeigt, welche Gesten man ausführt. Statt einer Maus benutzt man seine Hand, statt einer realen Tastatur eine projizierte aus Licht.

Für das, was eigentlich zu tun ist, genügt ein smarter Hauch von Licht. Das wäre der nächste Schritt, nach der Post-PC-Technologie: Ein ganz neues, intensives Gefühl von Präsenz und transparenter Kommunikation. Ein Zustand, der sich ein bisschen anfühlt wie Zauberei: ein Wink – und was ich brauche, ist da.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Neueste Bildergalerien Kultur
Aktuelle Videos
Kinoprogramm
Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute: Alle Kinos:
Magazin
Weblogs
Die Blogs der Berliner Zeitung.

Anekdoten aus dem Hauptstädter-Alltag, Antworten auf Beziehungsfragen und Pop-Expertisen. mehr...

Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
38 Staus mit einer Gesamtlänge von 94km
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige