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Unternehmen will seinen größten Laden in der Stadt bis Herbst 2007 bauen: Ein Edeka-Markt in der Backstube

MOABIT. Der alte Schornstein ist alles, was von der ehemaligen Paechbrot-Fabrik übrig blieb. Wie ein drohender Zeigefinger ragt er aus dem leeren Gelände. Nach Ansicht der Eigentümer soll er auch mahnen. Vor allem deshalb, weil das 15 000 Quadratmeter große Gelände seit Jahren brachliegt und die Entwicklung eines neuen Gewerbestandortes immer wieder scheiterte. Jetzt aber sind sich die Eigentümer um die Großbäckerei-Familie Wendeln mit der Edeka-Gruppe einig: Auf dem Gelände soll ein Edeka-Center gebaut werden. Mit 4 500 Quadratmeter Handelsfläche wird es der größte Edeka-Markt in Berlin."Es ist unser ambitioniertestes Projekt in der Stadt. Es ist der Auftakt, uns hier stärker zu präsentieren", sagt Andreas Laubig, Sprecher der Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover. In dem Center sollen die Kunden ein Komplettangebot vorfinden - vor allem Lebensmittel - von preisgünstigen Angeboten bis hin zu Spezialitäten. Wie Laubig sagt, sei das Center mit Tresen für Fleisch, Wurst und Käse auf "Qualität und Service ausgerichtet".Etwa 40 Millionen Euro wollen die Eigentümer investieren. Nach derzeitigen Überlegungen soll entlang der Stephanstraße ein zweigeschossiger Neubau mit bis zu 12 500 Quadratmeter Handelsfläche entstehen. Wie es auch ein entsprechender Bebauungsplan des Bezirks vorsieht, sagt der Berliner Projektentwickler Alexander Wiedemann. Im Erdgeschoss wird das so genannte E-Center von Edeka eingerichtet. In der Etage darüber entstehen weitere Handels- und Gewerbeflächen, möglicherweise kann dort ein Großmarkt aus der Elektronikbranche einziehen. Auch etwa 650 Parkplätze sind auf dem Gelände vorgesehen.Noch vor dem Weihnachtsfest soll der Mietvertrag von Edeka unterzeichnet werden und das Center im Herbst 2007 eröffnen. Die Einigung mit Edeka sei der wesentliche Mosaikstein, um die Entwicklung des Geländes zu ermöglichen, sagt Clemens Lammek als Vertreter der Eigentümer.Schon seit zwölf Jahren wird auf dem Paechbrot-Areal kein Brot mehr gebacken. Neubauplanungen mit einem Kaufland-Markt, Hotel, Möbelladen und Elektronikmarkt scheiterten jedoch an der Blockade des Senats, dem die Dimension des Projektes in diesem Bereich der Stromstraße zu groß war. Vielmehr will die Landesregierung die Entwicklung auf dem ehemaligen Schultheiss-Gelände an der Turmstraße/Ecke Stromstraße fördern. Doch dafür fanden sich keine Investoren, nach der Pleite der Franke-Gruppe steht das 24 000 Quadratmeter große Gelände jetzt unter Verwaltung der Bankgesellschaft Berlin. Aus Sicht von Clemens Lammek macht eine gemeinsame Entwicklung beider Standorte Sinn. Deshalb haben die Eigentümer gegenüber der Bank jetzt auch ihr Kaufinteresse für das Schultheiss-Areal bekundet. Der geschätzte Kaufpreis beträgt zehn Millionen Euro.------------------------------Flotte SprücheDer Name Paechbrot hat Tradition. Die Fabrik in Moabit wurde vor rund hundert Jahren auf einem Hinterhof gebaut und später erweitert.Eberhard Paech (1910-2000) übernahm die Fabrik 1937 von seinem Vater. Mit Werbesprüchen in U-Bahnen und Bussen machte er das Brot nach dem Zweiten Weltkrieg berühmt: "Der Orje sprach zum Kulle, haste nich 'ne Paech-brot-Stulle?", "Gar furchtbar schimpft der Opapa - die Oma hat kein Paechbrot da" oder "Paechbrot gibt es täglich frisch, aus dem Ofen auf den Tisch."Verkauft wurde die Fabrik 1986 an die Familie Wendeln. Sie baute nach dem Mauerfall in Bernau für 30 Millionen Euro ein neues Werk. Die Produktion in Moabit wurde 1993 eingestellt.Mehrere Projekte in den 90er-Jahren sahen vor, das Grundstück in Moabit zu einem Gewerbestandort zu entwickeln. Die Pläne scheiterten.Künstler protestierten 2002 gegen den Leerstand und besetzten die Fabrik. Sie forderten ein Kulturzentrum. Die Fabrikruinen wurden 2004 abgerissen.------------------------------Foto: Paechbrot in Moabit - 2004 wurden die Gebäude abgerissen. Jetzt steht nur noch der Schornstein.