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Urlaub 2013

Der Gemüsegarten Italiens

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In Minervino wird gern zusammen auf den Straßen gefeiert – und dabei bis in die Nacht hinein viel gegessen. Foto: ARTEFAKT/KRZYSZTOF WOJCIK

Apulien ist noch immer ein Geheimtipp. Dabei gibt es viel zu entdecken – Landschaft, Historie und Küche. Kommt ein Fremder nach Apulien, ist er zunächst von den riesigen Olivenhainen beeindruckt. Wohin das Auge schaut, erstrecken sich von der Küste bis zur Hochebene „Murge“ Olivenbäume.

Dazwischen viel Ackerland. Zu Recht wird Apulien der Gemüsegarten Italiens genannt. Am Wegesrand weisen Schilder auf Masserien hin. Das sind historische Bauerngehöfte, deren Bewohner auch Zimmer vermieten.

Solche Bed&Breakfast-Angebote gibt es in idyllischen Olivenhainen oder in den malerischen Kleinstädten. Mit etwa 35 Euro pro Person kann der Reisende rechnen. Man trifft aber auch auf luxuriöse Anwesen mit sogenannten Hochzeitshäusern, in denen italienische Großfamilien oft über mehrere Tage große Feste feiern. Die meisten sind oft nicht voll ausgebucht und für etwa 50 Euro bekommt der Gast ein elegantes Zimmer.Die Leute hier sind sehr aufgeschlossen und zeigen den Reisenden gern, was ihr Landstrich zu bieten hat. Wir machten uns von Bari in Richtung Norden auf.

Griechen, Römer, Byzantiner, Sarazenen, Franzosen und auch ein deutscher Kaiser haben hier ihre Spuren hinterlassen. Zum Beispiel in Bitonto. Durch die Porta Baresina geht es in die Altstadt mit ihren schmalen, verwinkelten Gassen zur Kathedrale San Valentino. Vorbei am „Il Plancheto“, einem Restaurant in alten Gemäuern mit vorzüglicher Küche und traumhaften Zimmern zu ortsüblichen Preisen. Oder am Palazzo „Antica Via Appia“, dessen Gasträume einem mittelalterlichen Museum gleichen.

Ein paar Meter weiter besitzt die Familie Marinelli die älteste Steinofenbäckerei des Ortes und bäckt dort angeblich die besten Taralli
(ein Trockengebäck) Apuliens. Die Kathedrale stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist einer der schönsten romanischen Kirchenbauten Apuliens. Vor Jahren wurden unter dem Dom Mosaike, die bis in die römische Zeit zurückreichen, freigelegt. Ein Relief neben der Kanzel zeigt die vier staufischen Herrscher: Friedrich I. Barbarossa, seinen Sohn Heinrich, eine Stufe höher Friedrich II. und seinen Sohn Konrad IV. Friedrich II. soll an der Planung vom Castell del Monte auf dem höchsten Hügel der Murge beteiligt gewesen sein.

Die Kathedrale San Valentino in Bitonto stammt aus dem 12. Jahrhundert.
Die Kathedrale San Valentino in Bitonto stammt aus dem 12. Jahrhundert.
Foto: BEBSB

Ebenfalls im 12. Jahrhundert wurde im Küstenstädtchen Trani die Meereskirche San Nicola Pellegrino mit ihrem schlanken Glockenturm erbaut. Der alte Stadtkern, das jüdische Viertel mit seinen Synagogen, das Castello Svevo, das zu drei Vierteln am Meer liegt, die Adelspaläste am Hafen und das Tribunal machen das alte Seefahrts- und Handelszentrum zu einem Freilichtmuseum. Im modernen Stadthafen haben Segel- und Motorboote ihre Anker ausgeworfen. Das Schloss in Trani ist eine der schönsten Befestigungsanlagen, die Friedrich II. errichten ließ.

Etwa zehn Kilometer vom Meer entfernt, liegt die kleine Stadt Andria. Auf dem Weg zum Castell del Monte sollte man hier unbedingt Haltmachen. Vor der Kirche stehen Call-Bikes, doch eine Radtour ist in den schmalen Straßen recht abenteuerlich. Empfehlenswert hingegen ist der Besuch des Pralinenmuseums. Abends sollte man in eines der reizenden Restaurants einkehren und die apulische Küche genießen. Es gibt auch hübsche kleine Pensionen zum Übernachten. Gerade hat der junge Olivier Guiseppe Lombardi einen kleinen Naturkostladen im Zentrum eröffnet und vermietet die darüber liegenden Ferienwohnungen. Von hier aus kann man die Stadt gut zu Fuß erkunden oder in den vielen kleinen Geschäften shoppen gehen.

Wer gut zu Fuß ist, sollte unbedingt Minervino erkunden. Das Städtchen klebt wie ein großer weißer Fleck an der Murge und wird zu Recht der Balkon Apuliens genannt. Steilan führen die schmalen Straßen. Schneller kommt man aber über die vielen Treppen von einer Ebene zur anderen. Von oben entschädigt ein herrlicher Blick in das weite Land, zum Castell del Monte bis hinüber zum Gargano, der Sporn des italienischen Stiefels. Im gut erhaltenen Ortskern findet man repräsentative Paläste und Kirchen, aber auch kleine Cafés und etwa 30 gute Restaurants.

Die Leute hier sind sehr gastfreundlich und feiern gerne. Gelegenheiten dazu gibt es viele. Zum Beispiel beim Pilzfest, zu dem etwa 30000 Besucher kommen. Die Einheimischen stellen einfach ihre Töpfe vor die Haustür und bieten den Cardoncello, einen Pilz, der nur in der Nähe von Olivenbäumen wächst, an. Dieser steht auch bei Pietro Carlone auf dem Speiseplan. Die abwechslungsreiche Küche seiner Osteria Cantina Brandi ist weit über die Murge hinaus bekannt. Doch wenn Touristen nur einen Teller Spaghetti verlangen, fühlt sich der Koch beleidigt.

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