Unterm Strich

Unterm Strich: Basteln mit Benno Fürmann

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Der Künstler ist zufrieden.
Der Künstler ist zufrieden.
Foto: Susanne Schirdewahn

Benno Fürmann ist einer, der die Welten von Film und Wirklichkeit unverdrossen vermengt und aus seiner Bekanntheit sinnstiftend Nutzen generiert. Zwischen vielen Terminen findet er etwas Zeit, um für den guten Zweck seinen Fingern auf der Leinwand freien Lauf zu lassen.

Mit dem Schauspieler Benno Fürmann habe ich einen Kandidaten gewonnen, den auch meine Mutter kennt. Einer, dessen Konterfei sowohl auf Plakaten von Blockbustern als auch von Autorenfilmen prangt. Es stimmt: Auch in Wirklichkeit sieht er verdammt gut aus, wie er da die Treppe zu meinem ollen Atelier herauf federt und sich gleich bereit erklärt, bei unserem Bastelexperiment auch noch gefilmt zu werden.

Ich hatte ihn in unseren Mails schon vorgewarnt, dass er bei mir etwas malen könnte, das wir am Ende der Serie zu einem guten Zweck versteigern werden. Wir haben exakt zwei Stunden Zeit dafür, denn seine Termine sind dicht gedrängt. Vor wenigen Tagen noch ist er von einer intensiven Woche in einem Flüchtlingslager im Südsudan zurückgekehrt, um für die Uno-Flüchtlingshilfe Spenden einzuwerben. Er weiß, dass den meisten derzeit andere Krisenherde im Gedächtnis sind; Syrien und natürlich der Nahe Osten. Täglich wird man mit schlechten Nachrichten versorgt, oft ohne das Gefühl, effektiv etwas dagegen tun zu können. Noch dazu schleicht sich beim Kreativsein nicht selten der Gedanke ein, an einem der gesellschaftlich verzichtbarsten Rädchen zu drehen.

Darum ist es umso beflügelnder, einem wie Benno Fürmann zu begegnen, der einfach unverdrossen beide Welten, Film und Wirklichkeit, miteinander zu verbinden scheint und die Glamourwelt dafür nutzt, zumindest etwas mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Spenden kann man unter der Web-Adresse: benno.betterplace.org.

Kamera, Maltuben und Papier

Wie auf Schienen gleitet er in den Werkraum, den ich extra noch ordentlich auf Vordermann gebracht habe. Mit neuen Pinseln und einem frischen Tisch, den Fürmann gleich mit seinen Mitbringseln belegt − mit Stulle, Apfel und Teeflasche, seinem Frühstück, das er zu Hause nicht mehr geschafft hat. Tatsächlich sieht er aus, als wäre er gerade vom Erholungsurlaub heimgekehrt. Er hat sogar ein paar Skizzen dabei, um seine Idee für ein Motiv zu präsentieren: ein kopfloser Frauenakt, aus dem lustvolle Flammen züngeln.

Das hat er früher als Jugendlicher mal entworfen. Ich gebe zu, dass mir in Anbetracht der Entwürfe Zweifel kamen, ob dieses Motiv heute noch trägt. Und vor allem, ob wir das für viel Geld versteigern können. Außerdem finde ich es gerade viel spannender, ihn seines Plans zu berauben, gebe ihm also Maltuben und Papier zur Hand. Mal sehen, was passiert, wenn er vor meinen Augen und vor der Kamera auf einem ihm fremden Terrain improvisieren muss.

Die Kamera! Es ist eine spürbare Veränderung im Raum. Plötzlich fallen mir die Schlagzeilen ein, in denen sich Tom Hanks über den Dilettantismus von „Wetten dass“ beklagte. Seither sollte man es tunlichst zu vermeiden versuchen, einen ernst zu nehmenden Star zum Affen zu machen. Aber muss man sich nicht manchmal weit aus dem Fenster lehnen, um mehr zu sehen und vielleicht auch mehr gesehen zu werden? Also Mut! Mein Vorschlag an Fürmann: Malen mit geschlossenen Augen.

Bloß kein Gematsche

Sofort entgegnet er, das sei ihm zu konzeptionell, schließt die Augen aber noch während des Satzes und beginnt mit Kreide die ersten Striche. Mit dieser Amöbenform wird er lange nicht zufrieden sein, auch nicht, als er sehend, korrigierend viele Farben darauf verteilt; um Himmelswillen bloß kein Gematsche! Die Situation droht aus der Leichtigkeit zu kippen. Fürmann ringt sichtlich mit sich und mir, die ich ihm wie bei einer Operation am offenen Kunstherzen immer wieder schnell neue Malutensilien hole und anreiche.

Inzwischen wirkt der Tisch wie ein Schlachtfeld mit verschüttetem Kaffee, unzähligen Farbschüsseln, verworfenen Mischungen. Noch dazu rate ich ihm, etwas mehr „Mitte“ hinein zu malen. Da komme er sich vor wie beim therapeutischen Malen mit Schwester Inge, was er mit so viel Charme herausposaunt, dass ich in das Spiel einsteige und ihm die Inge mache, immer darum bemüht, uns seine Motivation zunutze zu machen.

Aber erst, als er das Bild verwirft und ein neues beginnt, glätten sich die Wellen. Welch Freude, dass er dabei die meiste Zeit die Augen mit meinem Tuch verbunden hat und es zuvor noch im Überschwang als Mal-Lappen benutzen wollte. Das fertige Bild: großartig!

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